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Politisches Stadtfest »Gießen bleibt bunt« mit vielen Farben

Artikel vom 17.07.2011 - 21.39 Uhr

Politisches Stadtfest »Gießen bleibt bunt« mit vielen Farben

Gießen. Tausende Menschen haben am Samstag in der Fußgängerzone der NPD-Demonstration ein »politisches Stadtfest« entgegengesetzt. Über 60 Aktionsgruppen dokumentierten mit Darbietungen, Kundgebungen und Informationsständen, dass sie keine menschenverachtende Ideologie dulden. Auch eine Auschwitz -Überlebende griff zum Mikrofon.

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Buntes Gießen - Wörtlich verstanden wurde das Motto des Straßenfestes »Gießen bleibt bunt« von den Frauen des mesopotamisch-kurdischen Kulturvereins auf dem Kirchenplatz. Vom späten Vormittag bis zum frühen Abend feierten Tausende Gießener in der City ein Fest für Vielfalt und Toleranz in ihrer Stadt.
Immer wieder pendelte das friedvolle Fest reibungslos zwischen ausgelassener Fröhlichkeit und ernsthaften Augenblicken, in denen die Empörung über die Demonstration der Neonazis zum Ausdruck kam.

Samba eroberte den Marktplatz. Trommelnd schlenderte die Gruppe Bloco Baiano unter strahlendem Sonnenschein über den Platz, setzte mit lateinamerikanischen Rhythmen den Takt - und brachte Passanten zum Tänzeln. Vor der Johanneskirche derweil jubelten Besucher der Sängerin Manuela Wirth zu - und zollten wenige Minuten später dem hessischen SPD-Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel Beifall, als dieser an selber Stelle ein Verbot der NPD einforderte. So entfaltete sich ein Fest, von Heiterkeit geprägt - und fortwährend der Ernsthaftigkeit des Anlasses gewahr.

+++ Bildergalerie zu »Gießen bleibt bunt« und einige politische Statements +++

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Einer der Höhepunkte bei »Gießen bleibt bunt«: Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano singt mit Rapper Kutlu Yurtseven beim DGB-Fest im Asterweg.
Ihren Ärger über die Demonstration der NPD äußerte am Samstagnachmittag im Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung eine Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz. Die 76-jährige Esther Bejarano hatte im Mädchenorchester des Konzentrationslagers Akkordeon gespielt und den täglichen Marsch der Arbeitskolonnen durch das Lagertor musikalisch begleiten müssen. Am Samstag war sie aus Hamburg zu einem Konzert nach Gießen gereist. »Es ist fürchterlich, dass Nazis durch die Innenstadt marschieren dürfen«, sagte sie. »Die müssen verboten werden, sie werden immer frecher.« Das Fest unter dem Motto »Gießen bleibt bunt« finde sie »wunderbar«. Gemeinsam mit ihrer Tochter Edna und ihrem Sohn Joram sowie zwei Hip-Hop-Musikern intonierte sie Lieder für den Frieden vor 100 Menschen im Rahmen eines Straßenfests des DGB im Asterweg, wo auch der Kabarettist Erich Schaffner sowie Gießener Bands und Liedermacher auftraten.

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Musik, Tanz und Spiel überall: Gruppen wie Superphonix und The Morning After sowie Tanzensembles unterhielten auf Bühnen am Kirchenplatz und vor der Johanneskirche. In der Sonnenstraße empfingen Künstlerwohnungen unter anderem zum Lesen und Suppenessen. Soziologen, Ethnologen und Kunstpädagogen hatten ein »deutsches Zimmer« eingerichtet und suchten in einem ironischen Spiel mit den Passanten verzweifelt Wörter ohne Migrationshintergrund. Unter dem Motto »Wir pfeifen auf Nazis« bastelten Kinder an einem Stand des Botanischen Gartens Panflöten aus Knöterich. Stündlich luden ökumenische Andachten in der Johanneskirche zu »Oasen der Ruhe«.



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Artikel vom 17.07.2011 - 21.39 Uhr
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Leserkommentare
(18.07.2011 09:22)
Gracchus
Gutmenschen ?
"Als sich die Demonstrierenden Parolen rufend und Fahnen in den Farben Rot, Weiß und Schwarz schwenkend vom Marktplatz her näherten,..."
"....alles friedlich verlaufen. »Das Ziel war, dass Giessen nicht mit Bildern der Gewalt in die Schlagzeilen gerät.«"
Wer mit zu eng anliegenden linksideologischen Scheuklappen gestraft ist, der sieht das wohl so. Wer am Samstag mit wachen Augen in der Stadt unterwegs war, der weiß, wie es wirklich war !
Die roten Fahnen waren eben nicht nur Rot, sondern mit demokratiefeindlichem Hammer und Sichel "verziert" und das "rufen" hörte sich öfter nach der kommunistischen Internationale an !
Wie "friedlich" die ganze Sache war, läßt sich daran ersehen, daß die von abenteuerlich aussehenden Linken Chaoten angerichteten Schäden in die Hunderttausende gehen.
Brennende Mülltonnen, zerschlagene Fenster, ein zerstörter Geldautomat, beschmierte Häuser, der Einsatz der Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray und eine Frau, die in Todesangst in die Klinik eingeliefert werden mußte - all das als friedlich zu bezeichnen läßt auf ein gerüttelt Maß von Realitätsverlust schließen !
Aber es kann wohl auch in Giessen nicht sein, was nicht sein darf und was man als "Gutmensch" nicht sehen will, das sieht man dann eben auch nicht !
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