Gießen (mö). Ein Anwohner sprach gar von einer »biologischen Schrotthalde« und stellte fest: »Ich fühle nicht mehr wohl in diesem Wald.« Derart harsch äußerten sich am Mittwochabend nicht viele der rund 80 Anwesenden, aber Dampf ließen die Anwohner des Philosophenwalds bei der nunmehr zweiten Bürgerversammlung zum Thema Pflegekonzept schon ab. Im Mittelpunkt der Kritik standen dabei das neue Wegenetz und die Informationspolitik der Stadt.
Unterschriftenlisten und Petitionen auf Baumstümpfen: Die Arbeiten der Stadt im Philosophenwald haben eine Gegenreaktion der Anwohnerschaft ausgelöst. (Foto: Schepp)
Gegen Ende der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung gab es dann versöhnlichere Töne. Dem Wunsch der Anwohner, bei weiteren Veränderungen in dem Waldgebiet mitreden zu wollen, komme man gerne nach, versicherten die Vertreter der Stadt.
Bereits zum zweiten Mal binnen sechs Wochen hatte die Stadt in den Saal des Albert-Osswald-Hauses der Awo geladen, um die Anwohner über das neue Besucherlenkungskonzept für den Philosophenwald zu informieren. Denn beim ersten Mal hatten die von der Jugendwerkstatt verteilten Einladungen nur einen Teil der Anwohnerschaft erreicht, räumte Rainer Volk, Leiter des federführenden Liegenschaftsamtes, ein und entschuldigte sich.
Im Lichte der bereits durchgeführten Baumfällungen und Veränderungen im Wegenetz fiel das Urteil der Bürger bei der zweiten Veranstaltung deutlich kritischer aus als beim ersten Mal, als kaum Bedenken geäußert wurden.
Volk, Fledermaus-Experte Dr. Markus Dietz von der Universität, Stadtförster Ernst-Ludwig Kriep und Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich machten nochmals das Anliegen deutlich, das die Stadt mit dem Besucherlenkungskonzept verfolgt. Vor dem Hintergrund einer Rechtsprechung, die die Waldbesitzer und deren verantwortliche Mitarbeiter immer mehr in die Haftung für Unfälle nehme, müsse man den Erholungswert, den Artenschutz und die Verkehrssicherheit unter einen Hut bringen, erläuterte Weigel-Greilich. Dazu müsse man Kompromisse eingehen.
Der wichtigste besteht im Fall des Philosophenwalds in einer neuen Wegeführung. Künftig werden nur noch vier größere Achsen und ein Bypass von der Straße Philosophenwald in und durch den Wald führen. In den letzten Tagen sind diese Wege bereits mit Feinkies befestigt worden. Zur sogenannten Verödung der anderen Verbindungen hat ein Schlepper zudem die Stämme der gefällten Bäume und Astmaterial auf diesen Wegen angehäuft.
Die Anwohner sprachen am Mittwochabend von »Barrikaden« und »Blockaden«. Eine ältere Frau rief: »Da können Sie jetzt ja einen Hindernislauf veranstalten.« Die Verödung sei ohne Rücksicht auf die Gewohnheiten der Nachbarschaft durchgeführt worden. Insbesondere bei der neuen Wegeführung wäre eine Mitsprache der Anwohner, die sich von der Stadt überrumpelt fühlen, wünschenswert gewesen, hieß es mehrfach. Außerdem wurde die Befürchtung geäußert, dass die plattgewalzten Wege nun motorisierte Besucher anlocken könnten. Ein Auto und ein Motorrad habe man schon gesichtet, hieß es. Diesbezüglich will die Stadt die weitere Entwicklung beobachten und gegebenenfalls Umlaufsperren an den Waldzugängen errichten. Thema waren auch die Baumfällungen. Krieb widesprach dem Eindruck, dass mehr als 30 Bäume verschwunden seien. Im Übrigen seien die Fällarbeiten beendet, versicherte er.
Neben vielen kritischen Meinungen gab es aber auch Lob für das Konzept der Stadt, das schlüssig sei. Aber auch diese Anwohner monierten, dass »wieder einmal« über die Köpfe der Bürger hinweg Tatsachen geschaffen worden seien.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
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