Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Stadt » Übersicht »

Pfandpflicht: Die Ehrlichen sind die Dummen

Artikel vom 29.07.2010 - 10.00 Uhr

Pfandpflicht: Die Ehrlichen sind die Dummen

Gießen (si). Die einen halten sich an das Gesetz. Sie geben Einweg-Getränkepackungen nur gegen Pfand aus und nehmen sie auch zurück. Die anderen besorgen sich über dunkle Kanäle im Ausland Ware, die sie dann hier pfandfrei verkaufen.
Alles wie gehabt: Diese importierten Dosen und Flaschen werden in Gießen illegal verkauft. Das Nachsehen haben die gesetzestreue
Lupe - Artikelbild vergrössern
Alles wie gehabt: Diese importierten Dosen und Flaschen werden in Gießen illegal verkauft. Das Nachsehen haben die gesetzestreuen Händler und vor allem die Umwelt. (Foto: Schepp)
Die einen sind die Dummen, oft haben sie in teure Rücknahmestationen investiert. Die anderen freuen sich über einen Wettbewerbsvorteil, weil sie sich Aufwand und Kosten des Pfandsystems sparen. Alles wie gehabt: In Gießen verstoßen vor allem kleinere Läden in großem Stil gegen die Verpackungsverordnung.

Zwar sorgte ein Bericht dieser Zeitung über den Missstand vor sechs Monaten für Wirbel bis in die Landespolitik. Das hessische Verbraucherschutzministerium forderte unmittelbar darauf die Regierungspräsidien zu verstärkten Kontrollen auf, und zwar auch in Form von Stichproben. Im RP Gießen hat es im ersten Halbjahr 2010 allerdings keinen einzigen Ortsbesuch gegeben. Der zuständige Bereich »Kommunale Abfallwirtschaft« habe dafür keine Kapazitäten freigehabt, bedauerte Sprecherin Gabriele Fischer. Die Behörde hat deshalb seit Januar nicht einen einzigen Verstoß registriert – während sich das »Dogal Munzur Quellwasser« und die »Uludag Gazoz Limo« prächtig verkaufen.

Dabei ist die Rechtslage eindeutig. Die seit 2003 gültige Verordnung schreibt ein Pfand von 25 Cent für Einweggetränkepackungen vor. Es gilt für Dosen und Flaschen, unabhängig von der Größe, und betrifft zum Beispiel Wasser und Erfrischungsgetränke mit und ohne Kohlensäure. Auf Cola, Limonade oder auch Bier muss also Pfand erhoben werden, und dabei spielt es ausdrücklich keine Rolle, ob das Behältnis im Inland oder im Ausland abgefüllt wurde. »Die importierten Einweg-Getränkepackungen unterliegen der Pfandpflicht ebenso wie die in Deutschland abgefüllten Getränkepackungen«, schreibt das Bundesumweltministerium.

Fest steht: Es sind vor allem kleine Läden, die gegen die Verpackungsverordnung verstoßen, und fast immer sind es Geschäfte mit ausländischen Inhabern. In fast jedem türkischen bzw. kurdischen Supermarkt in Gießen und in den allermeisten Dönerläden gibt es Flaschen und Dosen, die dort nicht stehen dürften. Auch asiatische Imbissstände sind betroffen.

Woher kommt die heiße Ware? Die Geschäftsleute verraten es nicht, zucken mit den Schultern, schmunzeln. Das hessische Verbraucherschutzministerium lässt die Frage, ob es dort Erkenntnisse über die Handelswege gebe, unbeantwortet. Dabei ist es wohl ganz einfach. Den Autokennzeichen der Zulieferer nach wird die Ware direkt aus dem Ausland eingeführt. Abgeladen wird palettenweise – nicht in schummrigen Hinterhöfen, sondern bei Tageslicht. Wer das sehen will, kann es sehen. Beispielsweise in der Gießener Nordstadt.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 29.07.2010 - 10.00 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Leserkommentare
(03.08.2010 20:03)
Gracchus
Pfandpflicht
Ganz offensichtlich hat Deutschland kein Glück mit seinen "Migranten" !
Einige scheren sich keinen Deut um deutsche Gesetze und scheinen nur zum Abzocken hier zu sein !
Ob man sich als Deutscher im Ausland wohl auch so gesetzwiedrig benehmen darf ?
(30.07.2010 09:17)
kuste
Anmerkung
Der Artikel enthält einen Fehler.
Das Einwegpfand ist nicht unabhängig von der Grösse, sondern bezieht Behältnisse von 0,1 - 3 Liter ein. Deshalb trifft man im Handel gelegentlich auf Gebinde mit 3.01l z. B.
Zur Thematik selbst wüsste ich gerne, wie es die Händler sehen, die sich an die Pfandverordnung halten. Könnten die nicht einen Abmahnanwalt damit beauftragen? Dann sollte das Problem doch schneller gelöst sein, als auf die mit allem überforderte Politik zu hoffen. Vielleicht können Sie da noch einmal nachhaken. Würde mich interessieren.
(29.07.2010 21:38)
Leser
Stilfrage
Über den Stil kann man sich sicher streiten und auch, was eigentlich das Skandalöse im Artikel ist: Sind es wirklich die Händler, die das Schlupfloch der fehlenden Kontrollen nutzen oder sind es die Behörden, die kein Personal für die Kontrollen zu haben scheinen?
Abgesehen davon möchte ich aber die Gießener Allgemeine loben, denn es grenzt schon an Seltenheit, dass eine Zeitung selber einem Problem nachgeht, recherchiert und verschiedene Seiten dazu befragt und hebt sich zumindest von all den Artikeln ab, in denen nur plump Pressemitteilungen im Wortlaut abgedruckt werden, ohne die Aussagen zu hinterfragen oder auch andere Meinungen einzuholen.
(29.07.2010 13:23)
MariaDietz
@Chris
Ich leugne nicht die Tatsache.
Ebenso finde ich dieses Verhalten wie erwähnt auch nicht in Ordnung.
Es ging mir lediglich um die Art der Schreibe, welche für mich an Boulevardzeitung und nicht an eine seriöse Tageszeitung erinnert.
(29.07.2010 13:02)
chris
Die Kritik
von MariaDietz kann ich nicht teilen. Ich kenne auch ein paar Läden, wo man die pfandfreien Dosen und Flaschen kaufen kann. Sie gehören alle, ohne Ausnahme, Türken oder Kurden bzw. einem Italiener (Feinkost im Landkreis!!) Ich kenne keinen einzigen Laden mit deutschen Besitzer, der solche Getränke führt. Kennen Sie einen?
Ist es Zufall, dass es sich um Ausländer handelt, oder hat das System? Vielleicht haben die Deutschen nicht die entsprechenden Kontakte? Glaube nicht, dass sie moralischer sind.
(29.07.2010 11:24)
MariaDietz
Ansatz gut, Umsetzung eher mau
Die Intention des Artikels ist sehr löblich- in der Tat sollte alles getan werden was möglich ist, um die Umwelt zu schützen.
Unter anderem ist es dazu auch nötig, die vorhandenen Vorschriften bezüglich Pfand etc. einzuhalten.
Doch dieser Artikel weist in einigen Teilen das reißerische Niveau einer großen deutschen Boulevardzeitung auf. Das ist wirklich traurig.
Sowohl der indirekte direkte Fingerzeig auf die "bösen Türken mit ihren Dönerläden", als auch der abrupte Bruch im letzten Satz auf Seite 1.
Das diese Art der Schreibe gleich einen Freizeitdenunzianten auf den Plan ruft wundert da nicht sonderlich.
Wie erwähnt, es sollte definitiv etwas getan werden und so wie sich einige aus der Verantwortung ziehen ist das nicht in Ordnung .
Die Art des Artikels aber ebensowenig.
(29.07.2010 10:45)
Querdenker
Saubere Umwelt durch Pfand
Leider habe ich auch schon oft bemerkt das es viele gibt die Pfandpflicht umgehen.
Wie auch immer die das machen ist es aber generell möglich das Problem schnell abzuschaffen.
Ich wäre dabei.
Gebt mir den Auftrag und die Hälfte vom Bußgeld dann mache ich mich auf den Weg. Es kann ja nicht so schwer sein die Rechtslage zu lernen und speziell auf diese Sünder zu zu gehen.
Dann wird das Zeug beschlagnahmt und auf kosten der Verursacher entsorgt.
Man könnte das aber auch der Tafel zuführen und durch Aufkleber kennzeichnen und die Menschen die die Tafel in Anspruch nehmen dazu verpflichten die Behältmisse beim nächsten Besuch wieder ab zu geben.Danach landen die auf dem Schrott bzw im Glascontainer.
Das ist alles nur eine Sache der Organisation und bestimmt nicht schwer.
Wenn Sie Interesse haben dann Mail an - pebulinden@web.de
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang