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Pädophiler Familienvater kommt in Psychiatrie

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Artikel vom 02.05.2013 - 21.04 Uhr

Pädophiler Familienvater kommt in Psychiatrie

Gießen (sha). »Er war und ist eine Gefahr für Kinder«, sagte Dagmar Nautscher, die die Nebenklage eines der Opfer vertrat, über den Angeklagten. Die Rechtsanwältin forderte, den 44-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Dem entsprach die Erste Große Strafkammer des Gießener Landgerichts

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© red
Sie verurteilte den Mann, dem sexueller Missbrauch und der Besitz von Kinderpornographie vorgeworfen wurde (die GAZ berichtete), zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Ferner ordnete die Kammer an, den pädophilen Familienvater, der an einer Schizophrenie leidet, in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Auch die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Freiheitsstrafe sowie eine Unterbringung des Angeklagten plädiert.

Der 44-Jährige besitze überhaupt keine Unrechtseinsicht, betonte Staatsanwalt Dr. Christian Matejko. Tatsächlich habe der Mann »seine Taten sogar verteidigt«.

Bei einer Hausdurchsuchung waren im Mai 2011 in der Wohnung des Angeklagten mehrere Dateien mit kinderpornographischem Inhalt sichergestellt worden. Der sexuelle Missbrauch der drei kleinen Mädchen im Alter von sechs bis sieben Jahren stehe nach der Beweisaufnahme ebenfalls fest. Ende des Jahres 2010 und im November 2011 habe der Mann sich von den Kindern in seiner Gießener Wohnung anfassen lassen und einem Mädchen einen Zungenkuss gegeben. Eines der Opfer war die Tochter des Angeklagten gewesen.

Der Kuss könne auch als schwerer sexueller Missbrauch gewertet werden, unterstrich Matejko. Da die Schuldfähigkeit des 44-Jährigen wegen dessen paranoider Schizophrenie erheblich vermindert sei, plädierte der Staatsanwalt auf eine zweijährige Gefängnisstrafe sowie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Der Angeklagte habe mehrfach geäußert, dass er Kinder liebe, sagte Dagmar Nautscher. Dies hätte er nicht nur auf »so schändliche Weise« zeigen, sondern den Opfern besser die Aussage vor Gericht ersparen sollen. Zwei der Mädchen hatten der Kammer unter Tränen von den Übergriffen berichtet. Auch Per Mayer, der die Nebenklage eines anderen Opfers vertrat, wies darauf hin, dass der Gießener keine Reue gezeigt habe. Verteidiger Leonhard Graßmann stellte keinen konkreten Antrag.

Opfer waren glaubwürdig

Aufgrund seiner Erkrankung sei der Angeklagte zwar nur erheblich vermindert schuldfähig, aber nicht schuldunfähig, sagte Vorsitzender Richter Peter Neidel. Die Kammer verurteilte ihn wegen sexuellen Missbrauchs, einmal in einem besonders schweren Fall sowie wegen des Besitzes von Kinderpornographie. Aufgrund der Anzahl und der Schwere der Delikte sei eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten angemessen. An der Glaubwürdigkeit der Opfer bestehe gemäß eines psychologischen Gutachtens kein Zweifel.

Neidel wies darauf hin, dass der 44-Jährige sich den Kindern »nur in passenden Momenten« genähert habe. Die Übergriffe habe er als »Geheimnis« tituliert und die Opfer eingeschworen, nichts zu verraten. Darüberhinaus habe er sich ein Schredderprogramm für seinen Computer gekauft, um die kinderpornographischen Dateien zu löschen. All dies lasse den Schluss zu, dass die Steuerungsfähigkeit des Täters nur teilweise aufgehoben gewesen sei. Die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus sei nötig, weil laut Gutachten ohne medizinische Behandlung die Gefahr weiterer ähnlich gelagerter Straftaten drohe.

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Artikel vom 02.05.2013 - 21.04 Uhr
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