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Organspende-Skandal hat Folgen

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Artikel vom 01.02.2013 - 08.00 Uhr

Organspende-Skandal hat Folgen

Gießen (si). Gleich vier Universitätskliniken sind in letzter Zeit mit Manipulationen und zum Teil kriminellen Machenschaften bei der Organspende in die Schlagzeilen geraten. Die Folgen spürt auch das Transplantationszentrum Gießen – durch größere Schwierigkeiten, an Organe zu kommen, weil die Zahl der Spender zurückgegangen ist.

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Prof. Rolf Weimer
So hat es nach Angaben des Gießener Zentrumssprechers Prof. Rolf Weimer am Uniklinikum in Gießen im letzten Jahr noch 32 Nierentransplantationen gegeben, drei weniger als im Jahr zuvor. Zwar sind die Zahlen bei den Lebendspende-Transplantationszahlen weiterhin recht hoch. Der Anteil der postmortalen Spenden – die von Verstorbenen, nicht von Verwandten oder sonstigen Menschen mit einer persönlichen Beziehung zum Spender stammen – ist jedoch deutlich zurückgegangen.

Lag ihr Anteil 2011 bei 60 Prozent und früher sogar noch höher, sank er jetzt auf genau 50 Prozent – ein historischer Tiefstwert. Im Dezember konnte in Gießen keine einzige postmortal gespendete Niere transplantiert werden. »Das bereitet uns Sorgen«, sagte Weimer der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Nach seinen Angaben ist die Gießener Einrichtung, eine von bundesweit 47 Transplantationszentren, selbst »ganz sicher nicht« in den Organspendeskandal verwickelt. Das habe eine Überprüfung aller Transplantationen der letzten fünf Jahren bestätigt.

In Verruf geraten sind die Zentren in Göttingen, Regensburg, München und Leipzig – vor allem dadurch, dass Ärzte die Patienten kränker gemacht hatten, als sie in Wirklichkeit waren, um leichter an Spenderorgane zu kommen. »Was da passiert ist, ist kriminell«, sagte Weimer. Durchweg ging es um Lebertransplantationen, die in Gießen gar nicht gemacht werden. Das mittelhessische Klinikum ist neben Nieren auf Lungen und (Kinder)-Herzen spezialisiert.

Alle Organe werden nach festen Kriterien über Eurotransplant in Leiden vergeben – bei der Niere etwa nach Wartezeit, der Entfernung von Spender und Empfänger und nach der Gewebeübereinstimmung zwischen beiden. Das Datum des Dialysebeginns – also der Beginn der Wartezeit – werde immer vom behandelnden Dialysezentrum nochmals bestätigt. Transplantations-Chirurgen, -Nephrologen, Anästhesisten und Immunologen beschlössen dann in einer Transplantationskonferenz die Aufnahme auf die Warteliste und unterschrieben ein entsprechendes Protokoll, erläuterte Weimer. Dadurch seien Manipulationen wie bei der Leber – etwa mit einer angeblichen Dialyse, die gar nicht stattgefunden hat – praktisch ausgeschlossen.



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Artikel vom 01.02.2013 - 08.00 Uhr
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Leserkommentare
(01.02.2013 08:18)
HilmarHirnschrodt
kritisch hinterfragen 2
Organtranasplantation scheint so etwas wie der Kanibalismus der Moderne zu sein, in dem sich einer im Bedarfsfalle die noch brauchbaren Teile eines anderen buchstäblich einverleiben lässt. Und wirklich "gerettet" kann sowieso kein Leben je werden; es werden höchstens ein paar Monate oder im Idealfall auch Jahre an Lebenszeit - meist als Dauerintensivpatient - gewonnen. Aus diesen Gründen ist die aktuelle Praxis der Organspende meiner Meinung nach ethisch nicht vertretbar! Ausdrücklich davon ausgenommen sind Lebendspenden z.B. einer Niere, da hier sowohl der Spender als auch der Empfänger weiterleben können. Selbstverständlich ist jeder/m freigestellt sich dem Gewebe- und Organtransplantationssystem vertrauensvoll auszuliefern. Da ich mich jedoch der großen Missbrauchsgefahr nicht pauschal aussetzten möchte, trage ich konsequenter Weise vorsorglich immer einen Nichtspenderausweis bei mir, in drei Sprachen mit dem Wortlaut "Ich bin kein Organspender und kein Organempfänger!"
(01.02.2013 08:17)
HilmarHirnschrodt
kritisch hinterfragen 1
Neutrale Information und transparente Aufklärung über die Vorgehensweise rund um die Organentnahme ist dringend von Nöten, denn leider kann die Organe von frisch Verstorbenen niemand mehr gebrauchen. Von wegen "Organspende" nach dem Tod! Die Organe müssen leben und in einem aufwändigen Verfahren dem noch lebenden Körper entnommen werden, wenn sie transplantationsfähig sein sollen. Das ist der Grund, warum dazu passend der Kunsbegriff "Hirntod" erfunden wurde. Dieser bedeutet eigentlich so etwa "Halbtod" - das Gehirn und dessen Funktionen soll angblich tot sein, aber der Körper lebt noch. Diese Deffinition ist bei weitem nicht so sicher und klar, wie uns das die Ärzteschaft glauben machen möchte. Von Seiten der Organspende-Befürworter wird zwar immer wieder spitzfindig betont, es gäbe keinen Fall eines Hirntoten, der wieder aufgewacht wäre. Dieser Behauptung ist vordergründig auch nicht zu widersprechen, denn wer wieder aufwacht, kann kein Hirntoter gewesen sein. Folglich muß bei einem Wiedererwachten die Hirntoddiagnose falsch gewesen sein. Und tasächlich gibt es einige dokumentierte Fälle von Menschen die nach einer Hirntoddiagnose wieder aufgewacht sind! Leider läßt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, wieviele der als "Organspender" ausgeweideten eigentlich wegen Hirntodfalschdiagnosen noch (über)lebensfähig gewesen wären. Vermutlich eine ganze Menge! Organtranasplantation scheint so etwas wie der Kanibalismus der Moderne zu sein, in dem sich einer im Bedarfsfalle
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