Opernpremiere im Stadttheater: Applaus für Donizettis »La Favorita«
Gaetano Donizettis Oper »La Favorita« feierte am Samstagabend im Stadttheater in der italienischen Version umjubelte Premiere. Viel Applaus für die Solisten.
Prior Baldassare (José Gallisa, mit Pergamentrolle) liest dem König am Hofe vor den versammelten Untertanen die Leviten. (Fotos: Rolf K. Wegst)
Es ist Liebe auf den ersten Blick. Was die Sache nicht leichter macht, denn der Mann, dessen Herz vor Sehnsucht rast, ist Novize und hat gefälligst die Finger zu lassen vom verführerischen Weibsbild. Hätte unser junger Klosterbruder gewusst, dass es sich bei der Angebeteten um die Mätresse des Königs handelt, hätte ihn vielleicht die Vernunft zur Räson gebracht. So aber stürzt er sich ins Elend und heiratet die Edelhure. Bis er endlich erfährt, auf was er sich eingelassen hat, ist alles zu spät, wartet nur noch der tragische, unabwendbare Tod.
Gaetano Donizettis (1797 - 1848) Oper »La Favorita« (Libretto: Alphonso Royer und Gustavo Vaëz) feierte am Samstagabend im Stadttheater in der italienischen Version umjubelte Premiere. Unter der musikalischen Leitung von Gastdirigent Eraldo Salmieri begeisterte das selten gespielte Belcanto-Werk mit Strahlkraft. Helmut Polixa (Inszenierung) und Stefan Rieckhoff (Bühne und Kostüme) haben als Belcanto-Spezialisten in Gießen bereits mehrfach überzeugt; sie setzten auch am Samstag die Akzente.
Das schlichte, aber effektvolle Bühnenbild und die stimmigen Kostüme zogen mitsamt der ausgeklügelten Lichttechnik (Christopher Moos) in Bann. Eine riesige, etwas dick geratene Friedenstaube mit Heiligenschein sowie eine gülden schimmernde Palastmauer genügen als Deko im Hintergrund. Die Bühne verfügt über Schrägen, eine Treppe und eine Rampe. In einer überdimensionalen, auf der Seite liegenden Krone darf sich der König wie auf einer Ottomane rekeln. Die Drehbühne wird in den beiden ersten von vier Akten nur aktiviert, wenn der Vorhang schon gefallen ist; erst nach der Pause wird sie fürs Publikum ersichtlich in Gang gesetzt - das brachte zusätzliche Dynamik.
Die Solisten machten den Abend zu einem Erlebnis. Allen voran Giuseppina Piunti als Leonora. Ihr starker, facettenreicher Mezzo- sopran beeindruckte sowohl in der Höhen als auch in den Tiefen, ihre Arien und Duette zeigten Format. Die von Intendantin Cathérine Miville eingangs vorsichtshalber erwähnte »Verkühlung« der Sängerin hatte keine Indisposition zur Folge. Es saß jeder Ton. Beim bitteren Ende der Favoritin bewies die in Gießen bestens bekannte Piunti schauspielerisches Können: Als Leonoras Beine vor Erschöpfung den Dienst versagen und sie mit letzter Kraft und flehender Miene zu ihrem geliebten Fernando kriecht, um in seinen Armen zu sterben, wischten sich Damen im Publikum die Tränen von den Wangen vor Rührung.
Bravorufe und viel Applaus waren Xavier Moreno als Fernando sicher. Bereits in seiner ersten Arie »Una vergine, un angiol di dio«, ein Loblied auf die Schönheit der vermeintlichen Jungfrau und »Gottes Engel« Leonora, demonstrierte Moreno, wohin die Reise geht: in hohe Lagen, die der Tenor, der zum ersten Mal in Gießen auftrat, bis auf einen Wackler sauber und energisch meisterte; angesichts des enormen Pensums in dieser Partie eine Glanzleistung.
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