Gießen (mö). Das Großkino-Projekt im Bereich Ostanlage/Berliner Platz ist noch nicht in trockenen Tüchern. Die Fachhochschule Gießen-Friedberg, die sich in einem Haus des geplanten Zwei-Gebäude-Komplexes einmieten will, hat noch kein grünes Licht aus Wiesbaden. Dies bestätigte FH-Vizepräsident Prof. Axel Schumann-Luck.
Das geplante Großkino von der Ostanlage aus gesehen. Im linken Gebäudeteil will sich die FH einmieten. (Foto: Schepp)
Unter anderem gehe es um eine Zusage des Finanzministeriums, Kosten im Rahmen eines längerfristigen Mietvertrags mit den Bauherren zu übernehmen, da in diesem Fall das Grundbudget der Hochschule nicht ausreiche, aus dem ansonsten Anmietungen finanziert würden, erläuterte Schumann-Luck auf Anfrage.
Michael Scheerer, Sprecher des Finanzminsteriums, teilte mit, dass eine Prüfung der Grundlagen des Projekts wie Inhalte und Wirtschaftlichkeit noch nicht habe erfolgen können, da noch nicht alle Unterlagen vorlägen. Der Wunsch der FH, sich in dem Großkino einzumieten, sei dem Finanzministerium natürlich bekannt. Eingebunden in die Prüfungen sei auch das Wissenschaftsministerium.
Planungsrechtlich ist die Weichenstellung für eine Umplanung des Projekts, das von den Unternehmen Theile/Kinopolis (Darmstadt) und Weimer (Lahnau) betrieben wird, längst im Gang. Das Stadtparlament hatte Ende vergangenen Jahres einstimmig beschlossen, den Bebauungsplan »Berliner Platz« zu ändern. Bau- und Planungsdezernent Thomas Rausch sagte, es handele sich um ein beschleunigtes Planverfahren, das zügig abgeschlossen werden könne. Mit der noch notwendigen Anpassung des bereits vorliegenden Städtebaulichen Vertrags seien dann alle Weichen gestellt, um mit Abriss- und Bauarbeiten beginnen zu können. Geschehen soll das laut Theile/Kinopolis im Sommer.
Grund der Umplanung war, dass die Investoren von ihrem ursprünglichen Vorhaben, einen Teil des Kinos in der Erde zu versenken, wegen der Grundwasserproblematik und der damit verbundenen Kosten abgerückt waren. Da sich durch den Umzug des Landkreises an die Licher Straße die Möglichkeit ergab, das Grundstück, auf dem derzeit noch das Gesundheitsamt steht, zu erwerben, eröffnete sich die Perspektive, das Kinobauwerk teilweise auf diese Fläche zu verschieben. Jenen Teil des Kinos, der dort entstehen soll, will die FH mitbenutzen. Neben Büro- und Seminarräumen soll ein großer Kinosaal als Hörsaal mitgenutzt werden.
Für die FH, die bereits die früheren Liegenschaften des Landkreises übernommen hat und in der Wiesenstraße größere Sanierungen des Gebäudebestands plant, ist das Hörsaal-Kino ein wichtiger Baustein im Erweiterungskonzept. Scheitere es, »hätten wir ein Problem«, räumte Schumann-Luck ein, der hofft, dass es nur um »formale Dinge« geht. An der politischen Unterstützung zweifelt der FH-Vize nicht. Schließlich profitierten von dem Projekt neben der Hochschule auch die Stadt und nicht zuletzt die Filmfans in der Region.
Stadtrat Rausch äußerte sich optimistisch, dass die Prüfung durch das Land Hessen letztlich zu einem positiven Ergebnis führen wird. Die langfristige Einmietung einer Hochschule in ein privatwirtschaftlich betriebenes Großkino sei eben nichts Alltägliches und auch für die Landesverwaltung ein Stück weit Neuland.
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