Gießen (mö). Mit einem Festakt und 150 geladenen Gästen im Konzertsaal wurde am Samstagvormittag das »Kulturrathauss« am Berliner Platz seiner Bestimmung übergeben.
Symbolische Schlüsselübergabe von Architektin Ute Kramm und Bauunternehmer Thomas Lupp an Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann. (Foto: Schepp)
Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann sprach von einem »ganz besonderen Tag für Gießen«, der hessische Staatsminister Michael Boddenberg von einem »historischen Tag« für die mittelhessische Universitätsstadt. Übertrieben war das nicht. Elf Jahre, nachdem sich die Stadtverwaltung in der Folge des Abrisses des Behördenhochhauses in alle Gießener Winde zerstreute, ist am Berliner Platz ein neues Verwaltungszentrum eingeweiht worden, in dem nahezu alle städtischen Einrichtungen untergebracht worden sind. Rund 150 geladene Gäste nahmen am Samstagmorgen im Konzertsaal des »Kulturrathauses« am Festakt zur Einweihung des 75-Millionen-Euro-Komplexes teil. Entstanden sei ein »Zweiklang aus Atmosphäre und Funktionalität«, beschrieb Architektin Ute Kramm ihr Konzept, das erkennbar aufgegangen sei. Die zwei Stunden dauernde Feier ging nahtlos in ein Volks- und Kulturfest auf dem Vorplatz über. Das Angebot der Stadt, sich das neue Rathaus auch von Innen anzuschauen, lockte auch am gestrigen Sonntag noch viele neugierige Gießener und auswärtige Gäste an den Berliner Platz (siehe Seite 10).
Die Gäste der Feierstunde konnten sich sogleich von der hervorragenden Akustik der kleinen Konzerthalle erfreuen, die mit Beiträgen des Orchesters der Musikschule und des Kinder- und Jugendchors des Stadttheaters ihre Feuertaufe erlebte. Für die Auftritte der jungen Instrumentalisten und Sänger, dirigiert von Martin Gärtner, gab's langanhaltenden Beifall, den sich die Klimaanlage angesichts der stickigen Luft (noch) nicht verdient hat.
OB Haumann machte deutlich, dass das neue Rathaus Angebote »weit über die Dienstleistungen der Verwaltung hinaus« vorhält. Kulturell biete der Vorderbau mit Konzertsaal, Kunsthalle und Stadtbibliothek ein Kulturangebot, »wie Sie es weit und breit suchen müssen«. Besonders von Haumann wurde mit Bernd Schneider einer seiner Amtsvorgänger sowie die zum 1. März ausgeschiedenen Stadträte - und Rathaus-Mitgestalter - Dr. Volker Kölb und Dr. Reinhard Kaufmann begrüßt. Auch IHK-Präsident Dr. Wolfgang Maaß, »Mieter« Polizeipräsident Manfred Schweizer, der scheidende Regierungspräsident Wilfried Schmied sowie die Abgeordneten aus Bundes- und Landtag, die Vertreter der Planerbüros und der bauausführenden Firmen, die Mitglieder von Magistrat und Stadtparlament sowie die Mitarbeiter der Verwaltung erwähnte der Gastgeber bei seiner Begrüßung.
»Wir haben hier gute Arbeit geleitet«, stellte für die »Arbeitsgemeinschaft Stadthaus Gießen« Bauunternehmer Thomas Lupp fest. Während des Ausbaus seien ständig 200 Facharbeiter beschäftigt gewesen. Mithin habe dieser öffentliche Großauftrag auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen beigetragen. Gemeinsam mit Architektin Kramm übergab Lupp an Hausherr Haumann den symbolischen Schlüssel.
Zuvor hatte Fachdezernent Thomas Rausch die Debatten der letzten zehn Jahre Revue passieren lassen und dabei die einzige parteipolitische Bewertung während des Festakts vorgenommen. Handlungsdruck am Berliner Platz sei 1998 durch das Verschwinden des Behördenhochhauses entstanden, dem der rot-grüne Magistrat eine mangelhafte Bauunterhaltung habe angedeihen lassen, ehe es »erfolgreich abgerissen« worden sei, stellte der Stadtrat fest. Es sei dann die folgende Stadtregierung gewesen, die die Weichen für die Neubebauung gestellt habe. Entstanden sei »ein Rathaus mit vielfältiger Nutzung«. Im kommenden Jahr werde das Gebäude-Ensemble mit dem Bau des Kinos perfekt gemacht, blickte Rausch optimistisch voraus.
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