Neues Medikament gegen Lungenhochdruck mit Gießener Wurzeln
Gießen (if). Auch auf Forschungsarbeiten im Gießener Exzellenzcluster "Kardiopulmonales System" geht ein neues Medikamen gegen Lungenhochdruck zurück. Der »Phosphodiasterase-Hemmer« wurde am Dienstag im EECC-Forschungsgebäude am Aulweg der Fachpresse vorgestellt.
Seine Wurzeln in Gießen hat das neue Medikament gegen Lungenhochdruck, das gestern Prof. Hossein-Ardeschir Ghofrani, Prof Friedrich Grimminger und Hausherr Prof. Ralph Schermuly (v.l.) im EECC-Forschungszentrum am Aulweg der Fachpresse vorstellten. (Foto: Schepp)
Die Lungenspezialisten tagen in aller Kürze in Hannover. Bald danach versammeln sich tausende Internisten in Wiesbaden, ehe die Herzspezialisten unter ihnen sich nach Mannheim zu ihrem - einst in Bad Nauheim begründeten - Jahreskongress aufmachen werden. Bei den Tagungen dürften die Kongressbeiträge von Prof. Friedrich Grimminger - Direktor der IV. und V. Medizinischen Klinik im Uniklinikum Gießen- und Prof. Hossein-Ardeschir Ghofrani, Kerckhoff-Professor aus dem Exzellenzcluster »Kardiopulmonales System«, besondere Aufmerksamkeit beanspruchen. Ein neues Medikament zur gezielten Behandlung des Lungenhochdrucks eröffnet für rund 200 Millionen Kranke weltweit realistische Hoffnungen auf eine weitere Erhöhung von Leistungsfähigkeit und Lebensqualität und eine Verbesserung der Überlebensraten - Ergebnis erfolgreicher Lungenforschung. Im Vorfeld der Kongresse informierten sich bereits gestern Fachjournalisten »vor Ort« im EECC-Forschungsgebäude des Lungenzentrums am Aulweg über den jetzt verfügbaren neuen »Phosphodiasterase-Hemmer«.
»Trotz Milliardenaufwendungen werden alljährlich auf der ganzen Welt lediglich rund 25 neue Medikamente zugelassen«, freute sich am Rande des Programms Prof. Grimminger, »nun hat eines davon seine Wurzeln in Gießen«. Mit der Untersuchung isolierter Kaninchenlungen im Souterrain der mittlerweile denkmalgeschützten Medizinischen Klinik der Gießener Uni hatte die Gießener Lungenforschung eher unspektakulär Mitte Anfang der achtziger Jahre begonnen, als »Lunge«ein kaum mehr beachtetes medizinisches, sondern ein eher soziales Thema war. Dass aus solch bescheidenen Anfängen mittlerweile eines der renommiertesten Lungenzentren der Welt erwuchs, erfüllt naturgemäß heute alle der zahlreichen, an dieser positiven Entwicklung Beteiligten mit berechtigtem Stolz. Gießen gilt - wie in Gesprächen am Rande des Programms zu hören - inzwischen auch als heißer Kandidat für eines der fünf vom Bund geplanten und geförderten verschiedenen Kompetenzzentren.
Zugleich spielt man bei einem kürzlich gegründeten neuen, weltweiten Forschungsverbund »PVRI« eine führende Rolle: Das »Pulmonale Vasculäre Research Institut« ist ein Zusammenschluss führender Forschungsstätten. Ihr Ziel ist, auch Kranken der Dritten Welt die neuen Medikamente zugänglich zumachen.
Ehe die Gäste, geführt von Hausherr Prof. Raph Schermuly - zugleich Professor im Max-Planck-Institut für Herz-und Lungenforschung in Bad Nauheim - sich vom »Mäuse-Karussel« im Souterrain bis zu den Gen-Labors am Aulweg umsahen, ging Prof. Ghofrani auf PAH, die Pulmonale Arterielle Hypertonie ein: Die Symptome der Erkrankung sind unspezifisch; sie wird vielfach erst im Spätstadium erkannt, wenn es zur Rechtsherz-Insuffizienz gekommen ist. Mitte der achtziger Jahr, als noch keine spezifischen Therapien verfügbar waren, betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei Patienten mit der besonders tückischen Form der »idiopathischen PAH« keine drei Jahre.
Der neue, nun auch von der europäischen Zulassungsbehörde dafür genehmigte Wirkstoff muss nur noch einmal täglich eingenommen werden. Er eröffnet zugleich die Möglichkeiten einer erweiterten Indikation denn »Lungenhochdruck ist die tödliche Endstrecke einer ganzen Reihe anderer Erkrankungen - von Herzproblemen und rheumatischen Erkrankungen bis hin zu Hepatitis«, wie Prof. Grimminger unterstrich, als er die einzelnen Stationen auf der Suche nach einer bedarfsangepassten, durchblutungsfördernden Substanz zur medikamentösen Behandlung der überforderten Lunge schilderte - spektakuläre Selbstversuche auf dem Mount Everest im Himalaya eingeschlossen.
Allerdings werde es - so betonte er - auch hier darauf ankommen, die neuen Forschungsergebnisse den Patienten so schnell wie möglich zugänglich zu machen. In einem Verbund von Krankenhäusern - wie er in unserem Raum in einem »regionalen Netzwerk« mit zwischenzeitlich neun Häusern, von der Kerckhoff-Klinik und den Wetterau-Kliniken über Lich bis Offenbach und zum Waldhof Elgershausen entstanden sei - versuche man dies insbesondere für viele Lungenkranke und bis hin zum Lungenkrebs exemplarisch zu erreichen.
In diesem Zusammenhang seien auch die jüngst wieder aufgenommenen, erfreulich erfolgreich verlaufenen Lungentransplantationen zu sehen.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
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