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Neue endoskopische Methode zur Krebsheilung

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Artikel vom 29.03.2010 - 23.45 Uhr

Neue endoskopische Methode zur Krebsheilung

Gießen (if). Beim "1. Gießener Endoskopietag" stellten Gastroenterologen und Chirurgen die neuesten Entwicklungen vor.
Prof. Philip Hardt, Dr. Peter Collet und Dr. Ahmed Akinci (v. l.) informierten beim 1. Gießener Endoskopietag über Neuentwicklun
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Prof. Philip Hardt, Dr. Peter Collet und Dr. Ahmed Akinci (v. l.) informierten beim 1. Gießener Endoskopietag über Neuentwicklungen. (Foto: if)
Gießen (if). Die Geschichte der Heilkunde steckt voller Merkwürdigkeiten - man denke nur an die Entdeckung des Penicillins, bei der sozusagen ein Schimmelpilz Pate stand. Was die Endoskopie angeht, so war es ein Schwertschlucker, der schon vor 150 Jahren einen Arzt, den badischen Doktor Kussmaul, dazu inspirierte, sich mittels eines - damals noch starren - Rohres den Darm »von innen« anzusehen. Heute gehören Spiegelungen des Magen-Darm-Traktes mit inzwischen entwickelten dünnen, biegsamen Sonden zur selbstverständlichen Untersuchungsroutine. Parallel dazu hat sich das Fach Endoskopie gewandelt und von einer zunächst rein diagnostischen zu einer auch therapeutischen Disziplin weiterentwickelt.

Nur zwei Wochen nach Abschluss des nationalen Endoskopie-Kongresses in Hannover wurden am Wochenende beim ersten »Gießener Endoskopie Tag« GET unter Leitung von Dr. Peter Collet (Leiter der Sektion Chirurgische Endoskopie in der Chirurgischen Universitätsklinik), Prof. Philip Hardt (Oberarzt der Medizinischen und Poliklinik III) sowie Dr. Ahmed Akinci, (Chefarzt Innere Medizin Balserische Stiftung) vor überregional tätigen Gastroenterologen und Chirurgen die neuesten Entwicklungen vorgestellt.

Dabei wurden neben den theoretischen Kenntnissen vor allem praktische Erfahrung vermittelt. Im Rahmen des Workshops konnte insbesondere die Technik der Endoskopischen Submukosadissektion (ESD) erlernt werden, ein relativ neues endoskopisches Verfahren zur Entfernung von Krebsfrühstadien im gesamten Verdauungstrakt. Die ESD ist, wie Oberarzt Dr. Collet erläuterte, der vor einiger Zeit von der Universitätsklinik Heidelberg-Mannheim ins Gießener Uniklinikum kam, dann möglich, wenn eine Krebserkrankung noch auf die Schleimhaut beschränkt ist. Der Eingriff erfolgt über ein kleinfingerdickes, hochflexibles Endoskop, wobei der Patient sediert ist. Zunächst markiert der Arzt die Ausdehnung des Tumors, danach spritzt er mit einer feinen Nadel Flüssigkeit unter die Schleimhaut, wodurch das entartete Gewebe vom Untergrund abgehoben wird. Jetzt kann der Arzt den Tumor von den Seiten her in der Regel in einem Stück entfernen. Entwickelt worden war die neue Technik, die unter Umständen beispielsweise ein rein chirurgisches Vorgehen mit Bauchschnitt zu ersetzen vermag, in Japan, wo Früstadien des Magenkrebses sehr viel häufiger vorkommen als in Europa. Dort suchte man einen Weg, um für die Methode geeigneten Patienten einen größeren Eingriff zu ersparen. Ursprünglich hatte man auf diese Weise nur kleine Tumore entfernt - inzwischen können auch großflächige Tumore mit dieser Technik entfernt werden.

Dr. Collet: »Durch die Krebsvorsorgeprogramme wie beispielsweise die von den Krankenkassen ab dem 55. Lebensjahr empfohlene Dickdarmspiegelung, werden zunehmend Vorläuferstufen oder frühe Krebsstadien entdeckt, die mit den neuen endoskopischen Techniken nun auch geheilt werden können. Umso wichtiger ist der Erfahrungsaustausch und das Training endoskopisch tätiger Ärzte auf diesem Gebiet. In Deutschland sind inzwischen auch einige spezialisierte Endoskopiezentren entstanden, die die ESD durchführen. Die neue Technik ist zwischenzeitlich auch erfolgreich in Gießen eingeführt und eingesetzt worden.

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Artikel vom 29.03.2010 - 23.45 Uhr
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