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Neue Klinikums-GmbH übernimmt 500 Mitarbeiter

Artikel vom 08.09.2008 - 20.31 Uhr

Neue Klinikums-GmbH übernimmt 500 Mitarbeiter

Gießen (si). Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg hat rund 500 Mitarbeiter, die in Küche, Lager, Reinigung, Transport, Sicherheit und Pforte arbeiten, in eine rechtlich eigenständige »Service GmbH« überführt.
Etliche Beschäftigte verdienen dadurch nun weniger Geld. Gleichzeitig erhalten sie Unterstützung aus dem Sozialfonds, den die Rhön-Klinikum AG beim Kauf des Klinikums vor zweieinhalb Jahren eingerichtet hat. Bis Ende 2010 bleibt dadurch für die Betroffenen finanziell alles beim Alten; ab 2011 gleicht der Fonds nur noch 80 Prozent des Differenzbetrages aus und dann in jedem Jahr weitere 20 Prozent weniger. Ab 2015 gibt es keine Zuzahlung mehr. Viele Beschäftigten seien verunsichert und hätten Zukunftsangst, sagte Betriebsratsvorsitzender Klaus Hanschur der Allgemeinen Zeitung. Für die Klinikum-Geschäftsführung verteidigte Vorsitzender Gerald Meder die Entscheidung. Damit seien Arbeitsplätze langfristig gesichert worden.

Einen Teil der »Servicetätigkeiten« hatte das Klinikum schon vor Jahren, als es noch ganz der öffentlichen Hand gehörte, in eigenständige Gesellschaften ausgelagert; das privatisierte Haus gründete an den beiden Standorten dann zwei weitere Tochterunternehmen. Sie würden in der neuen Service GmbH zusammengeführt, sagte Meder, der von einer »Strukturbereinigung« sprach. Allerdings werden der neuen Gesellschaft auch Beschäftigte angehören, die bislang ganz reguläre Klinikumsangestellte waren. Vor allem sie befürchten, durch die Überleitung schlechter gestellt zu werden.

An beiden Standorten sind zum 1. August jeweils 250 Mitarbeiter in die neue Gesellschaft überführt worden. Nach Betriebsratsangaben haben der Entscheidung 80 Beschäftigte widersprochen, davon etwa 30 in Gießen. Sie können mit Unterstützung auch der Gewerkschaft rechnen. Dennoch wollen die Arbeitnehmervertreter keine Empfehlung aussprechen. Betriebsbedingte Kündigungen seien am Klinikum nur bis Ende 2010 ausgeschlossen. Wer jetzt in die neue Gesellschaft wechsele, nehme alle arbeitsvertraglichen Rechte aus dem bisherigen Vertrag mit, hieß es bei ver.di Mittelhessen. Wer bei der Uniklinikum Gießen und Marburg GmbH bleiben wolle, riskiere seinen Job, wenn es dort für ihn ab 2011 keine Arbeit mehr gebe. Die Gewerkschaft will den Betroffenen auch keine Hoffnung machen, dass die Überleitung auf rechtlichem Wege noch gestoppt werden könne. »Wer der Überleitung widerspricht, muss nach 2010 mit einer Kündigung rechnen«, hieß es auch bei der Klinikumsleitung.

In der neuen Service GmbH gilt der Tarifvertrag, den Klinikum und ver.di bereits im vergangenen Jahr ausgehandelt und als »bundesweit richtungsweisend« gelobt hatten. Er brachte vor allem für die untersten Lohngruppen zum Teil deutliche Verbesserungen; so stiegt der Mindestlohn auf 8,05 Euro, nachdem zuvor teils nur Löhne von 6,80 Euro gezahlt worden waren. Außerdem verpflichtete sich das Klinikum, für die Beschäftigten eine eigene Altersversorgung aufzubauen. In der Service GmbH würden selbst 2015 noch höhere Löhne als in vielen anderen vergleichbaren Unternehmen gezahlt, räumte ver.di ein. »Das Problem ist der Trend zur Lohnabsenkung, den wir überall beobachten«, sagte Georg Schulze-Ziehaus, bei ver.di-Hessen Leiter des Fachbereichs Gesundheit.

Die Mitarbeiter der neuen Gesellschaft sollten nun rasch ihre Interessen bündeln und einen eigenen Betriebsrat gründen, sagte Hanschur gestern - längstens für ein Jahr nimmt die Mitarbeitervertretung im Klinikum auch die Interessen der »Service«-Kollegen wahr. Das Thema kommt heute auf drei Betriebsversammlungen zur Sprache, die zeitversetzt (7.30, 10.30 und 13.30 Uhr) in der Neuen Chirurgie stattfinden. Auf der Tagesordnung steht auch die Dienstplangestaltung im Pflegebereich. Bei der relativ dünnen Personaldecke komme es immer wieder zu Konflikten mit arbeitszeitrechtlichen Vorschriften, sagte Hanschur.

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Artikel vom 08.09.2008 - 20.31 Uhr
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