Gießen (kw). Fahrräder wirbelten durch die Luft, Dächer wurden abgedeckt, zahlreiche Bäume knickten um. Der Tornado am Abend des 12. August hinterließ eine Spur der Verwüstung in der Stadt. Ein Großteil davon ist zwar dank emsiger Aufräumarbeiten längst nicht mehr zu sehen, doch auch vier Wochen später warnt die Stadt noch vor Spaziergängen im Philosophenwald, erläuterte Magistratssprecherin Franziska Lodde auf AZ-Anfrage.
Bei Fachleuten galt der Tornado vom 12. August mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern als eher schwach. Welche Gewalt er dennoch hatte, ist noch immer am Wieseckufer nahe dem Segelflugplatz zu sehen. (Foto: Schepp)
Voraussichtlich Ende nächster Woche seien dort die Gefahrenquellen beseitigt. Allein im Zuständigkeitsbereich der Stadt seien Schäden in sechsstelliger Euro-Höhe entstanden. Rund 1000 Bäume auf städtischem Gebiet wurden beschädigt oder zerstört durch die Windhose.
Während der Aufräumarbeiten seien rund 160 Tonnen Holzhäcksel und Stammholz angefallen, berichtet Lodde. Geworfen wurden zwar »nur« etwa 90 Bäume im Zuständigkeitsbereich des Gartenamts. Mehr als zehnmal so viele seien aber durch die Sturmeinwirkung beschädigt worden. Auch an sehr alten Bäumen rissen Äste oder ganze Kronenteile ab, dort wo der Sturm durchzog - nämlich in einer Schneise von der Kuhwiese in Allendorf über Wartweg, Lonystraße, Kongresshalle und Alten Friedhof bis zur Pestalozzischule und Struppmühle. Die Höhe der Baumschäden allein im Philosophenwald beziffert die Stadt auf ungefähr 30 000 Euro.
»Die Aufräumarbeiten und Nachkontrollen an betroffenen Bäumen sind fast alle komplett abgeschlossen, einzig übrig sind noch die Schäden an den Pappeln an der Wieseck und am Kleebach. Hier wird das Gartenamt aber nächste Woche die Aufräumarbeiten abschließen können«, erklärt Lodde. Die Hauptwege des Philosophenwaldes seien weitgehend freigeräumt, betreten solle man sie aber noch nicht. In den kommenden Wochen würden dort noch Äste und Laub verwertet, dies könne zu Lärmbelästigungen führen.
Durchschnittlich etwa 15 Arbeitskräfte waren in den letzten vier Wochen zur Beseitigung des Holzes im Einsatz. Zur Unterstützung wurden Firmen beauftragt. Zum Abtransport der Baumreste wurden unter anderem zwei Hubsteiger und fünf Lkw gebraucht. Die Gesamtreparaturkosten an städtischen Gebäuden werden auf 92 000 Euro geschätzt. Allein an der Volkshochschule, wo das Dach eines Anbaus komplett abgedeckt war, sollen Notabdichtung und Erneuerung etwa 55 000 Euro kosten. An der Pestalozzischule wurde etwa die Hälfte des Dachs beschädigt, für knapp 28 000 Euro soll es repariert werden. Für die Instandsetzung des Dachs an der Liebigschule sind rund 9500 Euro nötig.
Wie hoch der Schaden insgesamt ist, weiß niemand. Schließlich wurden auch zahlreiche Privathäuser, Hochschul- oder Kliniksgebäude, Autos oder Zäune beschädigt. Den allergrößten Teil der Kosten tragen Versicherungen. So ärgerlich die Sachschäden für die Betroffenen sind - die meisten wissen, wie glimpflich die Stadt davongekommen ist. Denn trotz des regen Feierabendverkehrs an jenem Dienstag gegen 17.45 Uhr wurde kein einziger Mensch verletzt.
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