Moderne Beinprothese sorgt für runden Bewegungsablauf
Gießen (cl). Das Bundessozialgericht hat es 2004 mit einem entsprechenden Urteil bestätigt, Thomas Müller aus Gießen hofft, dass es gar nicht erst zum Prozess kommt: Er möchte die Gebrauchsprothese »System Otto Bock C-Leg«, die er derzeit als Testmodell kostenlos nutzen darf und die ihm seinen Alltag wesentlich erleichtert, auch künftig tragen. Doch dazu benötigt er die Zustimmung und Kostenübernahme der Berufsgenossenschaft (BG).
Die Diplom-Orthopädietechniker Falk Tauschner (l.) und Elvis Skula mit dem Prothesenträger Thomas Müller bei der regelmäßigen Service-Inspektion des »C-Leg«. (Foto: Schepp)
Das Bundessozialgericht hatte in einem ähnlichen Fall seinerzeit eine Gesetzliche Krankenkasse dazu verurteilt, die Kosten in fünfstelliger Höhe für die besagte, lebenserleichternde Prothese zu übernehmen. Das macht Thomas Müller, der vor Jahren bei einem Berufsunfall mit dem Gabelstapler sein linkes Bein verlor, zuversichtlich.
Der 43-Jährige, der seitdem mit herkömmlichen mechanischen Kniegelenken seinen Alltag meistert, stützt seine Hoffnung auf einen positiven Bescheid seitens der Krankenversicherung, weil nach Untersuchung und Verordnung des Orthopäden und BG-Arztes Dr. Gerhard Böhringer (esculap-Klinik Gießen) eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität zu erwarten ist. Auch aus der professionellen Betreuung und Beratung durch den Diplom-Orthopädietechniker Elvis Skula vom Institut für Haltungs- und Bewegungsdiagnostik im Sanitätshaus Frohn (Gießen) schöpft er Mut: »Thomas Müller hat in den 14 Tagen der Erprobung nur positive Erfahrungen mit der computergesteuerten Prothese gemacht«, sagt Skula.
Dass es solche technischen Wunderwerke gibt, die einem beinamputierten Menschen einen wesentlich komfortableren Bewegungsablauf bis hin zur Ausübung sportlicher Aktivitäten ermöglichen, weiß man nicht erst seit Oscar Pistorius - jener südafrikanische 400-Meter-Läufer legte »als Schnellster mit keinen Beinen« olympiareife Zeiten vor. Thomas Müller, der verheiratet ist und auch endlich wieder eine Arbeitsstelle hat, möchte nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Vielmehr weiß er, dass sein zweijähriger Sohn demnächst noch wesentlich mobiler werden wird - und dann würde er gern ebenfalls beweglicher sein, komfortabler im Bewegungsablauf durch das Leben gehen und das Fahrradfahren genießen. Die Möglichkeit einer Testphase, so findet er, »ist einfach super. Bei diesen Investitionskosten muss man schließlich wissen, worauf man sich einlässt.«
Bei diesem »C-Leg« - es bietet vier Mobilitätsgrade vom normalen Gehen bis hin zur sportlichen Aktivität - handelt es sich um ein vollständig mikroprozessorgeregeltes Kniegelenk. Die Einstellungsvarianten werden auf den Patienten zugeschnitten, per Bluetooth (Funkübertragung über eine kurze Distanz) kann der Anwender individuell seinen persönlichen Modus per Sender steuern. Das betrifft sowohl den gewöhnlichen Alltag als auch spezielle Mobilitätsbereiche, wie sie das Kniegelenk etwa beim Arbeitsablauf oder bei sportlicher Betätigung einfordert. »Laufen ohne Widerstand«, nennt das Fachmann Elvis Skula, der bestätigt, dass mittels eines »C-Leg« weder Skaten noch Skifahren unmöglich sind.
Der Diplom-Orthopädietechniker Falk Tauschner, ebenfalls vom Sanitätshaus Frohn, ergänzt, dass der Patient schon beim Treppensteigen deutliche Entlastung erfahre und sicheres Gehen in unterschiedlichen Schrittgeschwindigkeiten auch das Selbstbewusstsein des Nutzers erheblich stärke. Die Anwendung »ist einfach, zu handhaben ist das künstliche Gelenk eigentlich wie ein Handy«. Ist der Akku leer - nach etwa 50 Stunden -, wird er an die Ladestation gehängt und macht sich für den nächsten Einsatz bereit. Und das geschieht üblicherweise über Nacht, wenn nicht nur das »C-Leg«, sondern auch sein Träger Ruhe hält.