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Missbrauch: Dekan Mäurer nimmt Stellung

Artikel vom 10.04.2010 - 07.00 Uhr

Missbrauch: Dekan Mäurer nimmt Stellung

Gießen - Die katholische Kirche befindet sich in einer tiefen Vertrauenskrise. Immer neue Missbrauchsfälle kommen ans Tageslicht. Nicht selten sind es Berichte von Vertuschung und Verniedlichung, von Versuchen, die Opfer mit einem Schweigegelübde zu belegen - statt ihnen zu helfen. Alles, um das Gesicht der Institution Kirche zu wahren. Dies sei der eigentliche Skandal, meinen nicht wenige, Pädophilie ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das Vertuschen zulasten der Kinder aber ein katholisches.
Dekan Mäurer
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Dekan Mäurer
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat jüngst (»Auf ein Wort«/März 2010) Stellung bezogen: »Früher hat es vielleicht, auch durch Unkenntnis und Unterschätzung, eine Verharmlosung oder gar Verniedlichung in einzelnen Fällen gegeben. Von heute aus mag dies als eine Form des unverantwortlichen Umgangs mit solchen Vergehen erscheinen. Heute, wo wir in vielerlei Hinsicht mehr wissen, ist dies in jedem Einzelfall unerlaubt. Es muss ohne Ansehen der Person eine lückenlose Aufklärung erfolgen.«

Schärfere Worte findet der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Beauftragter der katholischen Kirche zur Aufklärung von sexuellem Missbrauch: »Aus unseren Erkenntnissen heraus, die wir nun haben, hat es Vertuschung gegeben. Das müssen wir heute schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Wir haben falsche Rücksichten genommen. Falsche Rücksichten auf den Ruf der Kirche, auf bestimmte Institutionen, auf den Ansehensverlust.« Wo kein wirklicher Aufklärungswille vorhanden gewesen sei, »Täter einfach nur versetzt wurden, müssen wir in einer ganzen Reihe von Fällen gestehen, dass vertuscht worden ist«. Einen Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellem Vergehen sieht er nicht.

Dahingestellt bleiben mag an dieser Stelle die Frage der Verantwortlichkeit innerhalb einer Institution, die streng hierarchisch aufgebaut ist.

Die geschilderte Vertrauenskrise der katholischen Kirche bewegt auch die Christen im Gießener Land. Nicht erst seit den jüngsten Enthüllungen: Im Jahr 2003 wurde vom Amtsgericht Gießen ein heimischer Pfarrer zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der damals 56-jährige Seelsorger hatte Missbrauch an mehreren Messdienern eingeräumt. Das Bistum Mainz entband ihn von seinen pastoralen Aufgaben in der betroffenen heimischen Kirchengemeinde, entschied, dass er keine pastoralen Tätigkeiten mehr aufnehmen darf, die Kontakte zu Jugendlichen umfassen.

Im Lichte der aktuellen Diskussionen hat die »Allgemeine« den katholischen Dekan Januarius Mäurer um ein Interview gebeten. (tb/js)

Frage: Hat es in den vergangenen Wochen aufgrund der aktuellen Situation viele besorgte Anfragen von Christen an die Kirchenleitung gegeben? Sehen Sie sich gar mit Kirchenaustritten konfrontiert?

Mäurer: »In vielen Gesprächen mit Gemeindemitgliedern und in der gesamten Öffentlichkeit herrscht große Betroffenheit. Das Thema macht viele auch sehr ratlos, weil sie sich fragen, wie Menschen einander so etwas antun können. Es mag sein, dass es vermehrt zu Austritten gekommen ist. In den mir überschaubaren Bereich konnte ich es noch nicht feststellen.«

 



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Artikel vom 10.04.2010 - 07.00 Uhr
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