Gießen (jri). Mit einem Bekenntnis für eine "leistungsstarke Bauwirtschaft" hat der hessische Ministerpräsident Roland Koch am Donnerstag die diesjährige Fachausstellung BauExpo auf dem Messegelände an den Hessenhallen eröffnet.
Getränke-Stopp auf der Messe BAUExpo: Ministerpräsident Koch (mit roter Krawatte, Bildmitte) genießt am »Café Rad« von Michael Rogalla (3. v. l.) einen Espresso. Über Kochs Besuch in Gießen freut sich unter anderem auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (4. v. l.).
Am längsten hielt sich Ministerpräsident Roland Koch am Stand der Stadtwerke Gießen auf. Kein Wunder: Dort verwöhnte ihn Clown Ichmael alias Michael Rogalla mit einem frisch aufgebrühten italienischen Espresso. Das heiße Koffein-Getränk hatte sich der Landesvater redlich verdient, denn zuvor hatte Koch zur Eröffnung der BAUExpo eine 40-minütige Rede gehalten. »Wir brauchen eine leistungsstarke Bauwirtschaft«, sagte der Unions-Politiker, der erstmals seit 2001 wieder persönlich zur größten hessischen Baumesse nach Gießen gekommen war.
Die Wirtschaftskrise habe dazu geführt, dass die Menschen bei Investitionen sehr vorsichtig geworden sind, erklärte Koch. Das Drücken dieser »Stopp-Taste« habe vor allem die Bauindustrie stark getroffen. Vor diesem Hintergrund rechtfertigte der Ministerpräsident - ansonsten ein klarer Befürworter der freien Marktwirtschaft - die staatlichen Hilfen, die neben den Banken und der Automobilindustrie auch die Baubranche erhalten habe. »Wir haben ein eigenes Bau-Konjunkturprogramm in Hessen aufgelegt und 1,7 Millionen Euro für öffentliche Bau- und Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 2010 und 2011 zur Verfügung gestellt. Damit schaffen wir der Bauindustrie eine Chance, zu überleben«, erläuterte Koch. Allein 1700 Schulen in Hessen werden in den kommenden zwei Jahren saniert.
Im Schnitt stammen 20 bis 30 Prozent der Aufträge im Baugewerbe von der öffentlichen Hand, sagte der 51-jährige Spitzenpolitiker, der zugleich mahnend den Zeigefinger hob: »Aber was ist, wenn die öffentliche Finanzierung zu Ende ist?« Schließlich könnten Land und Bund nicht in jedem Jahr solche Großaufträge vergeben. Die Antwort auf seine Frage lieferte Koch gleich selbst: »Der Wachstumsmarkt der nächsten Jahre im Baugewerbe liegt im Bereich der energetischen Sanierung.« Energiesparen sei eine wichtige Zukunftsaufgabe. »Unser Ziel ist es, den Gesamt-Energieverbrauch in Hessen von 130 Terawatt auf 100 Terawatt zu reduzieren«, so Koch. Der Haus- und Wohnungsbestand sei zu 40 Prozent am Gesamt-Energieverbrauch beteiligt. Deshalb müssten auch Mietwohnungen in die Sanierung einbezogen werden. An diesem Punkt sei der Gesetzgeber gefordert, Mieterhöhungen zu erlauben, wenn die Wohnung zuvor durch bauliche energetische Einsparmaßnahmen aufgewertet wurde (das sogenannte »Contracting«). Die energetische Modernisierung von Bestandsgebäuden sichere in Zukunft eine Vielzahl an Arbeitsplätzen, meinte Koch.
Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD), die im Anschluss an Kochs Rede das Wort ergriff, versprach: »Wir werden alle städtischen Gebäude auf den energetischen Prüfstand stellen und haben dieser Frage oberste Priorität eingeräumt.« Die neue Rathauschefin dankte Roland Zwerenz, Chef der Messe Gießen GmbH, für den Bau von zwei neuen, jeweils 30 mal 60 Meter großen Hallen: »Sie werten den Messe-Standort Gießen deutlich auf.« Es sei kein Zufall, dass Hessens größte Baumesse in Gießen stattfinde, sagte Grabe-Bolz, denn die zentrale und verkehrsgünstige Lage, die hochqualifizierten Arbeitskräfte und die niedrigen Kosten im Vergleich zu Frankfurt machten die Attraktivität des hiesigen Standortes aus.
Harald Brandes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden, hatte als dritter und letzter Redner gute Nachrichten zu verkünden. »Die 10 000 hessischen Handwerksbetriebe mit ihren 50 000 Beschäftigten sind trotz Wirtschaftskrise noch recht gut über die Runden gekommen«, signalisierte er - auch dank der Investitionsprogramme des Landes. Brandes appellierte an Koch, sich bei der Bundesregierung in Berlin dafür einzusetzen, dass sie es gesetzlich möglich macht, nach Modernisierung einer Mietswohnung die Miete anheben zu dürfen. Dann könne seine Branche mit vielen neuen Aufträgen rechnen.
Noch bis zum Sonntag wird die BAUExpo täglich von 10 bis 18 Uhr auf dem Messegelände in Gießen geöffnet sein. Rund 400 Aussteller präsentieren dort auf 16 000 Quadratmetern ihre Produkte und Dienstleistungen. Außerdem gibt es rund 70 Fachvorträge von A wie Altbausanierung bis Z wie Ziegelbau zu hören.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
Marktplatz stellen. Damit soll die Trinkerszene verdrängt werden. Was
halten Sie davon?