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Mehr als 100 000 Besucher kamen zum Stadtfest

Artikel vom 20.08.2012 - 17.06 Uhr

Mehr als 100 000 Besucher kamen zum Stadtfest

Gießen (srs). Der erste Riff erklingt – und Klaus Neuber hebt vor der Bühne die Arme, tanzt, jubelt. »Mit dir steig ich auf das Dach der Welt«: Jede Zeile schmettert er mit. Oben steht sein 21-jähriger Sohn Flo, Gitarre spielend in der Band Reezee. »Fantastisch«, hält Neuber fest, »die Gruppe hier zu erleben und Flo zuzusehen, wie er in die Musik eintaucht, in eine andere Welt abgleitet.«

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Junge Gießener Formationen standen am Wochenende im Mittelpunkt des 28. Stadtfests. Bands wie Neoh, The Joy Over The Lost Penny, OK Kid sowie Reezee spielten vor Freunden, Familie – und vor insgesamt über 100 000 Menschen, die zwischen Freitag und Sonntag bei hochsommerlichen Temperaturen durch die Innenstadt strömten und sich unterhalten ließen.

80 Musik- und Tanzgruppen präsentierten sich in der Fußgängerzone auf acht Bühnen. Gleißende Hitze sorgte dafür, dass die Massen erst nach Sonnenuntergang durch die City zogen. Dann war im Seltersweg wie gewohnt kaum noch ein Durchkommen. Am gestrigen Sonntag schlenderten allerdings deutlich weniger als in den vergangenen Jahren an den Bühnen entlang.

Das erste Ausrufezeichen setzte am Freitagabend eine 66-jährige Grande Dame des Blues, des Rock und des Funk: Inga Rumpf spielte auf dem Kirchenplatz mit Helmut Krumminga, Werner Kopal, Michael Nass und Jürgen Zöller von der Gruppe BAP auf. Glänzende Augen unter den 3500 Zuhörern lösten die Musiker in ihrem erst dritten gemeinsamen Konzert mit Hymnen von Rumpfs früheren Bands Frumpy und Atlantis wie »How the Gipsy was born« aus – und bewegten die Besucher darüber hinaus mit Klassikern wie James Browns »This is a man’s world« zum Mitsingen.

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Die Besucher lauschten den Konzerten, schwatzten, trafen Freunde und flanierten durch die Fußgängerzone. Überwiegend trugen die auftretenden Gruppen auch in diesem Jahr wieder altbekannte Gassenhauer vergangener Dekaden vor. Gleichzeitig sind in den letzten Jahren auf dem Stadtfest zunehmend Bands vertreten, die selbst geschriebene, originelle und frische Musik präsentieren – vor allem auf der Bühne des Musikkellers Ulenspiegel sowie in der Mühlstraße. Dort drängten sich am späten Samstagabend knapp 1000 Jugendliche zu einem Konzert der Hip-Hop-Formation OK Kid. »Schon komisch, gerade in der Heimatstadt nicht mehr als Jona:S aufzutreten«, hielt Frontmann Jonas Schubert fest. Doch wolle man mit dem neuen Namen zeigen, »dass wir eine Band sind, in der alle ihren Anteil haben.« Dann stellten die Musiker eine erste Nummer ihres bevorstehenden Albums vor, »Ihr seht, dass ich fliege«. Die Zuhörer hüpften zu den Beats. Die Mühlstraße erbebte.

Im Biergarten des »Ulenspiegel« saßen und standen die Gäste rund um einen sich ehrerbietig zur Seite neigenden Speierling. Als am Sonntagabend die Massen wieder aus der Innenstadt verschwunden waren, bot die Formation Budzillus mit Polka, Punk und orientalischen Klängen ein mitreißendes Finale. Die Sperrstunde um 23 Uhr bedeutete hier am Samstag nicht das Ende der Livemusik. Die Band Elmorgen setzte im Inneren des Musikkellers den Abend fort – mit rockigem Punk und viel Humor. »Wir sind aus Berlin«, stellten sich die drei Osthessen vor. »Alle anderen Gruppen, die auch behaupten, sie seien aus Berlin, sind Lügner oder allenfalls Bands zweiter Wahl.«



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Artikel vom 20.08.2012 - 17.06 Uhr
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Leserkommentare
(24.08.2012 18:52)
Casimir
Herrjeh...
... niemand zwingt Sie, am Stadtfest teil zu nehmen oder sich - völlig kostenlos - etwas für Sie passendes aus dem vielfältigen Programm auszusuchen. Hier den Bogen zu Billiglohn-Firmen und der gewinn- und wachstumsorientierten Gesellschaft zu spannen, ist völlig unangebracht. Hinter dem Stadtfest steht kein Konzern, der sich bereichert, sondern viele, meist Gießener Gastronomen, Geschäftsleute und Unternehmen, die alle ihren Teil dazu beitragen, dass möglichst viele Leute drei Tage Spaß haben.
Und von Gewinnen steht in obigem Artikel kein Wort. Die sind nämlich, wenn überhaupt, für die meisten ziemlich dürftig ausgefallen.
(21.08.2012 15:22)
Louisa
Ui...
...hier sind es gleich 100.000 - zehn Mal so viele Leute wie im Freibad! Wow!
Sind das alles eigentlich positive Meldungen? Wie die, wenn irgendeine Firma ihren Umsatz auf Kosten von Billiglöhnern steigern konnte? Oder wenn der Einzelhandel über ein rentables Vorweihnachtsgeschäft mit Wucherpreisen jubelt? Nee, die ganzen Meldungen von Gewinnen und Großveranstaltungen gehen mir langsam gegen den Strich, es geht tätsächlich nur noch um Größe und den dicken Reibach anderer. Nö.
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