Gießen (si). Die Gesellschaft für Integration und Arbeit Gießen bekommt zusätzlich 1,4 Millionen Euro für die Betreuung älterer Langzeitarbeitsloser. Das Geld stammt aus einem Sonderprogramm des Bundes und fließt über das Bündnis »Chance 50 plus« in die Region.
In der Ludwigstraße 51 - direkt am Bahndamm, wo zuletzt die Polizeistation Gießen-Nord zu Hause war - hat »Chance 50 plus« zwei Stockwerke bezogen. Gestern gab es die offizielle Eröffnungsfeier (am Pult die Vorsitzende der GIAG-Gesellschafterversammlung, Andrea Kaup). (Foto: Schepp)
Die GIAG hatte sich dem aus sechs hessischen Beschäftigungsgesellschaften bestehenden Netzwerk zu Jahresbeginn angeschlossen. Die Partner sitzen in Offenbach, Groß-Gerau, im Wetterauskreis sowie (ebenfalls seit Januar) in Wiesbaden und dem Hochtaunuskreis.
Das Gießener Team besteht aus 18 Fachkräften, darunter acht neu eingestellte, und wird in der Ludwigstraße 51 zu Hause sein: dem Gebäude am Bahndamm, in dem zuletzt die Polizeistation Gießen-Nord untergebracht war. Darin hat die GIAG 700 Quadratmeter auf zwei Stockwerken angemietet, und zwar ausschließlich für die Vermittlung. Leistungen der Grundsicherung erhalten die Antragsteller wie bisher an ihrem Wohnort.
Ältere Arbeitslose verfügten häufig über besondere Qualifikationen, sagte GIAG-Geschäftsführer Torsten Becker am Freitag bei der offiziellen Eröffnung. Davon könnten viele Betriebe profitieren. Hinzu komme der demographische Wandel, der die älteren Fachkräfte noch attraktiver mache. Deshalb sei »Chance 50 plus« auch für die Arbeitgeber hochinteressant. Dies bekräftigte Eckart Schäfer, Leiter der Agentur für Arbeit Gießen, vor einigen Dutzend Gästen, unter ihnen der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dirk Oßwald.
Die Sondermittel ermöglichten eine sehr viel bessere Betreuung der Langzeitarbeitslosen, sagte die Vorsitzende der GIAG-Gesellschafterversammlung, Andrea Kaup. Als »Zielgruppe« wurde insgesamt 3122 Personen errechnet - knapp 80 Prozent der etwa 4000 gemeldeten erwerbsfähigen Langzeitarbeitslosen ab 50 Jahren in der Stadt und dem Kreis Gießen. Damit kommt auf 265 Bewerber-/innen ein persönlicher Ansprecherpartner (elf sind es insgesamt). Für 200 Langzeitarbeitslose mit zusätzlichen Vermittlungshemmnissen gibt es eine noch bessere Betreuungsrelation. Hier kommt ein »Fallmanager« auf 50 Klienten. Für administrative Aufgaben und zur allgemeinen Unterstützung stehen außerdem zwei Fachassistenten bereit. Leiterin ist Simone Hackemann, die allerdings zum 1. April im Landratsamt eine neue Aufgabe übernimmt und dann von Christina Schäfer (Bundesagentur für Arbeit) abgelöst wird.
Für die Offenbacher Beschäftigungsgesellschaft, die »Chance 50 plus« 2005 in Hessen auf den Weg gebracht hatte, zog Projektkoordinator Gert Saborowski hoch zufrieden Bilanz. Von rechnerisch 3,5 betreuten Personen sei eine in den ersten Arbeitsmarkt integriert worden, bei zwei Drittel der Vermittelten gelinge das sogar nachhaltig. Die Gießener rechnen nach Angaben des stellvertretenden GIAG-Geschäftsführers Joachim Kühn bei den 2900 Arbeitslosen ohne zusätzliches Handicap mit 185 längerfristig wirksamen Wiedereingliederungen und weiteren 15 kürzeren Integrationen (bis sechs Monate), außerdem mit sechs Existenzgründungen. Bei den besonderen Problemfällen soll immerhin noch jeder zwölfte in irgendeiner Form in den ersten Arbeitsmarkt zurückkehren.
Dafür stehen - zusätzlich zu den 1,4 Millionen Euro für Projekt und Koordination - voraussichtlich weitere 925 000 Euro an Eingliederungsmitteln bereit: Lohnzuschüsse etwa, aber auch Geld für dringend benötigte Arbeitsmittel; beispielsweise den PC, wenn sich ein Arbeitsloser beruflich selbstständig machen will.
Nach Angaben von Projektkoordinator Saborowski können die sechs beteiligten Beschäftigungsgesellschaften 2011 bis 2015 mit weiteren Mitteln rechnen. Für das kommende Jahr gebe es bereits ein Verpflichtungsermächtigung, so die neue Nachricht.