Gießen (pd). Seit Montag ist Matthias Schmidt Propst für Oberhessen. Am kommenden Sonntag wird der 45-Jährige mit einem Festgottesdienst in der Petruskirche als Nachfolger des im September verabschiedeten Klaus Eibach in sein Amt eingeführt.
Warnt davor, Pfarrer zu stark mit Verwaltungsaufgaben zu belasten: Propst Matthias Schmidt.
Der Propstei Oberhessen gehören über 300 Kirchengemeinden in den Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau an. Schmidt wurde in Ingelheim am Rhein geboren, ging in Lahnstein zur Schule und lebt seit vielen Jahren im Vogelsbergkreis. »Ich habe die ländliche Region sehr stark im Blick«, sagt er.
Schmidt war im November von der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zum neuen Propst gewählt worden und hatte sich dabei im dritten Wahlgang knapp gegen seinen Mitbewerber, den Gießener Dekan Frank-Tilo Becher, durchgesetzt. Als eine seiner vordringlichsten Aufgaben bezeichnete es der 45-Jährige, die Wichtigkeit der Gemeinden vor Ort hervorzuheben. Die Kirchengemeinden sollten die Möglichkeit erhalten, ihr eigenes Profil zu entwickeln. Dies könne je nach Ausrichtung der Gemeinde ganz unterschiedlich sein. Während im städtischen Bereich über den Gottesdienst hinaus oft ein vielfältiges Angebot mit Jugendarbeit und Musik gemacht werde, »sind die Kirchengemeinden im ländlichen Raum oft die letzten sozialen Institutionen, die geblieben sind«.
Der neue Propst, der als Seelsorger für die Pfarrer/innen seines Amtsbezirks zuständig ist, erinnerte daran, dass durch den Strukturwandel in den vergangenen Jahren und die immer größer werdenen Gemeinden auch Probleme entstanden seien. Er bekräftigte einerseits den guten Ausbildungsstand und die hohe Motivation der Pfarrer, warnte aber davor, diese »mit Verwaltungsaufgaben zuzuschütten«. Es müsse mehr Freiräume für ihre eigentlichen Aufgaben geben. Dies könne auch durch eine verstärkte Zusammenarbeit in der Region erreicht werden. Bei zurückgehenden Konfirmandenzahlen etwa könnten mehrere Gemeinden gemeinsamen Konfirmandenunterricht organisieren und so Synergieeffekte erzielen. Schmidt: »Wir sollten den Kirchturmblick ein wenig ausweiten.«
Stärken möchte der neue Propst auch das Ehrenamt in der Kirche. Neben dem »klassischen« Modell mit Menschen, die über viele Jahre hinweg ehrenamtlich tätig sind, gebe es inzwischen auch Gemeindemitglieder, die sich für eine begrenzte Zeit engagieren und die erworbenen Kompetenzen in ihrem Beruf einsetzen wollen. Darauf müsse sich die Kirche einstellen, forderte Schmidt. Am Herzen liege ihm das Thema Ökumene, betonte der Propst. Er besitze ein »gesundes evangelisches Selbstbewusstsein«, könne sich aber auch an der »feierlichen Würde katholischer Messen« erfreuen. Anderen Religionen begegne er grundsätzlich mit »großer Neugier und großem Respekt«, sagte der Theologe.
Ausdrücklich bedauerte er den Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden und hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann. Schmidt bezeichnete sie als »hervorragende Predigerin und begnadete Buchautorin«. Diese Gaben, so hoffte er, werde sie bald wieder einbringen.
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