Martinszug: 40 junge Laternenträger zogen durch die Innenstadt
Gießen (fd). Bereits einige Tage vor dem kalendarischen Sankt-Martins-Tag am 11. November konnten vorgestern rund 40 Kinder ihre in mühevoller Kleinarbeit gebastelten Laternen beim diesjährigen städtischen Lichterumzug zu Ehren des Heiligen Martin in Aktion erleben.
Mit Laternen und Lichtern zogen 40 Kinder am Samstag durch die Stadt. (Fotos: fd)
Gießen (fd). »Ich geh' mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Da oben leuchten die Sterne, und unten leuchten wir«: Bereits einige Tage vor dem kalendarischen Sankt-Martins-Tag am 11. November konnten vorgestern rund 40 Kinder ihre in mühevoller Kleinarbeit gebastelten Laternen beim diesjährigen städtischen Lichterumzug zu Ehren des Heiligen Martin in Aktion erleben. Der Samstag wurde dabei in Abstimmung mit dem Einzelhandel gewählt, um zahlreichen Kindern die Teilnahme zu ermöglichen und nicht mit den Veranstaltungen der Kindergärten in Stadt und Kreis in Konkurrenz zu treten, die größtenteils für den kommenden Mittwoch geplant sind.
Der vorgezogene St.-Martins-Tag begann für die teilnehmenden Kinder mit einer Überraschung: Schon vor der Andacht, dem Martinsspiel und schließlich dem langersehnten Laternenumzug wurde ihnen im Spielwarengeschäft Fuhr ein »Weckmännchen« aus Hefeteig mit Rosinen auf den Weg gegeben. Gegen Nachmittag unterhielten dann eine Märchenerzählerin und ein Zinngießer ihr junges und altes Publikum auf dem Kirchenplatz. Auf eine kurze Andacht des katholischen City-Seelsorgers Gerd Tuchscherer und des evangelischen Stadtpfarrers Klaus Weißgerber folgte dann das Martinsspiel samt Pferd, Mantel und Schwert.
Im Mittelpunkt der Überlieferung zu Martin von Tours - wie der in evangelischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen gleichermaßen geehrte Heilige tatsächlich hieß - steht das Teilen: Ab 334 war Martin im heutigen Ungarn als Soldat der Reiterei der Kaiserlichen Garde stationiert. An einem kühlen Wintertag begegnete er am Stadttor einem armen, unbekleideten Mann. Außer seinen Waffen und seinem Militärmantel trug Martin nichts bei sich. In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Bedürftigen. In der folgenden Nacht sei ihm dann im Traum Christus erschienen, bekleidet mit dem halben Mantel, den Martin dem Bettler gegeben hatte.
Mit großen Augen verfolgten die 40 jungen Laternenträger das Schauspiel vor dem Kirchturm. »Bei Kindern ist das Teilen meist noch einfacher als bei uns Erwachsenen«, erklärte Pfarrer Klaus Weißgerber: »Da sollten wir uns ein Beispiel nehmen, anstatt ständig aufzurechnen, wer wem wieviel schuldet«, ergänzte Cityseelsorger Tuchscherer.
Die Veranstalter gingen dabei mit gutem Beispiel voran: Während im vergangenen Jahr die Anzahl der Laternen für die Höhe der Spende ausschlaggebend war, die von »Gießen aktiv« und den BIDs für einen guten Zweck zur Verfügung gestellt werden sollte, überreichte dieses Mal Pamela Schlehuber vom BID-Katharinenviertel stellvertretend eine runde Summe von 1000 Euro. Das Geld soll Diakonie und Caritas zugute kommen.