Gießen (ck). Vor gut einem Jahr hatte die Wohnbau Gießen Genossenschaft die früheren US Housing Areas erworben. Wer jetzt noch kaufen möchte, kommt zu spät: Das gesamte Kontingent von 150 Wohnungen ist weg. Zudem sind 120 Einheiten vermietet.
In die Marshall-Siedlung ist wieder Leben eingekehrt: Ein beachtlicher Teil der Genossenschafts-Wohnungen wurde bereits verkauft oder vermietet. (Foto: Schepp)
Keine Frage: Trotz anfänglicher Bedenken von einigen Entscheidungsträgern hat sich die Vermarktung der Marshall Siedlung zur Erfolgsgeschichte entwickelt.
Und ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Denn noch immer ist die Liste jener Interessenten lang, die in dem Gebiet zwischen Grünberger und Rödgener Straße eine genossenschaftlich organisierte Wohnung suchen. »Sieben Blocks sind bereits bezogen, zwei werden derzeit hergerichtet, die Mieter stehen seit längerem fest und warten auf den Umzug«, berichtet Genossenschaftsvorstand Volker Behnecke auf AZ-Anfrage. Und auch für den restlichen Bestand sieht er beste Chancen für eine rasche Vermarktung.
Erfolg hatte die Genossenschaft auch bei der Suche nach Käufern für die beiden Villen auf dem Gelände. Beide sind mittlerweile veräußert. Weniger Glück war den Verantwortlichen jedoch bei dem Kirchengebäude beschieden, obwohl dafür auch Möglichkeiten der Nutzungsänderung bestanden. »Es gab etliche Gespräche mit potenziellen Interessenten vor allem aus dem Gastronomiesektor, alle wurden jedoch offensichtlich von den zu erwartenden hohen Umbaukosten abgeschreckt«, erläuterte Behnecke. Man habe sich jetzt eine Frist gesetzt, nach deren Ablaufen voraussichtlich ein Rückbau beginnen wird.
Angesichts der großen Grünflächen in Richtung Rödgener Straße hat man sich bei den Genossenschaftsverantwortlichen auch schon Gedanken um eine Verdichtung des Areals, also die Errichtung weiterer Häuser Gedanken gemacht. Vorstellbar seien Behnecke zufolge Doppelhaushäuser, wie sie die Wohnbau Gießen GmbH im sogenannten Wildschweinviertel an der Krofdorfer Straße verwirklicht hat. Eine Entscheidung wolle man aber »nicht übers Knie berechen«.
Sorgen bereitet dagegen die Tatsache, dass die vielen Neubewohner der Siedlung weiterhin keine Möglichkeit haben, in der Nähe ihre Einkäufe zu erledigen. »In einem weiten Umkreis gibt es keinen einzigen Einkaufsmarkt«, kritisiert Behnecke. Und da sich das Vorhaben, auf dem Gelände der Bergkaserne eine größere Einkaufsmöglichkeit zu errichten, seit Jahren auf sich waren lässt, schlägt er vor, den Bereich des früheren US-Einkaufscenters PX – ein Areal des »Motorpools« der früheren Pendleton Barracks – am Gießener Ring so bald wie möglich zu erschließen. Behnecke hofft, dass das Gebiet von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bald zur Vermarktung ausgeschrieben wird.
"Angesichts der großen Grünflächen in Richtung Rödgener Straße hat man sich bei den Genossenschaftsverantwortlichen auch schon Gedanken um eine Verdichtung des Areals, also die Errichtung weiterer Häuser Gedanken gemacht. " Da spricht die Geldgier und nicht der Wohnungsmangel. Die Stadt Gießen ist sehr arm an Grünflächen und die Kinder, die zweifelsohne dort einziehen, können sich glücklich schätzen, wenn sie diesen Raum zu spielen haben. Wo sollen die Kids denn hin? Wo sollen sie toben und spielen? Hier wäre endlich eine Möglichkeit, eine familien- und menschenfreundliche Wohnsiedlung zu gestalten und die Chance wird gleich im Keim erstickt, weil man auf da ja noch ein grüner Zipfel ist, den man zubauen kann. Es wäre zu wünschen, dass sich Bewohner und Hauseigentümer vor der Zerstörung der Grünflächen ein paar Gedanken zu Wohn- und Lebensqualität machen.
(22.08.2010 19:03)
Leser
Parkmöglichkeiten
Schade, dass das Quartier aus der Perspektive der Stadtplanung äußerst problematisch ist. Das Gelände hat große Freiflächen, aber die PKW-Stellplätze sind direkt vor den Fenstern. So braucht sich keiner wundern, dass die Bewohner des Viertels in Zukunft wenig mit dem Bus unterwegs sind und stattdessen lieber mit dem Auto in die Stadt fahren, weil dieses ja so praktisch vor dem Wohnzimmer parkt. In sofern braucht aber Herr Behnecke gar nicht mit dem Finger auf die Stadt zeigen: Die Wohnbau hat auch nichts unternommen die Nahmobilität zu fördern, sonst hätte sie zumindest Fahrradabstellanlagen vor den Häusern installiert und die Fußwege gleich zu Beginn in Stand gesetzt, denn Mobilitätsverhalten ändert man nur beim Umzug. Danach kann man machen, was man will. Ansonsten: Jaja, mir ist schon klar: Parken vor der Haustür ist super insbesondere, wenn der Autoverkehr, der dadurch entsteht nicht vor der eigenen Haustür die Umwelt-, Lärm und Verkehrsprobleme produziert.
Da spricht die Geldgier und nicht der Wohnungsmangel. Die Stadt Gießen ist sehr arm an Grünflächen und die Kinder, die zweifelsohne dort einziehen, können sich glücklich schätzen, wenn sie diesen Raum zu spielen haben. Wo sollen die Kids denn hin? Wo sollen sie toben und spielen? Hier wäre endlich eine Möglichkeit, eine familien- und menschenfreundliche Wohnsiedlung zu gestalten und die Chance wird gleich im Keim erstickt, weil man auf da ja noch ein grüner Zipfel ist, den man zubauen kann. Es wäre zu wünschen, dass sich Bewohner und Hauseigentümer vor der Zerstörung der Grünflächen ein paar Gedanken zu Wohn- und Lebensqualität machen.