Gießen (kw). Jede Minute könnte das Telefon klingeln und die erlösende Nachricht bringen. Monatelang hat die Familie Stepniak in der polnischen Stadt Zgierz mit diesem Wissen gelebt. Dann stand fest: Für den herzkranken Mariusz war so viel Geld gesammelt worden, dass die Gießener Uni-Kinderklinik ihn aufnahm. Jetzt geht es dem Zehnjährigen und seiner Mutter noch einmal ähnlich.
Mariusz freut sich über das Fußballtrikot, das der deutsche Rekordmeister Bayern München über die Organisation »Hoffnungsschimmer« für ihn gespendet hat. Dass er in nicht allzu ferner Zukunft selbst darin spielen kann, hoffen auch seine Mutter Edyta Stepniak (l.) und Katarzyna Färber von »Hoffnungsschimmer«.
»Man hofft auf den Anruf. Aber sobald er kommt, hat man auch Angst um das Kind«, schildert Edyta Stepniak ihre Gefühlslage während des Wartens auf ein passendes Spenderherz. Seit Donnerstag steht ihr Sohn auf der Transplantationsliste. »Damit ist ein Traum in Erfüllung gegangen«, sagt seine Mutter.
Edyta Stepniak ringt manchmal um Fassung. Auch Katarzyna Färber aus Sinn, die mit der Organisation »Hoffnungsschimmer« (»Light of Hope«) die Spendenaktion ins Rollen gebracht und die AZ als Partner gewonnen hat, muss zwischendurch zum Taschentuch greifen. Die Erwachsenen sind bewegt vor Freude und Dankbarkeit darüber, dass der an einer Herzmuskelerkrankung namens dilatative Kardiomyopathie leidende Junge nun Patient im Gießener Kinderherzzentrum sein darf. Zugleich hegen sie Hoffnungen und Befürchtungen, was die Zukunft betrifft. »Mit einem gesunden Kind nach Hause zurückkehren« - das wäre für Edyta Stepniak die Erfüllung des nächsten großen Traums. Sie wagt noch nicht so recht daran zu glauben.
Mariusz selbst, der seit früher Kindheit immer wieder Krankenhausaufenthalte und lebensbedrohliche Situationen bewältigt hat, blickt optmistisch voraus. »Ich habe keine Angst vor der Operation«, sagt er. Auf das Leben mit einem neuen Herzen freue er sich unter anderem, weil er »unbedingt endlich Fußball spielen will«. Vielleicht in dem Trikot, das Bayern München über »Hoffnungsschimmer« für ihn gespendet hat? Noch ist es deutlich zu groß für den schmächtigen Zehnjährigen, doch wenn er erst einmal die Herzverpflanzung gut überstanden hat, könnte er bald einiges an Wachstum aufholen.
»Wir wissen genau, wie groß die Hilfe ist. Wir sind sehr glücklich, dass so viele Deutsche einem Jungen aus Polen helfen«, betont Edyta Stepniak. Das Interview möchte sie vor allem nutzen, um Danke zu sagen: Den Spendern, den Ärzten, den Aktiven von »Hoffnungsschimmer«, der Gießener Allgemeinen Zeitung und allen anderen Unterstützern. »Es war ein schwerer Weg, der uns viel Kraft gekostet hat«, blickt sie zurück auf die Monate des Wartens und Hoffens. Als das Rhön-Klinikum, Träger des Gießener Universitätsklinikums, vor zwei Wochen mitteilte, dass Mariusz behandelt werden kann, habe die Familie »nur Glück« empfunden.
Nun heißt es erneut Warten. Weil Mariusz’ Gesundheitszustand stabil ist, muss er nicht stationär im Klinikum liegen. Gemeinsam mit seiner Mutter lebt er die meiste Zeit in Gießen bei einer Bekannten namens Agata, die im Klinikum arbeitet und Polnisch spricht. Die Wochenenden verbringen die Stepniaks in der Regel bei Familie Färber in Sinn.