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Lungenpatienten kommen deutlich weiter

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Artikel vom 15.12.2011 - 16.00 Uhr

Lungenpatienten kommen deutlich weiter

Gießen (if). Als er nach Gießen kam, schaffte der Patient schwer atmend gerade noch 154 Meter beim Sechs-Minuten-Lauftest: Weil die geschädigten Lungenbläschen die Atemluft nicht mehr auspressen können, kommt es beim Emphysem zu schwerer Atemnot. Nach der neuen Behandlung im Unklinikum bewältigt er heute mit 283 Metern in sechs Minuten nahezu die doppelte Laufstrecke.

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Prof. Werner Seeger, Dr. Wilhelm Doppl, Prof. Friedrich Grimminger, Dr. Peter Collet, Prof. Philip Hardt und Dr. Frank Reichenberger (von links) beim Rundgang durch die neuen Räume. (Foto: ast)
Der Zustand eines anderen Patienten verbesserte sich so nachhaltig, dass auf eine Lungentransplantation verzichtetet werden konnte. Die krankhafte Überblähung der Lunge wurde bei beiden auf neuartige Weise beseitigt.

»Endobronchialventile«, »unblutig« in die Atemwege eingesetzt, sorgen inzwischen dafür, dass geschädigte Lungenbezirke sich wieder entfalten und ihre Funktionsfähigkeit wiedergewinnen können. Das innovative Verfahren – dieser Tage von Privatdozent Dr. Frank Reichenberger aus der Medizinischen Klinik II vor Kollegen beschrieben –, ist nur ein Beispiel für eine ganze Reihe moderner, schonender Behandlungsverfahren, die sich aus der ursprünglich lediglich diagnostischen Zwecken dienenden Endoskopie – der Inspektion innerer Organe – entwickelt haben. Bei der Eröffnung der neuen »Zentralen Interdisziplinären Viszeralmedizinischen Endoskopie« informierte er zusammen mit Prof. Philip Hardt und Dr. Wilhelm Doppl über jüngste Entwicklungen und Zukunftsperspektiven endoskopischer Verfahren.

Der heute mögliche Blick ins Innere des lebenden Menschen – »als Magenspiegelung« im Mund- Speiseröhren- und Magen-Darmtrakt, als Koloskopie zur Früherkennung von Darmkrebs oder als Bronchoskopie in der Lungenheilkunde – ist letztlich einem biederen badischen Landarzt zu verdanken. Mitte des 19. Jahrhunderts unternahm es Adoph Kußmaul – inspiriert von einem Schwertschlucker – Speiseröhre und Magen zu inspizieren. Die dazu eingesetzten, ursprünglich starren Rohre sind inzwischen bleistiftdünn und schlangenhaft beweglich geworden. Über Glasfaserbündel werden Bild und Licht übertragen, mit winzigen Werkzeugen bestückt, mit Ultraschallsystemen aufgerüstet, lässt sich heute beispielsweise in Entartung befindliches Gewebe entfernen, noch ehe es sich zu Krebs verändert hat. Ehemals belastende chirurgische Eingriffe können vielfach durch schonenderes endoskopisches Vorgehen ersetzt werden . Gastroenterologen setzten es erstmals ein, Lungenspezialisten entwickelten es für ihre Zwecke weiter. Zu der in Gang gekommenen stürmischen Entwicklung trugen parallel dazu Chirurgen und Gynäkologen bei.

Bei der Planung der im Vorjahr bezogenen Gießener Uniklinik hat man weitsichtig der bereits eingetretenen Entwicklung der Endoskopie über Fachgrenzen hinweg Rechnung getragen: Die Chefs der Medizinische Klinik II, IV und V sowie der Klinik für Allgemein- und Kinderchirurgie – die Professoren Werner Seeger, Friedrich Grimminger und Winfried Padberg – kamen zum Entschluss, in einem interdisziplinären Zentrum fachspezifisches endoskopisches Know-how zu bündeln. Mit der Zentralen Interdisziplinären Viszeralmedizinischen Endoskopie ist jetzt die wegweisende Vorstellung interdisziplinärer Kooperation auf der Basis fachübergreifender Kompetenz realisiert worden.

Die Einheit – angesiedelt auf Ebene 0 des Klinikneubaus und ausgestattet mit modernster Medizintechnik, die auch Kurznarkosen erlaubt – wird von Dr. Peter Collet geleitet. Er bringt Erfahrungen aus dem Mannheimer Endoskopiezentrum der Universität Heidelberg mit, das bei Fachleuten als international führend gilt. Die Vertretung haben Prof. Philip Hardt und Oberarzt Dr. Wilhelm Doppl. »Die Endoskopie hat inzwischen einen Spezialisierungsgrad erreicht, der neben hoher technischer Expertise eine differenzierte Spezialisierung verlangt«, erläuterten Seeger, Grimminger und Padberg bei der Besichtigung der neuen Räume. »Sie hat sich durch kontinuierliche Weiterentwicklung zu einem kurativen und palliativen Behandlungsverfahren emanzipiert. Mit der Einrichtung des Zentrums haben wir dieser Entwicklung Rechnung getragen.«

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Artikel vom 15.12.2011 - 16.00 Uhr
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