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Literarische Reise zurück in die 70er Jahre

Artikel vom 10.12.2009 - 19.59 Uhr

Literarische Reise zurück in die 70er Jahre

Gerhard Henschels »Jugendroman« kommt im »Jokus« gut an.
Detailgetreues Sittenporträt: Gerhard Henschel liest im »Jokus« aus seinem neuen »Jugendroman«.	(Foto: deh)
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Detailgetreues Sittenporträt: Gerhard Henschel liest im »Jokus« aus seinem neuen »Jugendroman«. (Foto: deh)
Der zehnjährige Martin Schlosser sitzt gedankenverloren am Tisch, den Löffel tief in dampfende Graupensuppe getunkt. Sein Blick wandert vom Löffel in seiner rechten Hand zu den Dosenpfirsichen, drapiert in einem Glasschälchen. Mit einem fachmännischen Ausdruck im Gesicht, aus seinen Tagträumen erwacht, beginnt er die detaillierte Benotung. Die Graupensuppe ist eindeutig nur ausreichend, die Dosenpfirsiche bekommen gerade noch eine fünf. Bohnen, Wurzeln und Erbsen verdienen, seiner Erinnerung nach, eine drei, ein saftiges Kotelett hingegen geht nur knapp an der Bestnote vorbei.

Gerhard Henschel erzählte am Mittwochabend von einem fröhlichen Jungen mit Hang zu schnittigen Spielzeugautos und dem Bedürfnis, alles zu benoten. Kurzzeitig unterbrach Henschel seine literarische Reise in die 70er, blickte von seinem Buch auf und schmunzelte, als er zugab, einiges - oder fast alles - der eigenen Kindheit entnommen zu haben. Im »Jokus« gab er einige Passagen aus seinem Kindheitsroman zum Besten und las aus der kürzlich erschienenen Fortsetzung.

Nach einer turbulenten Kindheit in Koblenz bricht Martin im Sommer 1975 zu neuen Abenteuern in der emsländischen Kleinstadt Meppen auf. Der 13-Jährige erlebt die Unannehmlichkeiten der Pubertät und den Kampf mit einer Welt, die ihm die Lebenslust mit Rosenkohlgestank und einem störrischen Duschvorhang vermiest. Muttis Einmachgummis helfen schließlich, den mit den Stubenfliegen geführten Kleinkrieg wirksam zu beenden.

Den blutigen Unfall im Hobbykeller hingegen überlebt man nur mit genügend Millimeterpapier, ein Klavierkonzert entwickelt sich zu einer verlorenen Schlacht und der Konfirmandenunterricht zu einem Kampf um die schrecklichsten Hobbys. Auch die Idee, eine Stereobrille zum Bewundern von nackten Schönheiten zu verwenden, schlägt fehl - auf den erhofften 3-D-Effekt wartet er vergeblich.

In Henschels Jugendroman werden die 70er wieder lebendig, ein detailgetreues Sittenporträt wird zum unterhaltsamen Abenteuer. Der Autor kombiniert geschickt eigene Erlebnisse mit tagesaktuellen Ereignissen der damaligen Zeit. Der Satiriker und Ex-»Titanic«-Autor hat einen pubertären, nostalgischen und urkomischen Roman geschrieben, er lädt zum entspannten Verweilen in den 70ern ein. deh

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Artikel vom 10.12.2009 - 19.59 Uhr
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