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Linie 1: »Einige Kollegen haben Angst«

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Artikel vom 03.02.2015 - 14.04 Uhr

Linie 1: »Einige Kollegen haben Angst«

Gießen (mö). Bei der Busanbindung der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im früheren US-Depot gibt es nach wie vor Probleme. So wurde jetzt bekannt, dass Busfahrer auf der Linie 1 von Fahrgästen, die an der Rödgener Straße zusteigen, beleidigt und bedroht werden.

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Für die Busfahrer auf der Linie 1 ist der Job laut Betriebsrat belastend. (Foto: Schepp)
»Es gibt mittlerweile einige Kollegen, die haben Angst, diese Linie zu fahren«, sagte Mit.Bus-Betriebsratsvorsitzender Abdul Yobas auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung.

»Die Kollegen werden bespuckt und bedroht. Mir ist das auch schon passiert«, schilderte der Betriebsratsvorsitzende und nahm auch ansonsten kein Blatt vor den Mund. So seien es in erster Linie männliche Asylbewerber aus Nordafrika, die sich gegenüber den Busfahrern und weiblichen Fahrgästen schlecht benehmen würden. Wie Yobas sagte, sei die Geschäftsleitung von Mit.Bus über die Vorfälle informiert und führe Gespräche mit der Stadt. Helfen würde seiner Einschätzung nach ein Verzicht auf die Fahrscheinkontrollen, bei denen es regelmäßig zu Auseinandersetzungen mit Schwarzfahrern komme. Deshalb müsse über eine automatische Mitfahrberechtigung nachgedacht werden, vergleichbar mit dem Semesterticket für die Studenten. Oder es müsse der bereits diskutierte Shuttle-Verkehr eingeführt werden.

Stadtwerke-Dezernentin Astrid Eibelshäuser und Mit.Bus-Geschäftsführer Matthias Carl bestätigten gegenüber der GAZ, dass es solche Vorfälle gegeben habe, sprachen aber von »Einzelfällen«. »Keiner dieser Übergriffe ist tolerierbar, aber man muss auch berücksichtigen, dass allein im Depot über 2000 Menschen untergebracht sind«, sagte Eibelshäuser. Wie die Stadträtin und Mit.Bus-Chef Carl erläuterten, seien drei Maßnahmen ergriffen worden, um die Probleme auf der Linie 1, die auch die Kapazität betreffen, in den Griff zu kriegen. So werde mehr Sicherheitspersonal eingesetzt, zudem werde eine Videoüberwachung getestet, außerdem führten jetzt mehr Fahrten bis zur Haltestelle am früheren Haupteingang des US-Depots (Sophie-Scholl-Schule).

Neuer Weg erst Mitte Februar

Gearbeitet wird laut Eibelshäuser zudem an der Einrichtung eines Shuttle-Verkehrs, der die beiden Gießener HEAE-Standorte Meisenbornweg und US-Depot sowie einen Haltepunkt in der Stadtmitte in den Stoßzeiten verbinden würde. Die Finanzierung sei aber noch ungeklärt. Geprüft worden sei auch eine Lösung à la Semesterticket, die aber rechtlich nicht gehe. Das Asylbewerberleistungsgesetz verbiete es, allen Flüchtlingen einen Nahverkehrsbeitrag vom Taschengeld abzuziehen, erklärte Eibelshäuser.

Noch nicht gelöst ist auch das Problem bei der Wegeführung. Denn trotz der Schließung der Bushaltestelle am Gewerbegebiet Krebsacker (Canon) laufen viele Flüchtlinge auf der Rödgener Straße, weil der Fußweg neben dem Depotgelände nur in einem kurzen Abschnitt zwischen der Haltestelle und dem künftigen Ausgang für Fußgänger unlängst von der Stadt befestigt wurde. Der hintere Teil – bis zum jetzigen HEAE-Haupteingang am Bahnübergang – ist momentan völlig verschlammt bzw. durchnässt. Folge: Die HEAE-Bewohner gehen scharenweise auf der Landesstraße. Laut Regierungspräsidium kann es noch bis Mitte Februar dauern, bis der Fußweg innerhalb des Depotgeländes fertiggestellt sein wird. Dann wird der jetzige Haupteingang für Fußgänger geschlossen. Die Stadt bezeichnete die jetzige Situation gestern als »unbefriedigend«, aber immer noch besser als vorher, da die Leute nun nicht mehr im Bereich einer Kurve laufen. Der Trampelpfad sei nicht auf ganzer Länge befestigt worden, weil man damit gerechnet habe, dass der neue Weg Ende Januar, Anfang Februar freigegeben werde, hieß es.

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Artikel vom 03.02.2015 - 14.04 Uhr
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Leserkommentare
(13.05.2015 20:20)
schneckerich
Gute Idee

@dbeutner neben Busfahrkarten bekommt auch noch jeder ein Handy, ein Tablet, ein Dauerkarte für den Puffer und genug Alkohol damit alle Bedürfnisse befriedigt sind und der normale Giessener wieder anstreichen leben kann. Irgendwo hört es auf. Nach der Bedürfnispyramide nach Maslow ist Sicherheit ein großer Bestandteil der Lebensqualität.Wenn sogar die Polizei Angst vor diesen Irren hat ist mein Sicherheitsgefühl eingeschränkt.


+++ Wir haben mehrere gegenseitige Beleidigungen gelöscht und die Kommentarfunktion abgeschaltet. Grüße, Online-Redaktion

(12.05.2015 19:53)
Ungehalten
@dbeutner
jaja, denn sie wissen nicht worüber sie schreiben...., mit der richtigen Distanz(räumlich), gehen lockere Sprüche leicht über die Lippen. Väter von Kindern, insbesondere weibl. Teenager helfen Ihnen gerne auf die Sprünge.
(12.05.2015 19:43)
kolter
@ dbeutner
Ich nehme an, Ihnen ist bekannt, dass es hierzulande viele Millionen Hartz-IV - Empfänger, Aufstocker, Rentner mit Mindestrente und so weiter gibt, die sich jede Bus- oder Zugfahrt sozusagen vom Munde absparen müssen.
Diese Leute reiben sich jetzt schon die Augen, wenn sie beim HEAE vorbeikommen und die gutgekleideten und mobiltelefonierenden Menschen mit prallen Plastiktüten sehen. Ich höre das jeden Tag, von Menschen die nicht unter Rassismus-Verdacht stehen.
Ihr Vorschlag mag wohl Ihr Gewissen beruhigen, allerdings sollte man die Volksseele nicht über Gebühr beanspruchen.
Was diese fühlt und denkt, lässt sich wunderbar an den Kommentaren zum von Ihnen verlinkten Artikel in den ka-news herauslesen. Kleines Beispiel?
"weisch wi die grine sinn? die predige perlebacher unn saufe edelschampuß.. wohne ihrgendwo in malsch wos drei auslenda gibt zwoi dafon aus öschderreich unn babbeln was fon multikulti.. reg di net uff so leit traue sich garnet dursch mei firtel zu laafe do scheise se sisch ins hemd "
Ich fürchte der so charmant badisch Redende hat Recht und man kann Beiträge wie Ihren nur begrenzt ernst nehmen. Tut mir wirklich leid.
(12.05.2015 17:36)
Jean N. Marre
@dbeutner
Wollen Sie also damit sagen dass wenn die Einwanderer keine Fahrscheine mehr kaufen müssen und somit kostenlos Busse nutzen können, die sexuelle Belästigung weiblicher Fahrgäste durch Asylbewerber aufhört? Die Aggression gegenüber Busfahrern dieser männlichen Asylbewerber liegt also einzig und allein in der Tatsache begründet dass sie eine Fahrkarte kaufen müssen?
Ernsthaft?
(12.05.2015 13:42)
dbeutner
Was geht und was nicht...
"Geprüft worden sei auch eine Lösung à la Semesterticket, die aber rechtlich nicht gehe. Das Asylbewerberleistungsgesetz verbiete es, allen Flüchtlingen einen Nahverkehrsbeitrag vom Taschengeld abzuziehen, erklärte Eibelshäuser." Korrekt. Das mit dem Geld einfach abziehen geht nicht. Aber den Geflüchteten das Bahnfahren dennoch zu ermöglichen, geht schon. Zumindest in Karlsruhe: http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Ministerium-gibt-Go-Karlsruher-Asylbewerber-duerfen-kostenlos-Bahn-fahren;art6066,1443412
Ansonsten - traurig, welch platter Rassismus sich hier in den LeserInnenbriefen spiegelt. Aber so sieht die Realität halt aus...
(04.02.2015 11:58)
Ungehalten
wo sind denn
unsere politischen Führungskräfte, die sich gerne bei Festivitäten publikumswirksam in Szene setzen ? ....Ah...auf Tauchstation wegen Problemen in der städtischen Öffentlichkeit...... Awwer macht eh nix, middm Bus fahrn eh nur die kleeene Leut´
Besonders traurig : die Handlungsunfähigkeit gegen die wohlgemerkt -wenigen- Kriminellen die unter dem Mäntelchen der Hilfsbedürftigkeit ihr Unwesen treiben. In der Praxis gibt es momentan kaum eine Handhabe die Betrüger, Gauner und Pöbler zur Räson zu bringen. Wahrscheinlich wird nur eine Abschiebpraxis "per express" und sofortige Streichung von Versorgungsleistungen, künftig ausufernden Straftaten Einhalt gebieten. Diese politisch-juristische Grauzone spricht sich in genau den Personenkreisen wie ein Lauffeuer herum. Denn die mißbräuchlichen Anwender des Asylrechts sind, kommunikationstechnisch besser vernetzt, als unsere Schönschwätzer. Würde mich nicht die Sorge vor weitern rechtspopulistischen Aufkeimens in der Wählerschaft tragen, sage ich ....taucht weiter.
(04.02.2015 11:31)
Spottdrossel
Hilfe gegen Respekt
In den letzten Wochen waren viele engagierte Mitbürger für Toleranz und Vielfalt auf den Straßen. Unter anderem wurde das Engagement mit Straßenblockaden und Eierwürfen gegen Bürger mit "falscher" Meinung ausgelebt. Könnten diese Leute ihre dadurch gewonnenen Kompetenzen jetzt nicht nutzbringend einsetzen, indem sie sich vor die Busfahrer stellen und so selber in den kulturell bereichernden Genuß des Angespucktwerdens kommen?
Unstrittig ist, daß wir hier das Glück haben, in Frieden leben zu können, und deshalb Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort wohnen, Hilfe bieten, soweit wir das können.
Wozu wir NICHT verpflichtet sind, ist, uns unendlich veräppeln zu lassen.
Als Gegenleistung für die Hilfe können wir Respekt und den Willen, sich an die geltenden Spielregeln zu halten, erwarten - und auch verlangen.
Die wirkungsvollste Strategie gegen "böse rechtsextreme Tendenzen aus der Mitte der Gesellschaft" sind Regelungen, die vom Großteil der Bürger als fair für beide Seiten empfunden werden.
Und dazu gehört auch, die gelbe und rote Karte auszuspielen und jemanden, der seine Chance nicht nutzen, sondern nur aus-nutzen will, wieder rauszuschmeißen und den Platz freizumachen für eine Familie mit Kindern, die die Hilfe annimmt, ohne zusätzlich Polizei- und Prozeßkosten zu verursachen.
(04.02.2015 07:07)
Gießenerin
Superidee!
Schwarzfahrer nicht mehr kontrollieren, weil sie rumpöbeln! Ganz toll! So werde ich mich jetzt auch verhalten und das Geld fürs Ticket sparen. Und einen extra Shuttle-Service einrichten, das ist ja noch schöner! Wer hier lebt und mit dem Bus fahren will, muss halt ein Ticket kaufen. Und wenn die Busfahrer sich belästigt fühlen, braucht es halt Sicherheitspersonal wie im Aldi. Ich fahre oft mit der 1. Manche Flüchtlinge sind sehr höflich, bei anderen wünschte ich mir schon jemanden im Bus, der für Ordnung sorgt und zur Not den einen oder anderen rausschmeißt.
(03.02.2015 21:07)
christian74
Muss ich mein Verhalten
jetzt auch verändern? Ich beleidige und bespucke Busfahrer, so kann ich mir viel Geld für das Busticket sparen ????
Sorry, ich kann lange ruhig bleiben, aber mir platzt bei solchen Verhalten der Kragen. Es kann doch nicht sein, das bei so einem Verhalten alles geduldet wird. Busfahrer haben Angst die Linie zu fahren, Frauen meiden wahrscheinlich die Linie 1 und vielleicht bekommen unsere Asylanten auch noch einen extra Bus.
Ich bin sehr tolerant und akzeptiere Kriegsflüchtlinge, diese danken unserem Gastrecht und benehmen sich mit Sicherheit.
Für den Rest = sofortige Abschiebung
(03.02.2015 19:19)
AEG
Oh sorry,
ich werde es beim nächsten mal beachten. ;-)
(03.02.2015 18:16)
Jerol
@AEG
Führerscheinlose MitfahrerInnen. Bitte beachten Sie die Geschlechtergleichstellung :--)
(03.02.2015 18:07)
Jerol
Bei aller Gastfreundschaft
Wer sich hier nicht benehmen will oder kann sollte heimgeschickt werden. Das ist überall auf der Welt so. Jetzt krieg ich bestimmt Schimpfe.
Ich bin viel auf der Welt rumgekommen und habe kein Land kennengelernt wo ich ungestraft gegen das Gastrecht verstossen durfte.
(03.02.2015 17:25)
Gigant.57
Fußweg verschlammt...
Fast alle Menschen gehen dort auf der Strassenseite und nicht auf dem verschlammten Fußweg (das war mir auch fast klar, denn Holzspäne versinken im Schlamm. Splitt wäre besser gewesen). Aber nicht nur hier gehen die Menschen auf der Strassenseite, sondern auch auf dem Radweg gegenüber vom Amtsgericht/Blitzanlage. Dort hätte ich beinahe jemanden überfahren, weil er unverhofft auf die Strasse gelangte beim überholen eines anderen. Hier sollte man auch mal kontrollieren.
(03.02.2015 17:21)
AEG
Wäre es hier nicht
angebracht von Problemen mit Fahrscheinlosen Mitfahrern, als von Schwarzfahrer zu sprechen. So sensibel könnte man ja mal sein.
(03.02.2015 17:00)
Ungehalten
man (Frau) sollte wissen wovon
sie spricht, mal ne Woche mit dem Bus zu den Stoßzeiten fahren und dann die Einzelfälle aufsummieren ;-) Beschämend die Resignation der Ordnungsbehörden ggü. den Missetätern. Der Rest der Flüchtlinge, trägt folgedessen die Last der Rufschädigung durch die Übeltäter !
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