Lehman-Opfer erhalten 35000 Euro plus Zinsen zurück
Gießen (si). 14 Monate nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat das Gießener Landgericht einem geschädigten Ehepaar in vollem Umfang Schadensersatz zugesprochen.
Im ersten Verfahren dieser Art in der Region verurteilte die 3. Zivilkammer am Dienstag die Sparkasse Oberhessen, alle Lehman-Zertifikate, die sie den zwei Kunden Anfang 2007 verkauft hatte, zurückzunehmen und ihnen die Anlagesumme in Höhe von 35 000 Euro nebst Zinsen zu erstatten. Die Bank muss außerdem die Anwaltskosten der Kläger zahlen. Die Urteilsbegründung steht noch aus. Der Vorsitzende Richter Jürgen Schrader ging beim Verkündungstermin nicht auf die Beweggründe der Kammer ein.
Die Eheleute, zwei gut verdienende Freiberufler aus Nidda, waren beim Kauf der Zertifikate schon seit über 20 Jahren Kunde bei der Oberhessischen Sparkasse - sie seien immer »konservative Anleger« gewesen, so die Frau beim ersten Verhandlungstermin vor zwei Monaten. Ihren Berater kannten sie damals schon sei mehreren Jahren, zu ihm bestand ein »Vertrauensverhältnis«. Es gab regelmäßige Beratungsgespräche, bei denen der Sparkassenmitarbeiter auch zu ihnen ins Wohnhaus kam.
Nach Angaben der Ehefrau fand der Verkauf der Lehman-Papiere in der Filiale in Nidda statt. Damals habe sie zum ersten Mal von der amerikanischen Investmentbank gehört - »eine Bank mit bester Bonität, hinter der der Staat steht«, habe ihr der Mitarbeiter gesagt. Die Zertifikate habe er mit dem Hinweis empfohlen, dass sie »sehr sicher« seien. Im schlimmsten Fall würden die 35 000 Euro am Ende der Laufzeit (2011) ohne Wertzuwachs wieder ausgezahlt.
Tatsächlich war die Lehman-Einlage Anfang 2008 schon nur noch rund 20 000 Euro wert. Sie habe damals mehrfach mit dem Berater über die »katastrophale« Wertentwicklung gesprochen, sagte die Frau. »Nicht verkaufen«, habe der empfohlen. Schriftliche Informationen hatte sie nach eigenen Angaben weder beim Verkaufsgespräch noch irgendwann später erhalten. Zudem sei ihr nicht gesagt worden, dass die Sparkasse beim Verkauf eine Provision von 4,5 Prozent bekommen werde - viel mehr als bei sonstigen Anlagen. »Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich noch vorsichtiger gewesen«, sagte sie vor Gericht.
Der Bankmitarbeiter, den die Kammer ebenfalls als Zeugen gehört hatte, konnte sich an das konkrete Verkaufsgespräch nicht mehr erinnern - wusste aber ganz sicher, dass er keine Kapitalgarantie (»wird mindestens zu 100 Prozent zurückgezahlt«) gegeben habe. Seinen Angaben zufolge hatte er der Frau das Zertifikat (»Lehman Bros Treasury Co. B.V. AL.E.17.02.11«) empfohlen, weil sie mit dem Ertrag ihres Depots unzufrieden gewesen war. Darin hätten sich überwiegend risikoarme, aber deshalb auch zinsschwache Rentenpapiere befunden. Das Lehman-Papier hatte eine Rendite von bis zu zehn Prozent abwerfen sollen, und zwar steuerfrei.
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