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Landesgartenschauen sind keine »Blümchenschauen«

Artikel vom 25.06.2012 - 08.00 Uhr

Landesgartenschauen sind keine »Blümchenschauen«

Gießen (hin). In Hemer im Sauerland hat im Jahr 2010 eine Landesgartenschau stattgefunden – mit Erfolg, wie Arne Hermann Stopsack (Fraktionsvorsitzender der FDP in Hemer und Mitglied im Aufsichtsrat der »Landesgartenschau Hemer 2010«) betonte. Stopsack war am Samstag Gastredner beim Parteitag der Gießener FDP.

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Seine Gartenschau-Erfahrungen schilderte Arne Hermann Stopsack. (Foto: hin)
Der Referent hatte viele Tipps für die Macher der Landesgartenschau in Gießen, sowohl warnender als auch ermutigender Art. Stopsack machte illusionslos klar, dass eine Landesgartenschau stets teurer werde als prognostiziert und sie bleibe ein Zuschussgeschäft. Er betonte aber auch die Aufwertung der Stadt durch städte- und landschaftsbauliche Maßnahmen. Eine Landesgartenschau sei keine »Blümchenschau«. Wer Blumen anschauen möchte, sollte nach Keukenhof fahren, meinte der Referent. Die Ausgangslage in Hemer war anders als in Gießen. Dort wurde ein großes Militärgelände konvertiert, und zwar von Anfang an unter Einbeziehung der Bevölkerung. Stopsack beschrieb detailliert, wo und wie bürgerschaftliches Engagement eingesetzt worden sei, beispielsweise, um 10.000 Besucher ehrenamtlich auf den Parkplätzen einzuweisen, und er riet, sich die Besucher-Zielgruppen genau anzuschauen. Familien mit Kindern etwa müssten Getränke auf das Gelände mitnehmen dürfen. Hemer skizzierte die Notwendigkeit europaweiter Ausschreibungen und erinnerte an rechtliche Auseinandersetzungen. In Hemer wurden 60 Millionen Euro für die Landesgartenschau ausgegeben, davon 15 Millionen für die Durchführung. Mit einer Million Besucher kamen doppelt so viele wie erwartet, aber: »Je mehr Besucher kommen, desto teurer wird es auch,« relativierte Stopsack. Mehrkosten entstünden zum Beispiel durch höhere Reinigungskosten und vermehrtes Sicherheitspersonal. Stopsack regte an, mittels Umfrage die Stimmung in der Bevölkerung vor und nach der Schau zu eruieren. Seine Aussage »Die Motorsäge ist das Lieblingswerkzeug des Landschaftsgärtners« und seine Empfehlung, »Baumpatenschaften« übernehmen zu lassen, sorgten für Schmunzeln im Publikum. Die Tatsache, dass das Gartenschaugelände in Hemer in Form eines »Sauerlandparks« auch hinterher nur gegen Eintritt zu betreten sei, rief sofortige Reaktionen hervor. Die Wieseckaue werde natürlich nicht eingezäunt bleiben, so die Versicherung des Gießener FDP-Ortsverbandsvorsitzenden Dr. Martin Preiß und von Michael Bassemir, der als Vertreter des Landesgartenschau-Büros an der Versammlung teilnahm. Mit gemischten Gefühlen hörten die Anwesenden eine durch Medienpräsenz hervorgerufene Erkenntnis aus Hemer: »Der Bürgermeister wird stärker werden.«

»Kubicki und Lindner haben unsere Seele gestreichelt,« so Preiß zum Aufwind seiner Partei nach den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. In seinem Rechenschaftsbericht ging er auf die von 99 auf 93 gesunkene Mitgliederzahl im Ortsverband Gießen ein. Das sei schmerzhaft, aber tolerabel, meinte Preiß. Geplante Veranstaltungen hätten zum Teil nicht umgesetzt werden können.

Die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung nach dem Ende der »Jamaica«-Koalition sei anstrengender geworden, die Informationen flössen spärlicher, so Preiß. Allerdings unterliege man nun auch keinen Koalitionszwängen mehr, tröstete sich der FDP-Politiker.



Gegen »rot-grünes Reisfeld«



Durch die Landesgartenschau erhoffte sich Preiß einen Entwicklungsschub für Gießen. Er mahnte zum Sparen, kritisierte aber die Art der Sparbemühungen auf Seiten der Stadtregierung. Die Verwaltung werde aufgebläht, Einnahmen auf Kosten der Bürger generiert, so Preiß in seiner Analyse. Der Stadtregierung fehle das »liberale Korrektiv«, so die Einschätzung des FDP-Politikers. Zu den Renaturierungsarbeiten in der Wieseckaue meinte Preiß: »Wir brauchen kein rot-grünes Reisfeld!« Schatzmeister Oliver Egginger skizzierte eine durch Wahlkampfkosten entstandene Unterdeckung im Etat. Rechnungsprüfer Benno Koltermann beantragte die Entlastung des Vorstands, die bei einigen Enthaltungen erfolgte. (Foto: hin)

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Artikel vom 25.06.2012 - 08.00 Uhr
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Leserkommentare
(25.06.2012 17:13)
barthel
warum jetzt?
Gute Ratschläge, falls es auch gute Ratschläge sind, kommen jetzt zu spät.
Der gravierendste Fehler bei der Planung der Gießener Landesgartenschau,der viele andere Fehlentscheidungen nach sich zog ,war die Wahl der Wieseckaue als Hauptstandort. Dieser Meinung war im Übrigen auch die SPD-bis zur Wahl. Und was hat die FDp gemacht? Allem brav zugestimmt! Wenn sie jetzt, wo zu den bereits begangenen noch weitere Grausamkeiten hinzukommen sollen, endlich Kritik äußern, dann ist es sehr fraglich, ob das noch irgendwelche Konsequenzen haben wird.
Vielleicht ist diese zu erwartende Folgenlosigkeit ja der eigentliche Grund,
warum sie jetzt doch noch Kritik zu äußern wagen.
Den Vortrag des Gastes aus kann man eigentlich ja nur als eine ernste Warnung verstehen. Daran ändert auch nicht die abschließende Beteuerung, wie sehr der Stadt die Landesgartenschau genutzt habe.
Das sagen sie alle, und ich habe noch keinen einzigen Beleg dafür gefunden, daß eine Landesgartenschau einer Stadt wirklich langfristig genutzt hat. Der angebliche Nutzen der Landesgartenschauen ist eine Art
Dogma, an das man liebernicht glauben sollte, solange es keine belastbaren Untersuchungen dazu gibt.
(25.06.2012 12:51)
Klinkigt
FDP verwirrt?
Ja wie jetzt? Die Landesgartenschau ist kein "Blümchenschauen", aber dennoch ein "Zuschussgeschäft"?
Ich hätte von den Wirtschaftsfetischisten jetzt zum Mindesten erwartet, dass sie uns erklären wie man auss der Landesgartenschau Gewinne machen kann.
Diese Neoliberalen wissen aber auch nicht mehr, was sie wollen.
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