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Landesgartenschau: Innenstadtkorridor soll bis 2014 aufgewertet werden

Artikel vom 28.08.2010 - 10.03 Uhr

Landesgartenschau: Innenstadtkorridor soll bis 2014 aufgewertet werden

Gießen (mö). Bis zur Landesgartenschau im Jahr 2014 sollen nicht nur Teile des Kirchenplatzes, sondern auch die Marktlaubenstraße und die Schlossgasse umgestaltet werden.
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Umgestaltet werden soll bis 2014 unter anderem die Marktlaubenstraße.
© Schepp
Die Stadt werde drei ausgewählte Architektenbüros beauftragen, entsprechende Konzepte für den Bereich auszuarbeiten, kündigte am Donnerstagabend Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich bei einer Veranstaltung des Fördervereins Landesgartenschau im fast vollbesetzten Netanyasaal des Alten Schlosses an. Mit der Aufwertung der Marktlauben und der Schlossgasse soll der Innenstadt-Korridor, der die Gartenschau-Kernzone Wieseckaue mit der Lahnaue verbinden soll, attraktiver werden. In diesem Zusammenhang ist auch geplant, die Landgrafenstraße und die Gutfleischstraße durch einen Fußgängerüberweg über die vierspurige Ostanlage hinweg ebenerdig zu verbinden.

Finanziert werden muss dieses Paket aus dem Investitionshaushalt, den die Stadtverordnetenversammlung für die Großveranstaltung im Mai festgelegt hatte. Darin stehen für Maßnahmen zur Aufwertung der drei Korridore drei Millionen Euro zur Verfügung. Und dieses Budget sei einzuhalten, bekräftigte Michael Bassemir vom Büro der Landesgartenschau. Allerdings seien drei Millionen Euro im Tiefbau »keine so große Summe«. Im Beschluss des Parlaments vom Mai werden als Maßnahmen nur der Kirchenplatz, die Querung der Ostanlage und die weitere Aufwertung der innerstädtischen Wieseckufer als Korridor-Investitionen aufgezählt.

Weitergehende Begehrlichkeiten, die den Brand- und Marktplatz betreffen, und die von einigen Mitgliedern des Fördervereins formuliert wurden, wehrten die Bürgermeisterin und Oliver Buns vom Stadtplanungsamt ab. Auch deshalb, weil die Stadt Straßen und Plätze, die erst kürzlich unter Einsatz von Fördergeldern umgestaltet worden seien, nicht einfach baulich verändern dürfe. Anders sei das am Kirchenplatz, weil die Stadtsanierung des Burggrabenviertels schon länger abgeschlossen sei.

Die Idee zu einer separaten Veranstaltung zum Thema »Landesgartenschau-Korridor durch die Innenstadt« hatte sich aus der Zusammenarbeit der Gartenschau-Macher mit dem BID Marktquartier ergeben, das darum gebeten hatte, seine Zukunftsplanungen im Hinblick auf 2014 mit der Stadt abzustimmen. Zu Beginn des Abends zeigten Marco Fuhr und Jürgen Becker (Agenda-Gruppe Korridore) einen fotografischen Spaziergang durch einen möglichen Innenstadtkorridor, wobei einige städtebauliche Defizite deutlich wurden, wozu die Anwesenden offensichtlich vor allem die geschlossenen Rückfronten der Galerie Neustädter Tor zählten. Andererseits wurden auch Aufwertungspotenziale deutlich. So könnte der Landgraf-Philipp-Platz während der Landesgartenschau durch eine Erweiterung der Außengastronomie attraktiver werden. Denn bislang werde das Areal von den Gießenern »nicht als Platz angenommen«, hieß es.

Im Anschluss stellte Buns die bisherigen Überlegungen des Planungsamts vor, zu denen neben den oben beschriebenen Maßnahmen auch die Sanierung der Mauer des Botanischen Gartens zählt, der zudem einen zweiten Zugang vom Brandplatz aus erhalten soll. Neben diesen »nachhaltigen« Vorhaben seien »temporäre« für das Gartenschau-Halbjahr geplant. Diesbezüglich gebe es bereits viele Ideen aus der Bevölkerung. Fuhr, der auch Manager des Marktquartiers ist, kann sich zum Beispiel entlang des Korridors eine Ausstellung nach dem Vorbild der Dinoschau vorstellen.



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Artikel vom 28.08.2010 - 10.03 Uhr
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Leserkommentare
(31.08.2010 09:24)
Harry
Herr "Leser"
Danke für Ihre wie immer lesenswerte Beiträge. Schön dass Sie sich immer die Mühe machen und den merkwürdigen Ansatz der Gießener Verkehrs- und Bauplanung eingehender beleuchten. Ich lese dies sehr gerne. Danke!!
(30.08.2010 22:54)
Leser
Parkplätze im Überfluss
In der Innenstadt gibt es auch für Anwohner immer ausreichend Parkplätze. Die Parkhäuser sind nicht einmal tagsüber ausgelastet und Anwohner bekommen als Dauerparker z.B. in der Galerie Neustädter Tor große Rabatte eingeräumt. Aber selbst kostenlose Parkplätze sind z.B. an der Senckenbergstraße ab 19 Uhr stets vorhanden. Es gibt also für Anwohner kein Problem und wer 20 Minuten einen Parkplatz sucht, ist selber schuld, weil er 5 Minuten Fußweg sparen will.
Aber natürlich ist die obige Sicht eines Anwohners verständlich: Möglichst dicht an der Wohnung, möglichst kostenlos (oder für die geringe Anwohner-Ausweis-Gebühr) parken - wer will das nicht. Die persönliche Perspektive ist also nur all zu menschlich und darf durchaus formuliert werden.
Einzig der Schluss, dass die Innenstadt aussterben würde, wenn dieser Anwohner wegziehen würde, weil er nicht vor dem Haus parken könnte ist nicht richtig. Wäre es wirklich so, dass jeder vor dem Haus parken möchte und die Stadt dies nicht mehr kostenlos ermöglicht, würden in der Innenstadt sehr schnell die Mieten fallen und dann würden zum einen Bewohner ohne Auto einziehen oder die Mieten wären so gering, dass man problemlos noch einen Parkplatz im Parkhaus zahlen könnte. In sofern leiden nicht die Mieter, sondern die Wohnungseigentümer, die ihren Mietern keine Parkplätze bieten. Das wäre nur gerecht.
Ungerecht ist aber, dass öffentliche Flächen von der Allgemeinheit finanziert werden und von einzelnen genutzt werden. Hier profitieren einzelne und die Allgemeinheit zahlt. Früher hätte man gesagt: Das ist schlecht organisierter Sozialismus, wo sich einzelne auf kosten aller bereichern. Heute würde man meinen, das ist FDP-Politik: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren. So oder so: Ob Kommunisten oder Kapitalisten: Beide müssten dieses System bekämpfen - aber keiner tut es.
Komisch, dass sich das hochverschuldete Gießen diese freiwilligen Leistungen noch leisten kann und das die sozial Schwachen, die kein Auto haben, oder alle Bürger, die auf dem eigenen Grundstück parken, hier für die Automobilität der wenigen Straßenparker zahlen wollen. Dabei ist längst bewiesen, dass die Infrastrukturkosten für den Autoverkehr in den Kommunen keinesfalls gedeckt werden von den Einnahmen, die die Kommunen in diesem Bereich durch Steuern erzielen.
Andere Städte haben gemerkt, dass sie sich ineffiziente Verkehrsstrukturen nicht leisten können: "Jede Autofahrt verursacht Kosten, jeder Trip mit dem Rad hingegen ist ein Plus für die öffentlichen Haushalte und Gesundheitssysteme", so der britische Verkehrsexperte John Whitelegg. Kopenhagens Bürgermeister hat es erkannt und längst umgesteuert: "Das war eine einfach Kosten-Nutzen-Rechnung: Unsere Volkswirtschaft kostet es alleine 1,3 Milliarden Euro pro Jahr, weil Arbeitnehmer so viel Zeit im Stau verbringen. Ganz zu schweigen von den Kosten für die Umweltschäden, die der motorisierte Verkehr einrichtet. Ich denke, es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, so viel Geld in dieses System zu investieren", so Bo Asmus Kjeldgaard.
(28.08.2010 14:18)
Phantasia
Anwohnergedanken
"Für Bürgermeisterin Weigel-Greilich ist es auch wichtig, den ruhenden Verkehr aus dem Innenstadt-Korridor möglichst rauszuhalten. Dazu gehört ihrer Auffassung nach auch eine parkplatzfreie Schlossgasse."
Hat die Bürgermeisterin auch einen Plan, wo wir Anwohner dann unsere Fahrzeuge abstellen? Auf dem Brand- und dem Lindenplatz dürfen wir mit unserem Bewohnerparkausweis nicht parken. Die wenigen Parkplätze in Schloßgasse, Kanzleiberg, Schulstraße und Marktlauben reichen schon jetzt nicht aus. Ganz eng wird es, wenn von Dienstag- auf Mittwochnacht und Freitag- auf Samstagnacht wegen des Marktes die Marktlauben wegfallen. Dann gurkt man schon mal 20 Minuten durch die Gegend. Zudem es ja auch keine direkte Zufahrt von Schloßgasse und Kanzleiberg hinüber zu den Marktlauben gibt. Wenn man sich abends für den "falschen" Einstieg in die Stadt entschieden hat und keinen Parkplatz findet, dann darf man einmal über den Innenstadtring fahren, um es auf der anderen Seite erneut zu versuchen. Dabei kann man sich jetzt noch aussuchen, welche Strecke schlimmer ist. Einmal über Berliner Platz und rechts herum ist eine Garantie spätestens am E-Klo im Stau zu stehen. Linksherum über Ostanlage und Nordanlage geht ja jetzt schon etwas besser. Dafür muß man auch dort bis zur Dammstraße fahren, da es keine Zufahrt in die Walltorstraße gibt. Von den Kilometern her ist es egal. Und dann kommt noch der Umweltaspekt....... Umweltplakette und Feinstaub muß sein......aber dann die Leute zwangsweise kilometerweit durch die Stadt zu zwingen. Sehr gut durchdacht....
Aber vielleicht sind wir Anwohner ja auch gar nicht erwünscht, nur mal so ein Gedanke. Vielleicht möchte man eine tagsüber makellos aussehende lärmende Stadt, welche nachts im Dornröschenschlaf versinkt. Wenn dem so sei, dann sollten die Politiker dies einfach kund tun. Mit der Zeit zieht bestimmt niemand mehr unerwünschter Weise in eine Innenstadtwohnung. Damit wären alle Probleme gelöst.
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