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Kriminologen sprechen über Korruption und Gewalt

Artikel vom 17.09.2009 - 22.50 Uhr

Kriminologen sprechen über Korruption und Gewalt

Gießen (si). Unter Beteiligung von 300 Wissenschaftlern und Praktikern aus verschiedenen Rechts- und Justizbereichen ist gestern Nachmittag in der Uni-Aula die diesjährige (11.) wissenschaftliche Fachtagung der Kriminologischen Gesellschaft eröffnet worden.
Prof. Britta Bannenberg ist Präsidentin der Kriminologischen Gesellschaft.
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Prof. Britta Bannenberg ist Präsidentin der Kriminologischen Gesellschaft.
Wirtschaftskriminalität - insbesondere die Korruption - und das Thema Gewalt werden dort noch bis morgen unter verschiedenen Aspekten in Fachvorträgen und Foren erörtert. Der Vereinigung gehören deutsche, österreichische und schweizer Kriminologen an, die Tagung richtet sie gemeinsam mit der Kriminologischen Zentralstelle aus, einer Forschungs- und Dokumentationseinrichtung des Bundes und der Länder mit Sitz in Wiesbaden.

»Korruption ist Wirtschaftskriminalität in großem Stil«, sagte die Präsidentin der Kriminologischen Gesellschaft, die Gießener Professorin Britta Bannenberg, zum Auftakt der Tagung. Bei diesen Delikten gebe es ein hohes Dunkelfeld. Untersuchungen zufolge würden nur etwa fünf Prozent der Fälle aufgedeckt. Laut polizeilicher Kriminalstatistik seien 1,4 Prozent aller Tatverdächtigen dem Bereich Wirtschaftskriminalität zuzuordnen. Allerdings richteten sie über 50 Prozent aller registrierten Schäden an. Das sei der breiten Öffentlichkeit überhaupt nicht bewusst, sagte Bannenberg, die an der Justus-Liebig-Universität Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug lehrt.

Gestern ging es zunächst um aktuelle Entwicklungen in der Rechtsprechung sowie um den Aspekt Wirtschaftskriminalität und Unternehmenskultur. Grußworte zur Eröffnung sprachen der parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Alfred Hartenbach, der stellvertretende Direktor der Kriminologischen Zentralstelle, Axel Dessecker, und JLU-Vizepräsident Joybrato Mukherjee. Am Abend wurden die Professoren Lawrence Sherman (Cambridge) und Heinz Schöch (München) für hervorragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Kriminologie mit der Beccaria-Medaille in Gold ausgezeichnet (benannt nach dem im 17. Jahrhundert lebenden italienischen Rechtsphilosophen und Strafrechtsreformer Cesare Beccaria).

Neben Korruption und Wirtschaftskriminalität geht es heute auch um Gewalt und Gewaltprävention bei jungen Menschen sowie um Betrug im Gesundheitswesen. Zudem kommen die Sicherungsverwahrung - als »fragwürdige« Behandlung von Gewalttätern - und schließlich rechtsextreme Gewalt zur Sprache. Morgen geht es in einem der Vorträge um die Ursachen und Bewältigung der Finanzmarktkrise aus strafrechtlicher Sicht (Bericht folgt). (Foto: Schepp)

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