Konzertflügel »zu lang« - Rathausraum wird umgebaut
Gießen (kw). Ein Preis von rund 50 000 Euro war für den Flügel im Konzertsaal des neuen Rathauses vorgesehen und ein eigener Abstellraum hinter der Bühne. Beides hat nicht ausgereicht.
Das Instrument hat letztlich 66 000 Euro gekostet und ist zu lang für den Raum. Folge: Umbauarbeiten werden nötig. Die Kosten dafür werden sich laut Kulturdezernent Harald Scherer zwar in Grenzen halten. Dennoch wurde am Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss viel Kritik laut an der unzureichenden Planung und den Zusatzausgaben.
Gekauft habe die Stadt einen Steinway D, erläuterte Scherer gestern auf AZ-Anfrage - »den Mercedes unter den Konzertflügeln«, der »von jedem Pianisten akzeptiert« werde. Die »Garage« allerdings ist etwas zu knapp bemessen, wie der FDP-Politiker erläuterte: »Er passt gerade so hinein, aber man bekommt die Tür nicht mehr ganz zu.« Zur Zeit stehe das Instrument deshalb abgedeckt auf der Bühne.
Nun solle eine Wand entfernt werden, so dass hinter der Bühne ein langer schmaler Raum entsteht. »Meines Wissens ist das eine Leichtbauwand«, deshalb werde das wohl nicht so teuer, so der Stadtrat. Sinnvoll sei diese Maßnahme ohnehin, weil Künstler den größeren Raum nutzen könnten, um sich kurz von der Bühne zurückzuziehen. Bisher bleibe ihnen dafür entweder der Flur oder die Garderobe im Untergeschoss. Laut Scherer ist der Steinway D 2,74 Meter lang. Dem Internet-Lexikon Wikipedia zufolge misst ein Konzertflügel zwischen 2,40 und 3,06 Meter. »Die ›klassische‹ Konzertflügellänge ist etwa 2,75 Meter«, heißt es dort.
»Wir haben einen schönen Konzertsaal - dazu gehört meines Erachtens der passende Flügel«, verteidigt Scherer die Anschaffung. Der Preis sei günstig gewesen, das 20 Jahre alte Instrument stamme aus Privatbesitz aus erster Hand. Für einen neuen Steinway hätte die Stadt das Doppelte bezahlt.
Ob der Kauf wirklich nötig war, zweifelten Stadtverordnete aus der Opposition bei der Ausschusssitzung am Montag an. Namentlich die Fraktionsvorsitzenden Gerhard Merz (SPD) und Michael Janitzki (Linke) rügten die überplanmäßige Ausgabe, die der Magistrat beantragt hatte. Auch an dieser Stelle spare die Stadtregierung nicht, obwohl sie das beschlossen hat; stattdessen überziehe sie die Ausgaben weiter, so Janitzki. Merz meinte, zu wenig seien Alternativen geprüft worden. Auf lange Sicht könne es vielleicht günstiger sein, für jedes Konzert einen Flügel anzumieten oder die anderen bei der Stadt vorhandenen Instrumente in den Saal bringen zu lassen.
Scherer blieb dabei: Der Kauf des Steinway sei die »sinnvollste und wirtschaftlichste Lösung« gewesen. Im Gespräch mit der Allgemeinen ergänzte er, die Flügel in der Kongresshalle und im Netanyasaal seien »nicht mehr die besten«, das Stadttheater brauche seinen selbst. Transporte seien aufwendig und könnten den Instrumenten schaden. Eine Anmietung sei schließlich auch nicht ganz billig: »Die kostet letztlich rund 1000 Euro pro Einsatz.« Rund 20-mal im Jahr werde der Flügel auf jeden Fall gebraucht, so der Kulturdezernent.
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