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Knast für 19-jährigen Handtaschenräuber

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Artikel vom 24.07.2014 - 08.28 Uhr

Knast für 19-jährigen Handtaschenräuber

Gießen (sha). »Ich habe so etwas in meinem Leben noch nie gemacht«, beteuerte der Angeklagte am Mittwoch vor einem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts. Wortreich entschuldigte sich der 19-jährige Algerier auch bei der Frau, der er am 3. Mai auf einer Verbindungstreppe zum »Elefantenklo« die Handtasche entrissen hatte.

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»Ich weiß nicht, warum ich das getan habe.«

Auf Nachfrage von Vorsitzender Richterin Beate Mengel traten dann doch einige Beweggründe zutage. Ja, er konsumiere Haschisch und andere Drogen, gab der Mann zu. Deshalb »klaue ich alles, was möglich ist, um es in Gießen und Frankfurt zu verkaufen«, bestätigte er eine Aussage, die er bereits bei seiner polizeilichen Vernehmung gemacht hatte. Dennoch beharrte er darauf, am 3. Mai »sehr betrunken« gewesen zu sein. Die Tat sei eine »spontane Idee« gewesen.

Die 25-jährige Rettungsassistentin, deren Tasche er geraubt hatte, beschrieb hingegen ein sehr »zielgerichtetes« Verhalten, wie Staatsanwalt Mike Hahn bemerkte. Der Angeklagte habe im Vorübergehen nach der Handtasche gegriffen, sagte die Zeugin. Als sie fester zupackte, habe er so massiv gezerrt, dass der Haltegriff abriss und sie selbst auf die Treppe stürzte, berichtete die Frau. Dabei zog sich die Rettungsassistentin mehrere Prellungen zu. Sie habe ihn zwar verfolgen wollen, aber der Angeklagte sei »sehr schnell und schnurstracks« davongerannt. Getorkelt oder gar hingefallen, sei der Mann jedenfalls nicht.

Staatsanwalt Hahn betonte das »aggressive« Vorgehen des Angeklagten sowie dessen Vorstrafen: Der 19-Jährige wurde bereits zweimal wegen Diebstahls verurteilt, seit er vor einem Jahr als Asylbewerber nach Deutschland kam. Hahn forderte ein Jahr Gefängnis, da bei einer Bewährungsstrafe weitere Delikte zu erwarten seien. Verteidiger Oliver Persch verlangte wegen der über zweimonatigen Untersuchungshaft eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten.

Richterin Mengel unterstrich zwar, dass die »fehlende Beschäftigung« von Asylbewerbern, die aufgrund ihres Duldungsstatus in Deutschland nicht arbeiten können, ein Problem sei. Dennoch folgte sie dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft und verhängte eine sechsmonatige Gefängnisstrafe wegen Raubes und Körperverletzung, da auch sie die Gefahr weiterer Straftaten durch den Angeklagten befürchtete.

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Artikel vom 24.07.2014 - 08.28 Uhr
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