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Klinikum-Geschäftsführung will 236 Stellen streichen

Artikel vom 15.06.2012 - 07.00 Uhr

Klinikum-Geschäftsführung will 236 Stellen streichen

Gießen (si). Am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) sollen 236 Stellen gestrichen werden. Diese Zahl nannte am Donnerstag das Geschäftsleitungsmitglied Dr. Gunther Weiß bei einer Betriebsversammlung in Gießen.

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Weil Weiß gleichzeitig Bereichsleiter des Rhön-Konzerns ist, zu dem das Klinikum (noch) gehört, kommt seiner Äußerung besonderes Gewicht zu. Es ist die erste konkrete Aussage eines hochrangigen UKGK- bzw. Rhön-Mitarbeiters überhaupt zum Umfang des geplanten Stellenabbaus, über den seit Monaten diskutiert wird.

Wegfallen sollen laut Weiß 15 Stellen im technischen Dienst, 32 in der Verwaltung sowie 50 in der Pflege. Aus welchem Bereich die übrigen 139 Stellen kommen sollen, ließ er offen. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht vorgesehen, sagte der Manager, der Anfang des Jahres seine Arbeit im Klinikum aufgenommen hat. Das heißt: Frei werdende Stellen sollen nicht wiederbesetzt werden. Das betrifft nicht nur solche, bei denen der Inhaber altersbedingt ausscheidet. Sondern es sind auch Zeitverträge betroffen – wenngleich das Klinikum in jedem Fall prüfen will, ob sie verlängert werden. Würden tatsächlich 236 Stellen gestrichen, wären das weniger als halb so viele wie die 500 Stellen, von denen der Betriebsrat bisher ausgegangen ist. Allerdings ließ Weiß am Donnerstag offen, in welchem Zeitraum die Stellen wegfallen sollen. Bei der Geschäftsführung ließ sich das auch auf Nachfrage nicht klären.

Dr. Christiane Hinck-Kneip, neue kaufmänische Geschäftsführerin am Standort Gießen, nannte dann weitere Eckzahlen des Klinikums, zu denen der Rhön-Konzern bzw. die UKGM-Geschäftsführung bislang keine Auskunft geben wollten. Demnach ist die Zahl der stationären Patienten in den ersten Monaten 2012 im Vergleich zum Vorjahr am Standort Gießen um 8,4 Prozent gestiegen. Allerdings würden diese »Mehrleistungen« nicht voll vergütet, sondern nur zu 70 Prozent. Unterm Strich seien die Erlöse um 5 Prozent gestiegen, die Sachkosten jedoch um 15,2 Prozent, hieß es – für die Klinik also ein schlechtes Geschäft, zumal laut Hinck-Kneip auch eine Personalkostensteigerung von 4,8 Prozent verkraftet werden muss.

Für das laufende Jahr rechnet Weiß im operativen Geschäft inzwischen mit einem Verlust von 1,5 Millionen Euro. Skeptisch zu den Aussichten hatte sich schon der Geschäftsführungsvorsitzende Martin Menger bei der Betriebsversammlung vor vier Wochen geäußert. Weil Rhön diese Zahlen nicht näher erläutert, lassen sie sich kaum nachvollziehen. Während der operative Gewinn des UKGM laut offiziellem Rhön-Geschäftsbericht im Vorjahr bei 15,2 Millionen Euro lag, schrumpfte er bei Weiß jetzt für den gleichen Zeitraum um über 80 Prozent auf nur noch 2 Millionen Euro. Die mögliche Erklärung: Hohe Gewinn werde gerne herausgekehrt, wenn ein Konzern – etwa vor Investoren – gut dastehen will. Kleine Gewinne sind nützlich, wenn man den Beschäftigten erklären will, dass sie sich auf magere Zeiten einstellen müssen.

Mit Blick auf die geplante Rhön-Übernahme durch Fresenius forderte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur vom designierten neuen Arbeitgeber eine ausreichende Personalausstattung sowie den Verzicht auf Outsourcing und betriebsbedingte Kündigungen. Notwendig seien Bedingungen, unter denen »Beschäftigte ohne Angst vor Überlastung, die zu Fehlern führen kann, arbeiten können«, sagte Hanschur.

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Artikel vom 15.06.2012 - 07.00 Uhr
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Leserkommentare
(16.06.2012 10:08)
Lux
Stellenstreichung
Es ist einfach perfide, wenn Aktienkurse dann steigen wenn Mitarbeiter entlassen werden. Die Aktionäre müssen sich wirklich fragen, was sie für Menschen sind. Wieder einmal bleiben Gewinne, die auf dem Rücken unterbezahlter Mitarbeiter erzielt wurden, privat, während die Kosten sozialisiert werden. Dass solches gerade im Gesundheitswesen passiert, zeigt die ganze Verkommenheit eines Systems, das Gewinne auf Kosten von Kranken machen will.
(15.06.2012 20:45)
hersfeld-rotenburger
DIES WAR LEIDER ABZUSEHEN
Linke und Gewerkschaftliche, alle Sozialverbände haben damals vor den Fol-
gen des UGM ausdrücklich gewarnt. Die massiven Folgen treten nun brutal
auf die Beschäftigte und Patienten ein.
Ja das ist ein Teil der Folgen einer Privatisierung.Menschliche Belange und
Aspekte werden nieder getrampelt, der Profit und der Kurs der Aktie des
Rhön Klinikikums im MDAX ist schon aussergewöhnlich gestiegen, und wird
nach dieses geschaffen Tatsachen nochmals steigen. Traurig für Giessen
und Marburg.
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