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Kinderpornografie gezielt gesucht

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Artikel vom 16.08.2014 - 11.00 Uhr

Kinderpornografie gezielt gesucht

Gießen (srs). Der Prozess gegen den 62-jährigen Grünen-Politiker, der sich seit knapp fünf Monaten vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts wegen sexuellen Missbrauchs von vier Nachbarskindern verantworten muss, dümpelt etwas vor sich hin.

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© Red
Am Freitag stand der zusätzliche Vorwurf des Besitzes von kinderpornografischen Bildern im Mittelpunkt. Entsprechende Fotos, die auf Computern des Angeklagten gefunden worden waren, seien vom Nutzer der Rechner gezielt »gesucht, gefunden und gespeichert worden«, erklärte ein Gutachter. »Zweifellos.«

Dass die kinderpornografischen Bilder zufällig oder nebenbei auf dem Computer gelandet sein könnten, schloss der Experte aus, der die Rechner des früheren Mitarbeiters des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs untersucht hatte. In einem sichergestellten Laptop des 62-Jährigen fehlte allerdings eine Festplatte. Dies merkte der Gutachter am Freitag erst auf Nachfrage des Gerichts an. Auch der Besuch von einschlägigen Internetseiten, auf denen sexuelle Handlungen mit Kindern abgebildet sind und auf die man erst »durch tiefere Suche« stoße, sei auf den Rechnern des Angeklagten nachweisbar – sowie die Übertragung eines Fotos auf einen PC.

Zu diesem Bild, auf dem eine Hand und ein Dildo an einer Scheide zu sehen sind, legte der Rechtsmediziner Prof. Reinhard Dettmeyer ein Gutachten vor. Über das Alter des abgebildeten Mädchens oder der Frau sei keine zuverlässige Aussage möglich, sagte er. Es spreche »etwas mehr« dafür, dass es unter 14 Jahre alt war.

Zu Beginn des Verhandlungstags saß die Ehefrau des Angeklagten im Zeugenstand. Sie sollte ein weiteres Mal befragt werden. Allerdings machte sie von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.

Darüber hinaus wurde ein vor drei Wochen versandtes Antwortschreiben der Parlamentarischen Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Britta Haßelmann, an den Angeklagten verlesen. Daraus geht hervor, dass sich der Angeklagte aus der Untersuchungshaft in einem Brief mit der Bitte an sie gewandt hatte, eine Nachricht an Koenigs weiterzuleiten, offenbar um der Kontrolle der Korrespondenz durch die Justizbehörden zu entgehen. Haßelmann kam dieser Bitte nicht nach. Vor Gericht erklärte der 62-Jährige nun, er habe nicht gewusst, dass er Koenigs auch persönlich hätte schreiben dürfen, daher habe er seinen Brief an die Fraktion gerichtet. Der Inhalt der Nachricht wurde während der Verhandlung nicht bekannt.

Der Gießener muss sich für 130 mutmaßliche Taten zwischen Sommer 2008 und Sommer 2013 verantworten, darunter 110 Missbrauchsfälle. Die mutmaßlichen Opfer waren laut Anklage zu Beginn der Vorfälle noch im Grundschulalter und lebten in der Nachbarschaft des Mannes. Zudem soll er Kinderpornos besessen und mit Minderjährigen Marihuana geraucht und es ihnen überlassen haben. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Nach seiner Aussage haben sich die Kinder alles nur ausgedacht.

Am 12. September wird der Prozess fortgesetzt.

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Artikel vom 16.08.2014 - 11.00 Uhr
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