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Kinderpornografie: 34-Jähriger zeigt wenig Einsicht

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Artikel vom 08.03.2013 - 10.29 Uhr

Kinderpornografie: 34-Jähriger zeigt wenig Einsicht

Gießen (juw). Von »massiven pädophilen Neigungen« war die Rede vor dem Gießener Amtsgericht sowie von einer »üblen Menge an kinderpornografischem Bildmaterial«. Angeklagt war ein Student der Wirtschaftswissenschaften.

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Bei einer Durchsuchung seiner Gießener Wohnung waren über 1500 Bilddateien und 35 Videos sichergestellt worden. Außerdem wurde ihm ein SMS-Wechsel mit einem gesondert Angeklagten zur Last gelegt. Von fiktiven sexuellen Handlungen mit Minderjährigen war in den Kurznachrichten die Rede. Der 34-Jährige gestand alle Anklagepunkte und fügte hinzu: »Ich war immer ein anständiger Mensch und bin es noch immer.«

Warum er eine derart große Menge an kinderpornografischen Dateien besessen habe, wollte Richter Wieland Stötzel wissen. »Ich kann es Ihnen nicht sagen, Herr Richter. Wahrscheinlich war es die Neugierde«, lautete die Antwort. Es habe ihn gereizt zu sehen, womit sich andere Menschen außerhalb des Gesetzes beschäftigen: »Ich hätte mich auch mit Leuten befassen können, die Fahrräder klauen oder Wände beschmutzen.« Alle Dateien, die er auf mehreren Festplatten gespeichert hatte, seien öffentlich zugänglich gewesen, weder habe er ein Passwort benötigt noch sei er beim Herunterladen auf einen Warnhinweis des BKA gestoßen.

Erst seit der Hausdurchsuchung sei ihm bewusst, dass er straffällig geworden sei, versicherte der Angeklagte. Selbst habe er jedoch »klare Grenzen«; Sextourismus verurteile er als »die abartigste Art und Weise, wie man sich an Kindern vergehen kann. Mir ist bewusst, dass Kindern dabei sehr viel Schaden zugefügt wird.«

Dies alles erkläre aber noch nicht die von ihm verfassten SMS-Nachrichten, in denen eindeutige sexuelle Fantasien mit Minderjährigen geschildert würden, hielt der Richter dem Studenten vor. Erklären konnte dieser den Vorwurf nicht: »Jeder muss sich selbstkritisch hinterfragen, ob er vielleicht eine gewisse Neigung hat.«

Von echter Reue könne bei dem Angeklagten keine Rede sein, kommentierte Staatsanwalt Christian Meisinger dessen Aussageverhalten. Vielmehr habe der Mann versucht, den Besitz und vor allem die Herstellung von kinderpornografischem Material herunterzuspielen, was in keinem Verhältnis zu dem Leid der missbrauchten Kindern stehe. Verteidiger Martin Barduhn bestätigte, es bedürfe weiterer Anstöße, damit sich sein Mandant seiner Veranlagung wirklich bewusst werde.

Allein die Nachfrage sorge für die anhaltende Produktion von Kinderpornografie, betonte Stötzel in der Urteilsverkündung, was für die wehrlosen Kinder besonders tragisch sei. Er verurteilte den Mann zu einer einjährigen Bewährungsstrafe. Außerdem muss dieser sich in eine ambulante Therapie begeben, 600 Euro an den Kinderschutzbund zahlen sowie die Kosten der Datenauswertung von mehreren Tausend Euro tragen.

Die Geldbuße belastete ihn zwar finanziell stark, meinte der Verurteilte, »aber die Schädigung eines Kindes ist auch eine lebenslange Last«.

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Artikel vom 08.03.2013 - 10.29 Uhr
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