Gießen (mö). Es soll wärmer werden. Auch im Reinigungs- und Fuhramt wird man die aktuellen Wetterberichte mit einiger Erleichterung zur Kenntnis genommen haben, denn die Streusalzvorräte sind so gut wie aufgebraucht.
Das Streusalzlager der städtischen Reinigungs- und Fuhramts in der Schlachthofstraße ist gähnend leer. Von 700 Tonnen sind nur noch 25 Tonnen vorrätig. (Foto: Schepp)
Von den 700 Tonnen zu Winterbeginn seien nur noch 25 Tonnen vorhanden, berichtete Stadtrat Thomas Rausch am Dienstag auf Anfrage. Dies reiche nur für einige wenige Einsätze. Dabei hätten die Buslinien und die Steigungsstrecken Vorrang. 600 Tonnen, die die Stadt nachbestellt hätten, seien nicht geliefert werden, weil die Autobahnmeistereien bevorzugt versorgt würden. Dafür hat Rausch volles Verständnis: »Sonst bricht ja das ganze Wirtschaftsleben zusammen.«
»Unsere Winterdienst-Mitarbeiter arbeiten seit Wochen rund um die Uhr für freie Straßen, funktionierende Busverbindungen und sind an ihrer Belastungsgrenze angelangt«, erklärte Rausch. Allein im Januar seien sie an 26 Tagen ausgerückt, auch am jedem Wochenende. Zum Teil seien mehrere Einsätze am Tag notwendig gewesen. Auch die angekündigten Schneefälle, das sich anschließende leichte Tauwetter am Tage und die Minustemperaturen nachts, hätten den Mitarbeitern alles abverlangt.
Falls der Streusalzvorrat in den nächsten Tagen komplett aufgebraucht sein sollte, könne alleine nur noch mit Splitt gestreut werden. Die Bürgerschaft müsse sich also noch mehr als bisher auf den Winter und seine Folgen einstellen. Dies bedeute auch, dass die Grundstückseigentümer weiterhin für geräumte Gehwege verantwortlich sind. Für Rausch ist es daher aber auch befremdlich, wenn immer noch Autofahrer mit Sommerreifen unterwegs sind und das Schuhwerk winteruntauglich ist, so dass Unfälle programmiert seien.
Wie Rausch weiter erläuterte, sei es nicht so einfach, sich im kommenden Winter durch Anhäufung eines größeren Streusalzvorrats zu wappnen. Das Streusalz brauche eine besondere Lagerstatt und können nicht überall vorrätig gehalten werden. »Kommt Feuchtigkeit dran, backt es zusammen und kann nicht mehr gestreut werden«, sagte Rausch. Nicht nur für die Kommunen, sondern auch für die Privathaushalte ist es momentan nahezu unmöglich, an Streusalz zu gelangen. Ein kurzer Telefon-Rundruf bei den großen Baumärkten der Stadt ergab am Dienstag unisono: alles längst weg.
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