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Kaufhof: Dauerhafter Leerstand droht

Artikel vom 15.06.2011 - 06.53 Uhr

Kaufhof: Dauerhafter Leerstand droht

Gießen (pd). Auch nach dem Pfingstwochenende ist die für Ende Juni 2012 angekündigte Schließung der Kaufhof-Filiale das Thema Nummer eins in Gießen. Experten rätseln nun, wie das Gebäude später einmal genutzt werden kann.
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Nur noch ein Jahr geöffnet: Die Galeria-Kaufhof-Filiale im Katharinenviertel. Experten beurteilen die Chancen, die Immobilie komplett weiterzuvermieten, skeptisch. (Foto: Schepp)
Gießen (pd). Auch nach dem Pfingstwochenende ist die für Ende Juni 2012 angekündigte Schließung der Kaufhof-Filiale das Thema Nummer eins in Gießen. Der Konzernvorstand in Köln hatte die Entscheidung am Samstag mit der fehlenden Perspektive begründet, »diese Filiale wirtschaftlich zu betreiben«. Um das weitere Vorgehen abzustimmen, wird es in dieser Woche ein Treffen der vier hauptamtlichen Magistratsmitglieder mit der Gießener Kaufhof-Geschäftsleitung und dem Betriebsrat geben.

Geschäftsführerin Pamela Schlehuber und Arbeitnehmervertreter Uwe Hoepfel hatten am Wochenende bekräftigt, oberste Priorität habe nun der Erhalt von möglichst vielen der 67 Arbeitsplätze. Auch Lovro Mandac als Vorsitzender der Geschäftsführer der Galeria Kaufhof GmbH hatte angekündigt, gemeinsam an »sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter« zu arbeiten. Der Geschäftsführungsvorsitzende führt als Gründe für die Schließung auch die Marktbedingungen und das Umfeld an, »die sich an diesem Standort in den vergangenen Jahren deutlich verändert haben«. Vor sechs Jahren hatte der Vorsitzende diese Veränderungen noch optimistisch eingeschätzt. Damals hatte Mandac bei einer Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Galerie Neustädter Tor angekündigt, dass sich die »Trampelpfade in dieser Stadt verändern werden« und dass Kaufhof die neue Herausforderung annehme. Warum der Kaufhof-Filiale die Perspektive fehlt, die Gießener Filiale profitabel zu betreiben, ließ Mandac in seiner Mitteilung offen. Deutlicher war Betriebsratsvorsitzender Uwe Hoepfel geworden. Der hatte den schwarzen Peter zu einem großen Teil der Stadt und ihrem »Baustellenmanagement« zugeschoben. Die Arbeiten rund um das Warenhaus hätten für Umsatzeinbußen von 15 bis 20 Prozent gesorgt, so Hoepfel.

Diesen Schuh möchte sich der Magistrat und namentlich Stadtrat Thomas Rausch (CDU) nicht anziehen. »Wir haben immer Rücksicht auf Belange des Handels genommen«, widersprach er dem Arbeitnehmervertreter und erinnerte daran, dass man manche Arbeiten während des Weihnachtsgeschäfts sogar komplett habe ruhen lassen. Andererseits könne man Maßnahmen der Stadtentwicklung nicht ausschließlich danach ausrichten, ob ein Unternehmen »unter Beobachtung« stehe. Schließlich handele es sich um ein Sanierungsgebiet, für das die Stadt auch Fördergelder erhalten habe. Rausch bedauerte, dass es Kaufhof »nicht geschafft hat, sich neben Karstadt zu behaupten und eigene Käuferschichten an sich zu binden«. Dem Metro-Konzern, zu dem Kaufhof gehört, hätte es nach Ansicht des Stadtrats zudem gut zu Gesicht gestanden, die »Bewährungszeit« für das Warenhaus um zwei Jahre zu verlängern und zu überprüfen, wie sich die Gießener Filiale unter normalen Wettbewerbsbedingungen entwickelt.

Verlängert BID Katharinenviertel?

Sie habe in den vergangenen Jahren - auch als Vorsitzende des BID Katharinenviertel - regelmäßig verdeutlicht, wie schwierig die Situation für Geschäftsleute in Katharinen-, Löwen- und Kaplansgasse ist, sagte Kaufhof-Geschäftsführerin Schlehuber. Dies sei auch immer wieder Thema in Gesprächen mit Stadtrat Rausch und Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz gewesen. Dass das Gießener Warenhaus unter einem gewissen »Erfolgsdruck« steht, sei der Politik bekannt gewesen, nicht jedoch die exakten zeitlichen Details. »Es ist nicht üblich, Daten von Mietverträgen nach außen zu tragen«, sagte sie zur Verlängerung der Bewährungszeit um drei Jahre. 2009 hatte der Fortbestand des Gießener Hauses schon einmal auf der Kippe gestanden. Damals hatte die Konzernspitze allerdings grünes Lich für den Fortbestand der Filiale gegeben. Welche Folgen die Kaufhof-Schließung für das BID Katharinenviertel haben wird, werde man gemeinsam im Vorstand besprechen, so Schlehuber. Der Vorstand werde demnächst gemeinsam entscheiden, ob das BID seine Laufzeit um weitere fünf Jahre verlängert.

Wie es nach dem 30. Juni 2012 mit der Immobilie weitergeht, die der »Metro Group« gehört, ist noch nicht klar. So kurz nach der Schließungsentscheidung gebe es noch keine Pläne, hieß es auf Anfrage aus Düsseldorf.

Experten sehen für die Immobilie mit ihrer Verkaufsfläche von gut 11 000 Quadratmetern eine große Leerstandsgefahr. Es sei sehr schwierig, eine solche Einheit zu vermieten, sagte Claus R. Menges. Der Makler, der das City-Center seit über 20 Jahren verwaltet, räumte ein, dass Kaufhof »nie das große Zugpferd war«, andererseits habe das Warenhaus eine feste Klientel gehabt. Wenn diese Kunden fehlten, werde dies auch dem City-Center schaden.



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Artikel vom 15.06.2011 - 06.53 Uhr
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