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Karstadt: Erleichterung bei Belegschaft

Artikel vom 09.06.2010 - 09.00 Uhr

Karstadt: Erleichterung bei Belegschaft

Gießen (pd). Manchen Mitarbeitern fiel bereits am Montagabend kurz vor Feierabend ein Stein vom Herzen. Als wenige Minuten vor der abendlichen Schließung des Karstadt-Hauses im Seltersweg feststand, dass Investor Nicolas Berggruen den Zuschlag für die insolvente Warenhauskette erhalten hatte, informierte Geschäftsführer Lothar Schmidt umgehend die Beschäftigten.
»Beim Personal hat diese Nachricht für eine Riesenerleichterung gesorgt.«

Der Geschäftsführer warnte am Dienstag im Gespräch mit der Allgemeinen zwar vor allzu großer Euphorie, zeigte aber auch viel Verständnis für die Reaktion der rund 500 Mitarbeiter. »Wer so ein Jahr hinter sich bringt und trotzdem stets in bewährter Qualität für die Kunden da ist, verdient höchsten Respekt«, sagte Schmidt. Vor fast genau zwölf Monaten hatten Mitarbeiter und Geschäftsleitung der Gießener Filiale 20 000 Unterschriften für den Erhalt des Hauses gesammelt. Auch er selbst sei mit der Entscheidung des Gläubigerausschusses »sehr zufrieden«. Schmidt warnte aber davor, in Jubel auszubrechen, »bevor die Tinte unter dem Kaufvertrag getrocknet ist«.

Dass Berggruen angekündigt hat, auf weitere Einschnitte bei den Beschäftigten zu verzichten, hob auch Betriebsratsvorsitzender Ernst-Günther Haas als positiv hervor. Der Arbeitnehmervertreter erinnerte daran, dass die Belegschaft seit 2004 immer wieder Zugeständnisse gemacht habe, um zur Rettung des Unternehmens beizutragen. »Durch den Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld fehlen den Mitarbeitern acht bis zehn Prozent ihres Jahresgehalts«, verdeutlichte Haas, der davon ausgeht, dass Berggruen in Zukunft das Karstadt-Sortiment modernisieren wird. Mit Prognosen hielt er sich allerdings zurück. »Wir kennen bisher nur die Überschriften, nicht die Inhalte.« Haas machte indes keinen Hehl daraus, dass die Mitarbeiter des Gießener Hauses bereits im Vorfeld der Entscheidung einen Zuschlag des Gläubigerausschusses für den Privatinvestor favorisiert hatten.

Auch Schmidt erhofft sich durch die Entscheidung einen Schub für Karstadt. Die Gießener Filiale habe auch in der Insolvenzphase stabile Ergebnisse erwirtschaftet, blickte Schmidt insgesamt zufrieden auf die vergangenen Monate zurück. Ausdrücklich bedankte er sich bei den Kunden, »die uns auch in diesem schwierigen Prozess die Treue gehalten haben«. Viele Passanten äußerten sich am Dienstag positiv zu er sich abzeichnenden Lösung. Schmidt ging auch auf die in der Vergangenheit immer wieder ins Spiel gebrachte Verschmelzung von Karstadt und Kaufhof ein. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Handel seien »kein spezifisches Warenhausproblem«. Der Geschäftsführer führt die Umsatzrückgänge vielmehr auf einen »unkontrollierten Flächenzuwachs« in den Städten sowie auf der grünen Wiese zurück.

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