JLU-Forscher: Züchtung ändert Pflanzen mehr als Gentechnik
Gießen (pm). Trotz mehrfacher Feldzerstörungen hätten sich die Freilandversuche der Justus-Liebig-Universität mit genetisch veränderter Gerste gelohnt: Zu diesem Schluss kommt Prof. Karl-Heinz Kogel vom JLU-Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie.
Die Ergebnisse der von ihm geleiteten Versuche wurden jetzt in der renommierten US-amerikanischen Fachzeitschrift »PNAS« (Proceedings of the National Academy of Sciences) veröffentlicht. Wichtigstes Fazit der Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: Klassische Züchtung verändere Pflanzen sehr viel stärker, als es der biotechnologische Zusatz einzelner Gene vermag.
Ziel des Projekts war die Erforschung der biologischen Sicherheit gentechnisch veränderter Nutzpflanzen. Die Gießener Forscher wollten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Erlangen-Nürnberg (Arbeitsgruppe Prof. Uwe Sonnewald) und der Washington State University herausfinden, ob nützliche Bodenorganismen durch die genetisch veränderte Gerste beeinträchtigt werden und ob die genetische Veränderung auf die Pflanze selbst einen starken Einfluss hat.
In der mehrjährigen Versuchsreihe haben die Wissenschaftler an unterschiedlichen Orten genetisch veränderte Gerste ausgesät, die zusätzlich entweder ein Chitinase-Gen oder ein ß-Glucanase-Gen enthielt. Mit diesen zusätzlichen Genen ist die Gerste in der Lage, ein die Pilzzellwand auflösendes Enzym zu produzieren. Damit kann ein Schadpilzbefall stark reduziert oder ganz verhindert und der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln verringert werden. Gleichzeitig besitzt die biotechnologisch hergestellte Gerste eine verbesserte Futtereigenschaft.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Forscher durch die Freilandversuche herausgefunden, dass die nützlichen Mykorrhiza-Bodenpilze durch die transgene Geste nicht beeinträchtigt wurden. Insgesamt bedingten die genetischen Veränderungen der Gerste nur minimale Veränderungen der Genaktivität und der Zusammensetzung der Pflanzen. Bei der gleichzeitigen Untersuchung der konventionellen Elternpflanzen der Sorten Golden Promise und Baronesse habe sich herausgestellt, dass der Unterschied zwischen diesen Sorten erheblich größer ist als der zwischen den Eltern und ihren jeweiligen transgenen Abkömmlingen. So seien bei den beiden konventionellen Sorten allein 1660 Gene unterschiedlich aktiv. Die Forscher stellten auch fest, dass eine Besiedlung mit Mykorrhiza-Pilzen selbst die Stoffzusammensetzung der Gerstenpflanzen erheblich verändere - unabhängig davon, ob es sich um transgene oder nicht-transgene Gerste handelt.
Die Wissenschaftler wendeten das neue Verfahren eines direkten systematischen Vergleichs von Genaktivitäten und Stoffzusammensetzung an. Damit sind kleinste Genveränderungen nachweisbar, die in der Vergangenheit durch langjährige klassische Züchtung entstanden waren. »Wir können mit unseren Verfahren in den Pflan zen lesen wie in einem Buch«, erklärt Kogel. »Und einige Kapitel zeigen uns, welche Züchtungspartner zur Entstehung der Pflanzen einst beigetragen haben.« Die Ergebnisse zeigen nach Angaben der Wissenschafter, dass klassische Züch tung und Umwelteinflüsse wie Pilzbefall Pflanzen in erheblich stärkerem Umfang verändern als das gezielte gentechnische Hinzufügen eines einzelnen Gens.
"Die Züchtung ändert die Pflanzen stärker als die Gentechnik" - wozu brauch wir die Gentechnik dann noch? Können wir nicht wie seit Jahrhunderten unsere Kulturpflanzen durch Zucht an die kommenden Herausforderungen anpassen? Dieser Beitrag zeigt einmal mehr, dass die "grüne" Gentechnik - man könnte fast schon sagen - sinnlos ist für die Steigerung der Erträge und die Gesunderhaltung angebauter Kulturpflanzen. Züchtung ist ja im prinzip nichts anderes, als eine gezielte Anpaarung und Auslese. Das geschieht in der Natur auch, allerdings etwas ungerichteter als bei menschlicher Beeinflussung. Bei der Genübertragung werden dagegen nicht nur Art- sondern auch Gattungs- und ganze Ordnungsgrenzen überschritten, was in der Natur so nie zustande käme. Wie man in Mexico, in Kanada und auch in anderen Ländern bereits leidvoll erfahren musste, sind die Gefahren einer solchen Technik weitaus größer als der Nutzen. In Mexico kreuzt der transgene Bt-Mais nun in die uralten Maissorten ein, die dort seit Jahrtausenden beheimatet sind - und niemand kann sich dagegen wehren. In Kanada treiben herbizidresistene "Super-Unkräuter" ihr Unwesen, weil sich die gentechnisch erzeugte Resistenz der Kulturpflanzen ausgekreuzt hat. Fazit: Forschung im Labor ja; Anbau transgener Pflanzen im Freiland nein!
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Dieser Beitrag zeigt einmal mehr, dass die "grüne" Gentechnik - man könnte fast schon sagen - sinnlos ist für die Steigerung der Erträge und die Gesunderhaltung angebauter Kulturpflanzen. Züchtung ist ja im prinzip nichts anderes, als eine gezielte Anpaarung und Auslese. Das geschieht in der Natur auch, allerdings etwas ungerichteter als bei menschlicher Beeinflussung. Bei der Genübertragung werden dagegen nicht nur Art- sondern auch Gattungs- und ganze Ordnungsgrenzen überschritten, was in der Natur so nie zustande käme. Wie man in Mexico, in Kanada und auch in anderen Ländern bereits leidvoll erfahren musste, sind die Gefahren einer solchen Technik weitaus größer als der Nutzen. In Mexico kreuzt der transgene Bt-Mais nun in die uralten Maissorten ein, die dort seit Jahrtausenden beheimatet sind - und niemand kann sich dagegen wehren. In Kanada treiben herbizidresistene "Super-Unkräuter" ihr Unwesen, weil sich die gentechnisch erzeugte Resistenz der Kulturpflanzen ausgekreuzt hat. Fazit: Forschung im Labor ja; Anbau transgener Pflanzen im Freiland nein!