Gießen (si). Die Entwicklungsplanung der Justus-Liebig-Universität wird nun auch organisatorisch zur Chefsache. Die Stabsabteilung »Planung und Controlling«, die bislang - unter der Personalführung des Kanzlers - dem Präsidium als Ganzes zugeordnet war, ist ab sofort JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee unterstellt. Dies teilte dieser selbst am Mittwoch im Senat mit.
Die Entscheidung sei im Präsidium »nach langer Diskussion und einvernehmlich« gefallen, sagte Mukherjee, der in dem Zusammenhang an die Richtlinienkompetenz des Präsidenten erinnerte; sie spiegele sich in dem Beschluss wider. Betroffen davon ist auch der Posten des dritten Vizepräsidenten, für den sich Mukherjee vor seiner Wahl stark gemacht und für den er den Schwerpunkt »Entwicklungsplanung« in Aussicht gestellt hatte. Ihn wird es in dieser Form zumindest kurzfristig nicht geben. Darüber solle später entschieden werden, sagte Mukherjee, ohne Details zu nennen.
Gleichzeitig wollen Präsident bzw. Präsidium andere Hochschulorgane in die Entwicklungsplanung mit einbeziehen. Schlüssel ist das sogenannte »Zukunftskonzept«, mit dem sich Hochschulen bei der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder bewerben können. In der ersten Runde vor über drei Jahren hatte die Universität Gießen eine Antragsskizze für den Schwerpunkt »Human Life and its Resources« eingereicht. In der nun anstehenden zweiten Runde soll das Konzept neu bearbeitet werden, und zwar unter direkter Beteiligung des Senats, wie Mukherjee bekräftigte. »Im April oder Mai« werde sich das konkretisieren, sagte der Präsident, der noch keine näheren Angaben etwa zur Zusammensetzung der Kommission machte. Eine Beteiligung hatten etliche Senatsmitglieder angemahnt, nachdem das Gremium beim ersten Zukunftskonzept weitgehend außen vor geblieben war.
Zu Beginn der Sitzung hatte Mukherjee über das jüngste Treffen der hessischen Hochschulleiter berichtet. Wichtigste Thema hier: Der Hochschulpakt für die Jahre 2011 bis 2015, mit dem die Rahmenbedingungen für die Finanzierung der Hochschulen festgelegt werden. Es gebe noch keinen konkreten Entwurf. Aber dass der Pakt kommen werde, sei jetzt sicher. In dem Pakt soll offenbar wie beim letzten Mal per Formel geregelt werden, wie sich Steuermindereinnahmen oder Tarifsteigerungen auf die Hochschulbudgets auswirken. Mit konkreten Zahlen sei in einigen Wochen zu rechnen, sagte Mukherjee.
Einen Zeitplan gibt es inzwischen für die neue Grundordnung, die sich die Universität geben will - und geben muss, weil die alte Ordnung in einigen Punkten im Widerspruch zu dem seit 1. Januar gültigen novellierten Hochschulgesetz steht. Auch hierfür wird eine Senatskommission gebildet, und zwar im April. Spätestens im März 2011 soll die neue Ordnung verabschiedet sein, erklärte der Präsident.
Die meisten Nachfragen gab es zu einer Information, die die Professoren sehr persönlich betrifft. Denn wie Mukherjee berichtete, erwägt die Hochschule, nicht mehr automatisch Bleibeverhandlungen mit Hochschullehrern zu führen, wenn die einen Ruf von außen erhalten. Diese Gespräche hätten »ein bisher unbekanntes Ausmaß« erreicht, so der Präsident. Mitursächlich hierfür ist offenbar die neue (W-)Besoldungsstruktur. Andere Hochschulen hätten dieses Problem ebenfalls, einige - auch in Hessen - führten schon gar keine Bleibeverhandlungen mehr. Das Thema solle im Erweiterten Präsidium diskutiert werden, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, betonte Mukherjee.