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»Inklusion nicht zu einer Farce machen«

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Artikel vom 20.06.2012 - 19.38 Uhr

»Inklusion nicht zu einer Farce machen«

Im Rahmen eines Aktionstages haben am Mittwochnachmittag Schüler und Lehrer von Grund- und Förderschulen sowie Eltern »gegen Bildungsabbau« demonstriert. Dabei forderten sie vom Land, die Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Rechts auf inklusive Bildung zu schaffen.

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Rund 300 Schüler, Lehrer und Eltern sprachen sich gestern für bessere Bedingungen an Gießener Grund- und Förderschulen aus. (Foto: Schepp)
Gießen (fd). Mit finanziellen Mitteln, aus denen man gerade mal einen Trabi flicken könnte, kann man keinen Porsche bauen. Auf diese Formel brachten Schüler, Lehrer und Eltern ihr Anliegen gestern auf dem Kirchenplatz. Um Autos ging es dabei aber nicht, sondern um Bildung. Seit der Unterzeichnung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist die Landesregierung verpflichtet, das Recht auf inklusive Bildung – den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung – zu verwirklichen. Beim Aktionstags erklärten die Teilnehmer dass die nötigen Rahmenbedingungen nicht geschaffen seien. Im Gegenteil.

Etwa 300 sind gekommen. Schüler, Lehrer und Eltern. Was sie verbindet, ist der Ärger über die hessische Landesregierung. Im Chor skandieren sie: »Inklusion ja, aber nicht so!« An den Bäumen rund um den Kirchenplatz hängen Bilder, auf denen Kinder zeigen, was sie gut können: Mit Tieren umgehen, auf der Geige spielen, den Fußball schießen. Diese Dinge, so die unausgesprochene Nachricht, könnten Schüler mit und ohne Behinderung voneinander lernen. Wenn Inklusion denn funktioniert.

»Wir ganz normalen Grundschullehrer bekommen jedoch kaum Unterstützung«, klagte gestern Sabine Meller-Moldenhauer von der Korczak-Schule. Vielmehr drohe ein Rückfall hinter bereits erreichte Standards. Inklusion brauche unter anderem mehr Personal, kleinere Klassen und zusätzliches Material, um den unterschiedlichen Lernbedingungen der Kinder gerecht zu werden. Der Protest auf dem Kirchenplatz richtete sich gegen die Umsetzung der neuen Inklusionsverordnung der Landesregierung, die nach Bekunden der Initiatoren des Aktionstags zu einer »Verschlechterung der Situation für alle Schüler und Lehrkräfte« führen werde und die »Inklusion zu einer Farce« mache.

Konkret fürchteten Schüler, Lehrer und Eltern, dass es durch die neue Inklusionsverordnung letztlich weniger Förderlehrer werden, die momentan in Klassen beim gemeinsamem Unterricht zum Einsatz kommen. Jochen Graf von der Grundschule West merkte an: »Warum sollen Schüler Vertrauen fassen zu Lehrern, die es gut meinen, aber nur stundenweise kommen? Wie sollen Lehrer Empathie entwickeln für Kinder, die sie nur stundenweise sehen?«

Gerald Rühl vom Stadtelternbeirat verlas eine Petition, die an Kultusministerin Nicola Beer geschickt werden soll. Dort heißt es: »Nehmen Sie als Beamte und Politiker Ihre Verantwortung wahr, um Erfolge im Rahmen der Inklusion und in der Förderung von benachteiligten Kindern weiterhin zu ermöglichen und die geplante Zerschlagung bestehender, gut funktionierender Strukturen zu verhindern.«

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Artikel vom 20.06.2012 - 19.38 Uhr
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