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In EM-Arena drohte der Abbruch

Artikel vom 30.06.2012 - 07.55 Uhr

In EM-Arena drohte der Abbruch

Gießen (srs). : 4500 Menschen sahen sich das EM-Halbfinale, Deutschland gegen Italien in der »EM-Arena« im Schiffenberger Tal an. Während der Partie explodierten in der Menge immer wieder Rauchbomben und Böller. Die Veranstalter drohten zwischenzeitlich sogar, die Übertragung abzubrechen.

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Ein Italien-Anhänger war schon vor dem Spiel so optimistisch, dass er einen Sarg in Schwarz-Rot-Gold gebaut hatte – den er nach Abpfiff triumphierend präsentierte. (Foto: srs)
»Dov’è la Vittoria? Le porga la chioma«: Voller Inbrunst schmetterten die beiden Gießener Ostschüler Antonio und Aurelio die italienische Nationalhymne. Die beiden trugen Hemden ihrer Nationalmannschaft – und sorgten so für azurblaue Farbtupfer in einem Meer aus weißen Trikots. »Wir genießen die Stimmung hier«, sagten sie. »Dass wir in der Minderheit sind, macht uns nichts aus.« Ein 2:0 tippten sie beim Anpfiff. Für Italien, versteht sich. Zwanzig Minuten später rissen sie nach dem ersten Balotelli-Treffer jubelnd die Arme in die Luft. Dass ein deutscher Fan sie daraufhin mit Bier bespritzte, erduldeten sie lächelnd. Geduldig harrten währenddessen vor dem Eingang noch über 500 Fans aus, die aufgrund der Überfüllung der »EM-Arena« draußen warten mussten.

Blicke zogen die beiden Medizinstudenten Nicolas und Dominik auf sich. Sie hatten sich Trikots der deutschen Nationalmannschaft in Schwarz und Weiß nicht etwa übergezogen, sondern auf ihre Oberkörper gemalt. »Wir wollten zum Halbfinale etwas Besonderes machen«, erklärten sie. In die »EM-Arena« zog es sie »wegen der Atmosphäre. Man bekommt die Reaktion von anderen mit und fiebert daher umso intensiver mit.« Ähnlich äußerte sich Ato Woldemichael, der das Spiel mit seinem achtjährigen Sohn Rimon verfolgt. »Dass Tausende Menschen friedlich zusammen Sport schauen, finde ich toll«, sagte er, während Rimon – Torwart in der F-Jugend des MTV Gießen – aufgrund des Spielstands traurig nach unten blickte.

Tim Bajors, Abiturient der Liebigschule, nutzte derweil eine ruhige Phase der Partie, um sich mit einem Kumpel über Spielerfrauen zu unterhalten. »Hast du schon die Freundin von Hummels gesehen?« Dabei kramte er sein Handy aus der Hosentasche, hielt es vor den Mund und rief: »Die Olle vom Hummels.« Per Spracherkennung startete das Handy eine Internetsuche – und der Kumpel nickte kurz darauf zustimmend. »Sie heißt Cathy.«

Für Schrecksekunden sorgten unterdessen immer wieder Störenfriede, die Böller und Rauchbomben in der Menge explodieren ließen. Als es in der 80. Minute wieder knallte drohte die Veranstalter über Lautsprecher, die Übertragung abzubrechen. Später erklärten sie der Gießener Allgemeinen Zeitung auf Nachfrage: »Wir kontrollieren jede Tasche.« Jeden einzelnen am Eingang abzutasten, sei bei einer solchen Vielzahl an Gästen schlicht nicht möglich. Ansonsten sei das Public Viewing friedlich verlaufen, betonten sie.

Der Anschlusstreffer in der Nachspielzeit ließ die deutschen Anhänger noch einmal kurz aufjubeln. Wenige Sekunden später traten sie dann frustriert den Heimweg an, während Antonio und Aurelio mit italienischen Fans den Sieg der Squadra Azzurra friedlich feierten. Ob wohl die Italiener am Sonntagabend nach dem Finale erneut jubeln werden – oder doch wieder die Spanier?

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Artikel vom 30.06.2012 - 07.55 Uhr
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