Gießen (kw). Es gebe keine Beschwerden mehr über Innenstadt-Baustellen aus dem Einzelhandel, sagte Stadtrat Thomas Rausch kürzlich bei einem Innenstadt-Rundgang mit der Presse. Das erklärte er so: »Die Leute haben eingesehen, dass hier etwas Ordentliches gemacht wird, das auch dem eigenen Laden zugute kommt.« Die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Bahnhofstraße haben das »mit Erstaunen und Befremden« in der Zeitung gelesen.
Einem »Schildbürgerstreich« gleicht in den Augen einiger Geschäftsleute diese hinter einer Hausecke verborgene Straßenlampe.
Die – seit fünf Jahren von Bauarbeiten betroffenen – Geschäfte im Abschnitt zwischen Westanlage und Reichensand litten unter Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent, acht Wochen lang seien Lieferfahrten unmöglich gewesen, betonen sie.
Es gebe eine ganze Reihe von Pannen und gravierenden Verzögerungen, erläuterte im AZ-Gespräch Carsten Rummer vom Bettenhaus Röhr, Sprecher der Interessengemeinschaft. So müsse jetzt eine Seite noch einmal aufgerissen werden, weil sich herausstellte, dass das frisch vergrabene Telekom-Kabel just unter dem Bordstein gelegen hätte. Die Anlieger brächten ihre Klagen wöchentlich bei den Baustellen-Sprechstunden zur Sprache. Jüngst hätten sie immerhin erreicht, dass die meisten Gräben quer über die Straße zugeschüttet wurden. Seitdem seien wieder Lieferungen per Fahrzeug möglich. Konnten viele Händler zur Not ihre Waren zu Fuß bis zur Absperrung tragen, so war das bei Betten und Matratzen nicht möglich.
Zur Zeit gibt es keinen abgesperrten Weg aus Richtung Innenstadt in diesen Bereich. Die Passanten, die sich hineinwagen, gehen direkt an rollenden Baggern vorbei. »Die Laufkundschaft ist weggebrochen«, erzählt Knut Hambek, Inhaber der Liebig-Apotheke. Und für manche Stammkunden sei der Weg einfach nicht zu bewältigen: Gehbehinderte mit und ohne Rollator kommen auf dem Schotter nur schwer voran. Sowohl Rummer als auch Hambek berichten: Von zwei Wochen sei in einer – erst 24 Stunden zuvor verteilten – Mitteilung der Stadt die Rede gewesen; den Inhabern sei zugesichert worden, dass ihre Läden erreichbar blieben.
Nur nebenbei erwähnen die IG-Vertreter, dass die künftigen Ladezonen ihrer Meinung nach zu knapp bemessen seien. Und die neuen Straßenlampen seien fragwürdig nicht nur an der Stelle, an der sie hinter einer Hausecke verborgen ist und hauptsächlich eine Hofeinfahrt beleuchtet.
»Wir wissen, dass die Bauarbeiten für alle Betroffenen eine Belastung bedeutet«, sagt Stadrat Rausch. Die Zusammenarbeit mit beteiligten Firmen laufe »nicht immer gut«, die Straße sei recht schmal. »Aber grundsätzlich geht es voran.« Und immerhin werde an den veralteten Leitungen und dem Straßenbild erstmals seit Jahrzehnten etwas gemacht: »Davon werden alle profitieren.«
manchmal glaube ich, dasss viele Menschen vergessen wie Gießen vor einigen Jahren noch ausgesehen hat. Ich bin sehr dankbar, dass sich das Stadtbild nun so positiv verändert. Es ist mittlerweile ein Genuss durch die Plockstraße zu laufen um nur ein Besipiel zu nennen. Dort haben sich schönes Cafes und exklusive Geschäfte etabliert! Langfristig werden wir auch in der Bahnhofstraße davon profitieren, indem sich Einzelhändler niederlassen, welche auch nachgefragt werden. Wenn man sich die Liste der IG Bahnhofstraße anschaut, ist schon sehr verwunderlich, dass man von der Existenz der meisten Geschäfte noch nie gehört hat. Ich kenne in der Bahnhofstraße Mr. Jones, Aldi, Dimension und Flex-Up. Ich finde es komisch, dass gerade diese bekannten Geschäfte nicht an der IG Bahnhofstraße mitwirken. Es liegt doch hier die Vermutung nahe, dass diese Geschäfte professioneller geführt werden und man hier zufrieden über die nachhaltigen Erweiterungen und Verschönerungen ist. Herr Rausch steht vor dem Hintergrund der anstehenden Landesgartenschau gewaltigen Aufgaben gegenüber. Der Koordinierungsaufwand ist teilweise enorm. Wie so oft, schaut man nach schuldigen Dritten wenn das eigene Geschäft nicht so läuft.
(26.07.2010 23:49)
sapperlot
Zugegeben ...
ich habe an Herrn Rausch einen Narren gefressen, obwohl ich ihn überhaupt nicht persönlich kenne. Aber wenn jemand wie er so konsequent (neuhochdeutsch: straight) wie er seine Meinung, seine Sicht der Realitäten im Bezug auf das Bauen in Gießen vertritt, ist das irgendwie schon bewundernswert. Ihm ist es auch gleichgültig, ob es sich um Hoch-, Tief oder Straßenbau handelt: er weiß alles, kennt alles, ist auf allen Gebieten firm. Und er hat den guten Geschmack, das Zeitmanagement und den Burgerwillen verinnerlicht; ihn kann und darf nichts und niemand aufhalten, kritisieren, attackieren. Er schafft es zuzusehen, wie Bürger sich mit Grausen von den Bauwerken in der Stadt abwenden, wie Geschäfte durch Baumaßnahmen dem Ruin entgegen trudeln, wie sich Gäste der Stadt lustig machen über von ihm zu verantwortende Bauten. Straßen, Plätze ... Er setzt sich in lockerem Sprung über die Bedenken von Fachleuten, über Einwände Betroffener, über Existenzängste von Baustellenanwohnern hinweg, ganz souverän ... Wir sollten die Stadtverordneten bitten, das nächste Bauwerk, das er zu verantworten hat oder die nächste Straße, die er "verschönern" lässt, nach ihm zu benennen .... .... damit nachfolgende Generationen wissen, wem diese unsäglichen städte- und verkehrsbaulichen Schweinereien zu verdanken ist!