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Historische Treppe am Bahnhof kann nicht erhalten werden

Artikel vom 10.03.2010 - 22.10 Uhr

Historische Treppe am Bahnhof kann nicht erhalten werden

Gießen (mö). Viele Gießener haben es geahnt und befürchtet, jetzt herrscht Gewissheit: Die historische Treppe am Bahnhof kann nicht erhalten werden. Eine im vergangenen Jahr durchgeführte Begutachtung hat ergeben, dass die Substanz des Sandsteinbaus nicht ausreicht, ihn an Ort und Stelle zu sanieren.
Das ist die Variante für die Traditionalisten, die sich weitgehend am historischen Original orientiert. Architekt Birger Rohrbac
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Das ist die Variante für die Traditionalisten, die sich weitgehend am historischen Original orientiert. Architekt Birger Rohrbach rekonstruierte seinen Entwurf anhand alter Abbildungen und Fotos. Eine Wiederauferstehung würde bei Umsetzung dieser Lösung das Kopfgebäude des Sandsteinbauwerks feiern (links im Bild). Das vor etwa 40 Jahren abgerissene Haus beherbergte früher eine Brückenschenke. Rechts neben der Treppe ist die Aufzugsanlage zu sehen. Mit gut 1,5 Millionen Euro gehört diese Rekonstruktion zu den teureren Varianten. Hinzu kämen 700 000 Euro für das Fahrrad-Parkhaus.
Im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes muss die Stadtverordnetenversammlung demnächst entscheiden, ob die zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstandene Treppe rekonstruiert wird oder an ihre Stelle eine moderne Rampenkonstruktion tritt. Der von der Stadt mit der Planung beauftragte Gießener Architekt Birger Rohrbach präsentierte am Dienstagabend im Sitzungssaal des Rathauses sechs Lösungen.

Rohrbach sagte, von der Treppe, die zum Fußgängersteg führt, der die Gleise des Oberhessischen Bahnhofs überbrückt, könnten nur noch wenige Originalsteine bei einer Rekonstruktion Verwendung finden. Sollte sich die Stadtverordnetenversammlung für einen Nachbau entscheiden, müsste die Treppe komplett abgetragen werden und später - größtenteils mit neuen Steinen - wiederaufgebaut werden.

Eine solche Replika bildet die Grundlage von vier der sechs vorgestellten Varianten, zwei verzichten gänzlich auf eine bauliche Reminiszenz ans wilhelminische Zeitalter. Für Aufsehen und erste ablehnende Reaktionen bei den anwesenden Stadtverordneten sorgte und stieß der Architekt mit seinem Vorschlag, den Vorplatz mit der Fußgängerbrücke durch eine spiralförmige Rampe zu verbinden. Damit wäre nicht nur ein moderner Kontrapunkt zum historischen Bahnhofsgebäude gesetzt, sondern diese Lösung wäre auch platzsparender, erlaube mehr Baumpflanzungen, bringe mehr Aufenthaltsqualität auf dem gesamten Platz und sei am kostengünstigsten. Von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz gefragt, mit welcher seiner sechs Varianten er bei einem Architektenwettbewerb antreten würde, antwortete Rohrbach, mit seiner Rampen-Skulptur.

Mehrheitsfähig scheint diese Lösung freilich nicht zu sein. Von der Linken bis zur CDU wurden Bedenken geäußert. So fühlte sich Michael Beltz (Linke) an die Fernsehübertragungen der olympischen Winterspiele erinnert und sprach von einer »Bob- und Rodelbahn«. Die CDU-Stadtverordnete Ute Wernert-Jahn, die vor zehn Jahren Unterschriften für den Erhalt der historischen Treppe gesammelt hatte, erinnerte daran, dass der Sandsteinaufgang Bestandteil der denkmalgeschützten Gesamtanlage Bahnhof sei.

Eine der Wiederaufbau-Varianten, die Rohrbach anhand alter Abbildungen und Fotos konzipiert hat, schlägt eine Rückkehr zum ursprünglichen Zustand der Treppenanlage vor. Zu der gehörte bis vor einigen Jahrzehnten ein Kopfgebäude, in dem sich eine Brückenschenke befand. Laut Denkmaltopographie wurde dieses Gebäude in den 1960er oder 1970er Jahren abgerissen. Heute steht dort eine Imbissbude.



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Artikel vom 10.03.2010 - 22.10 Uhr
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Leserkommentare
(11.03.2010 14:23)
Leser
Fahrradparken unbefriedigend
Schön, dass die Stadt die Kapazität der Radabstellplätze in ihren Plänen nach Intervention des ADFC schon mal um 250 erhöht hat. Ansonsten ist das Konzept aber wenig fahrradfreundlich, denn die Radfahrer werden wohl kaum ihr Rad in ein 3 Meter tiefes Loch über drei verwinkelte Rampen herunterschieben, um dann dort unten Abstellanlagen vorzufinden, die nicht einmal komplett überdacht sind. Auch wenn die Fahrradparkgrube von oben einsehbar ist, indem man über die Brüstung herunter schaut, wird die soziale Kontrolle gering sein: Viele Ecken der Grube sind nicht einsehbar und welcher Passant schreitet schon ein, wenn 3 Meter unter ihm ein Fahrraddieb ein Schloss aufbricht oder in einer überdachten Ecke eine Frau belästigt wird? Das Fahrradparkhaus ist ein Loch und diesen Charakter wird es immer behalten, wenn man es unterirdisch anlegt.
Die nicht einsehbaren Ecken dieses Loches werden dazu animieren, den Abstellbereich als öffentliche Toilette zu benutzen und aufgrund der Räder und der Abstellbügel wird die Reinigung der Anlage so gut wie unmöglich sein. Uringestank wird sich festsetzen und der Volksmund wird vom zweiten Elefantenklo sprechen - mit dem Unterschied, dass hier der Elefant auch wirklich zum Klo geht.
Eine geschlossene Tiefgarage für Räder wird von den Radfahrern allein aus Gründen der sozialen Sicherheit nicht angenommen - damit hat Herr Rohrbach recht. Wenn er aber glaubt, dass dies anders wird, wenn man bei Teilen der Tiefgarage das Dach weglässt, dann hat er sich getäuscht.
Die Radfahrer werden mehr und mehr auf dem Bahnhofsplatz ihre Räder abstellen. Die Stadt wird versuchen, dies durch Satzungen zu verbieten und wird erst nach verlorenen Gerichtsprozessen erkennen, dass man Fahrradparken auf öffentlichen Plätzen nicht verbieten kann.
Schade nur, dass dies alles absehbar ist und es trotzdem so kommen wird.
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