Dank Nanotechnologie sind Hörgeräte mit einer wasser- und schmutzabweisenden Beschichtung versehen, in der Krebstherapie zeigen magnetische Nanopartikel aus Eisenoxid Behandlungserfolge bei Hirntumoren. Auch in der chemischen Industrie kommen Nanoteilchen zum Einsatz und verringern das Aufkommen von Nebenprodukten und Abfallstoffen. Mit vielen Aspekten der Erforschung allerkleinster Teilchen haben sich vor kurzem acht Schülerinnen und acht Schüler aus ganz Hessen bei einem »Erfinderlabor« in Marburg beschäftigt. Die 16 hochbegabten Oberstufenschüler waren zuvor aus 90 Bewerbern von 50 Schulen ausgewählt worden. Dabei war auch die Liebigschülerin Annemarie Schäfer. »Die Woche hat mir wichtige Impulse in Richtung Studium gegeben«, sagte die 18-Jährige im AZ-Gespräch.
Geforscht wurde im Labor der Makromolekularen Chemie der Philipps-Universität Marburg. Beteiligt am »Erfinderlabor«, das seit 2005 ausgerichtet wird, sind außerdem das Zentrum für Chemie in Bensheim, der Arbeitgeberverband Hessenchemie, das hessische Wirtschafts- und das Kultusministerium sowie die Marburger »Siemens Healthcare Diagnostics GmbH«, die auch Gastgeber der Abschlusspräsentation war.
Die Nanotechnologie wurde bewusst als Forschungsschwerpunkt gewählt. Schließlich handelt es sich um eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. In der Schule spielt dieses Themengebiet dagegen eine untergeordnete Rolle. Die 17- bis 19-Jährigen wurden in Vierergruppen aufgeteilt und erhielten Aufgaben aus den Bereichen Biotechnologie, Chemie und Materialwissenschaften oder Lichttechnik. Für Annemarie Schäfer und ihre Gruppe ging es beispielsweise darum, für Nachweisverfahren in der Medizintechnik Nano-Goldpartikel herzustellen und in einem anderen Versuch herauszufinden, wie chemische Prozesse mit Nanoteilchen beschleunigt werden können. Der Liebigschülerin, die die Teilnahme am »Erfinderlabor« auch ihrem Chemielehrer Stefan Wagner verdankt, hat vor allem die Tatsache gefallen, dass sie ihren Erfahrungsschatz beim Experimentieren erweitern konnte. »Man hat eine Idee und kann sofort nachprüfen, ob man auf dem richtigen Weg ist.« Tatsächlich hatten die vier Gruppen an den beiden Labortagen jeweils gut sieben Stunden Zeit für ihre Versuche auf dem Gebiet der Nanotechnologie.
Aber auch Schüler, die ein Abitur mit einer Eins vor dem Komma ansteuern, leben nicht nur fürs Forschen und Lernen. Zum Programm in Marburg gehörten Bootsfahrten auf der Lahn und Bowling-Abende, Besuche im Kino und in der Kneipe. Die Chemie zwischen den Teilnehmern hat offenbar nicht nur im Labor gestimmt. »Wir haben uns so gut verstanden, dass wir gerade ein Nachtreffen vorbereiten«, verriet die Gießenerin, die sich auch sonst nicht nur um ihr Leistungsfach Chemie kümmert. Viel Zeit nehmen auch ihre Hobbys Klavierspielen und Tanzen ein. (Foto: Schepp)