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Hans-Böckler-Medaille für Jutta Grabe

Artikel vom 29.06.2010 - 23.00 Uhr

Hans-Böckler-Medaille für Jutta Grabe

Gießen (cg). Jutta Grabe wurde am Dienstag mit der Hans-Böckler-Medaille des Deutschen Gewerkschaftsbundes ausgezeichnet.
Ernst Richter zeichnet Jutta Grabe mit der Hans-Böckler-Medaille aus. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz ist stolz auf ihre
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Ernst Richter zeichnet Jutta Grabe mit der Hans-Böckler-Medaille aus. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz ist stolz auf ihre engagierte Mutter. (Foto: Schepp)
Die 81-Jährige, so Ernst Richter, DGB-Vorsitzender der Region Mittelhessen in seiner Laudatio, sei vielen Gießenern zum einen als unermüdliche Streiterin gegen soziale Ungerechtigkeit bekannt, zum anderen sei ihr leidenschaftliches Engagement gegen Faschismus und Krieg Legende - als Zeitzeugin gelinge es ihr, Jugendliche für geschichtliche Zusammenhänge zu interessieren. Richter, der während einer Feierstunde im DGB-Haus Urkunde und Medaille überreichte, betonte, Jutta Grabe sei die geeignete Kandidatin für die höchste Auszeichnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes, weil sie nicht nur engagiert, sondern eine außergewöhnliche Persönlichkeit des gewerkschaftlichen Lebens sei.

Jutta Grabe wurde 1929 in Mühlhausen in Thüringen geboren. Bereits ihr Vater und ihr Großvater waren als Möbeltischler im damaligen Holzarbeiterverband aktiv. Nach dem Krieg machte sie eine Lehre als Industriekaufmann (»Industriekauffrauen gab es damals noch nicht«), übte jedoch den Beruf zunächst nicht aus, denn sie brachte drei Töchter zur Welt und widmete sich der Kindererziehung - eine der Töchter ist Gießens heutige Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

Nach dem Umzug nach Westdeutschland und ihrer Scheidung musste Jutta Grabe den Familienunterhalt allein bestreiten. Sie begann als Verwaltungsangestellte an der Fachhochschule zu arbeiten. In dieser Zeit begann auch ihr gewerkschaftliches Engagement: 1972 trat sie der ÖTV bei, drei Jahre später wurde sie gewerkschaftliche Vertrauensfrau an der FH. Von 1976 bis 1994 war sie Personalratsvorsitzende an der Fachhochschule. Mitte der 70er Jahre begann die Geehrte, sich in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit zu engagieren, sie arbeitete im Referenten-Arbeitskreis des DGB-Kreises Gießen mit und war Referentin auf zahlreichen DGB-Seminaren. Zudem war sie Präsidiumsmitglied in DGB-Landesbezirkskonferenzen und Delegierte bei ÖTV- und DGB-Bundeskongressen. Seit 1994 engagiert sich Jutta Grabe in der Seniorenarbeit im DGB bzw. bei ver.di.

»Du warst immer unser großes Vorbild«, bekräftigte die mittelhessische Ver.di-Vorsitzende Corinna Vahrenkamp in ihrem Grußwort, und damit sprach sie zahlreichen Mitstreitern, die zur Feier gekommen waren, aus dem Herzen. Zu den Gratulanten gehörten neben den drei Töchtern und deren Familien auch Freunde und ehemalige Kollegen. Die musikalische Gestaltung hatte zur großen Freude der 81-Jährigen Johannes M. Becker übernommen, der neben Hannes Waders »Gut, wieder hier zu sein« auch »Die Moorsoldaten« sang - ein ganz besonders emotionaler Moment sowohl für Jutta Grabe als auch für die Gäste. »Ich bin stolz darauf, aus einer antifaschistischen Arbeiterfamilie zu stammen«, sagte die alte Dame und erinnerte in einem kurzen Rückblick daran, dass ihre ersten Erfahrungen mit Ungerechtigkeit und Unterdrückung mitverantwortlich waren für ihr späteres Engagement.

Der berufliche Ruhestand war für Jutta Grabe kein Grund, sich wirklich zur Ruhe zu setzen. Trotz gesundheitlicher Einschränkungen setzt sie sich für die Belange von Senioren ein, spricht als Zeitzeugin in Schulklassen und macht aus ihrer politischen Überzeugung keinen Hehl. So nahm sie 2006 an Studentendemonstrationen teil, protestierte gegen Mittelkürzungen im Bildungsbereich und ergriff als Gewerkschaftsseniorin das Wort. Während die Ideale der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung für viele aus der Mode gekommen sind, so spielen sie im Leben von Jutta Grabe eine zentrale Rolle - was ganz im Sinne von Hans Böckler sein dürfte, der nach dem Krieg der erste DGB-Vorsitzende war und die folgenden Generationen prägte.

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Artikel vom 29.06.2010 - 23.00 Uhr
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