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Gunilla Jähnichen mit »Don't touch my pet« in der Kunsthalle

Artikel vom 08.09.2010 - 12.00 Uhr

Gunilla Jähnichen mit »Don't touch my pet« in der Kunsthalle

»Don’t touch my pet« ist der Titel der neuen Ausstellung, die am Sonntag, 5. September, um 11 Uhr, in der Kunsthalle im Rathaus eröffnet wird.
Gunilla Jähnichen vor einem Mädchenbildnis.	(Foto: dkl)
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Gunilla Jähnichen vor einem Mädchenbildnis. (Foto: dkl)
Wörtlich übersetzt bedeutet das: »Fass mein Haustier nicht an«, doch die Haltung des Mädchens auf dem Bild sagt eindeutig: Rühr mich nicht an. Damit ist auch schon das Hauptmotiv der Malerei von Gunilla Jähnichen benannt: Es sind Kinder, zumeist Mädchen. Und sie sehen sich alle ein bisschen ähnlich - wie die Gesichter von Modigliani. Nein, ein bestimmtes Modell habe sie nicht gemalt, erklärt sie auf entsprechende Fragen. Die Figur habe sich im Laufe ihres Malens entwickelt und mittlerweile habe sie diese lieb gewonnen. »Ähnlich wie bei Schriftstellern, die erfinden auch Typen, die sie über Jahre in ihren Romanen agieren lassen.«

»Und die Typisierung hat mittlerweile etwas Archaisches bekommen«, ergänzt Kunsthallenleiterin Dr. Ute Riese bei der gestrigen Pressevorbesichtigung. Wenn eine Gruppe identischer Jungen auf einer Wiese unter Apfelbäumen liegt, dann sieht sie darin ganz aktuelle Phänomene aufscheinen wie das Klonen. »Genau das hat mich so begeistert an der Kunst von Gunilla Jähnichen, dass sie Tradition und Gegenwart verbindet in ihrer Kunst.« Aus der kunsthistorischen Tradition kommt ihre Malweise in Öl auf Leinwand, kommen ihre traumverlorenen Figuren mit symbolistischen Einschlüssen, kommen vor allem die mehr oder weniger verborgenen Zitate aus der großen Kunstgeschichte. Da sind Landschaften, die an Giotto oder Leonardo erinnern, Figuren, die geradewegs aus einem Caravaggio- oder einem Hieronymus-Bosch-Bild zu kommen scheinen. Aber da ist auch still gestellte Zeit, über allem liegt ein Zauber, der manchmal auch ein Albtraum sein kann.

Jähnichens Malweise integriert auch aktuelle Ausdrucksformen: ein bisschen Comic und Manga, eine Prise Fantasy und natürlich Kinderbuchillustrationen. Aktuelle Bezüge kommen nie mit pädagogisch erhobenem Zeigefinger daher, sondern schleichen sich fast unbewusst ins Sehen ein. Plötzlich kommt einem etwas bekannt vor. Woher nur? Und schon schaut man wieder hin, entdeckt das Bild neu.

Ausgestellt werden auch Zeichnungen, das Medium des schnellen unmittelbaren Entwurfs. Erstmalig sind in Gießen ihre animierten Zeichnungen auf einem Bildschirm zu sehen. Entstanden sind sie auf einem einzigen Blatt, auf dem sie immer wieder etwas wegradiert und anderes hinzugefügt hat. Jedes Stadium wurde eingescannt und dann das Ganze quasi zum Laufen gebracht. »Für eine animierte Zeichnung sind etwa 500 Zwischenschritte nötig«, erklärt sie. Ein spannendes Experiment, das sie dank eines Stipendiums in aller Ruhe vollziehen konnte.

Es wurde eigens ein Raum gebaut, in dem die zarten Zeichnungen die »nötige Luft zum Atmen haben«. Zugleich ist dieses Raumteil Gestaltungselement in der neuen Kunsthalle, die wieder völlig anders wirkt als bei der vorherigen Ausstellung (Trevor Paglen). Die mittel- bis großformatigen Gemälde sind luftig gehängt, jedes kann seine Wirkung entfalten. Die Künstlerin ist sehr glücklich, weil es für sie eine erste Retrospektive ist. »Es sind Arbeiten aus den zehn Jahren seit meinem Akademieabschluss versammelt. Das hatte ich noch nicht und es fühlt sich wirklich gut an«, kommentiert sie strahlend und dankbar.



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Artikel vom 08.09.2010 - 12.00 Uhr
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