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Gummiinsel: Gießener Mythos braucht Geld

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Artikel vom 02.03.2016 - 09.21 Uhr

Gummiinsel: Gießener Mythos braucht Geld

Gießen (mö). Die Gummiinsel ist ein Gießener Mythos und wie alle Mythen in die Jahre gekommen: Hinter den Mauern schlummert ein riesiger Sanierungsstau. Auf sieben Millionen Euro beziffert die stadteigene Wohnbau die Kosten für die Modernisierung der 70 Wohnungen. Die Finanzierung indes ist nicht einfach, denn die Gummiinsel ist zu klein, um in die großen Förderprogramme aufgenommen zu werden.

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Auch das gibt’s auf der Gummiinsel: Die Interessengemeinschaft hat eine Bewohnerzeitung mit dem schönen Namen »Aus’m Häuschen« herausgegeben.
© Oliver Schepp
Dies wurde nun beim Besuch von Michael Groß, baupolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, deutlich. Der Gast aus Berlin, der selbst im Ruhrgebiet in einer denkmalgeschützten früheren Zechensiedlung zur Miete wohnt, soll auf der Suche nach neuen Fördertöpfen helfen; 2014 waren Stadt und Wohnbau mit einem Antrag auf Aufnahme der Gummiinsel ins Programm »Nationale Projekte des Städtebaus« gescheitert.

Thema im Bundesbauministerium

»Über die normalen Programme geht es nicht. Wir müssen etwas anderes finden«, sagte Groß und kündigte ein Gespräch im Bundesbauministerium an, an dem auch Wohnbauchef Reinhard Thies teilnehmen soll. Der hat bereits Ideen und könnte sich vorstellen, dass ein Förderprogramm wie der »Experimentelle Wohnungsbau« infrage kommt. Klar ist, dass ein ziemlich breites »Delta« bei der Finanzierung überbrückt werden muss. Auf immerhin 100 000 Euro pro Wohnung schätzt die Wohnbau den Sanierungsbedarf der denkmalgeschützten Siedlung. Die städtische Gesellschaft selbst will zunächst Geld in die Hand nehmen, um einen »Musterblock« mit acht Wohnungen zu modernisieren. Dies ist aus Sicht von Tanja Blum, Sprecherin der Interessengemeinschaft »Rotklinkerhäuschen Gummiinsel«, auch sinnvoll, um die Bewohner von der Notwendigkeit der Sanierung zu überzeugen. »Wir wollen diesen Weg gemeinsam mit Wohnbau und Stadt weitergehen«, sagte Blum. Das Interesse und der Wille, die Zukunft der Gummiinsel gemeinsam zu gestalten, sei jedenfalls vorhanden. Zu einer Bewohnerversammlung der IG seien letztens viele der rund 200 Bewohner gekommen.

Erster Erfolg

Einen ersten Erfolg haben Stadt und Wohnbau schon zu verzeichnen, denn die Gummiinsel liegt im neuen und 42 Hektar großen Fördergebiet der nördlichen Weststadt, das ins Programm »Soziale Stadt« aufgenommen worden ist. Einen ersten Zuschussbescheid in Höhe von 265 000 Euro übergab das Land im vergangenen Herbst an die Stadt. Ausgegeben werden soll das Geld zusammen mit einem städtischen Eigenanteil von einem Drittel für die Einrichtung eines Stadtteilmanagements sowie für eine Machbarkeitsstudie für Sanierung und Umbau der Rotklinkersiedlung. Analog zum Flussstraßenviertel soll jetzt auch für diesen Teil der Weststadt eine Rahmenplanung erstellt werden. Das Stadtparlament hat diesem Vorgehen am vergangenen Donnerstag zugestimmt.

Bundestagsgast Groß betonte, wie wichtig Bewohnern in solch gewachsenen Vierteln das »Zusammenbleiben« sei. Insofern sei es auch eine Anforderung an die Sanierung, dass die Mieten »hinterher nicht exorbitant steigen«. Bei seinem Besuch in Gießen habe er den Eindruck gewonnen, dass dieser »soziale Aspekt« von der Wohnbau berücksichtigt werde.

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Artikel vom 02.03.2016 - 09.21 Uhr
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Leserkommentare
(02.03.2016 23:48)
history99
Baukosten?
Das ist tatsächlich eine hübsches Sümmchen. Ein großer Teil dürfte davon wohl auf "denkmalgerechte" Sanierung zurück gehen. Und das ändert nichts an einem wesentlichen Mangel, der hier mal erwähnt angesprochen wurde: extrem geringe Geschosshöhe. Elektro, Sanitär und Heizung geht ja wohl problemlos, aber Wärmedämmung, Fenster und gleichzeitig Denkmalschutz wird halt teuer, teuer, teuer. Aber man hat's ja ...
(02.03.2016 22:19)
Alberich
Baukosten?
Wie Bitte 100.0000€ pro Wohnung?!?? 50.000€ Baukosten + +30.000€ Bürokratie + 20.000€ Vermittlungsgebühr als Rückvergütung an die treuhndlerischen Auftraggeber.....?
(02.03.2016 17:51)
klingklong
Nummer kleiner
Das wäre doch mal der Nachfrage wert, ob das nicht eine Nummer kleiner geht. Das sind fast Neubaupreise bei den kleinen Reihenhäuschen. Kein Wunder wenn unter diesen Bedingungen Sozialwohnungen nicht mehr bezahlbar sind.
(02.03.2016 16:40)
gewikatze
Hoher Sanierungsaufwand
Bei einer durchschnittlichlichen Wohnfläche von ca. 70 qm je Häuschen ein hoher Aufwand, bei einer städtischen Schuldenlast von 230 Millionen Euro.
Als private Person würde ich da mehr als 2 mal überlegen und nach Alternativen suchen. Bin mal gespannt wie das ausgeht.
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