Gießen (cg). »Die Dankbarkeit verlässt uns nicht mehr«, sagen Ingrid Volke und Monika Franke. Beide Frauen leben seit einigen Jahren mit einer Spenderlunge und sind jeden Tag glücklich darüber, wieder am Leben teilnehmen zu dürfen.
Ingrid Volke und Monika Franke sind glücklich über ihre Spenderlungen. (Foto: Schepp)
Dieses Glück kannten sie vor der Transplantation nicht, ihre Isolation nahm zu, je weiter die Krankheit voranschritt. Ein mobiles Sauerstoffgerät, das rund um die Uhr im Einsatz war, sicherte das Überleben. Das Gefühl nach der rettenden Operation war überwältigend, schildern Ingrid Volke und Monika Franke übereinstimmend: Richtig atmen zu können war und ist nach ihrer langen Leidenszeit ein »wunderbares Geschenk«.
Ingrid Volke ist Leiterin der Regionalgruppe Gießen des Bundesverbandes der Organtransplantierten. Zu den von ihr und Dr. W. A. Stertmann (Chirurg und Transplantationsbeauftragter) alle drei Monate in Gießen organisierten Arzt-Patienten-Stammtischen kommen weit mehr Interessenten, als zur Regionalgruppe gehören. Das liegt vor allem daran, dass Ingrid Volke die Treffen zu einer Art offenen Sprechstunde machte. Ärzte aus unterschiedlichen Fachrichtungen nehmen daran teil und stehen den Transplantierten und deren Angehörigen Rede und Antwort. »Wir wollen umfassende, fachlich fundierte Informationen und nicht nur Erfahrungsaustausch«, erklärt die Vorsitzende. Die Zusammenarbeit mit dem Gießener Transplantationszentrum sei mittlerweile eng und vertrauensvoll.
Denn bei allem Glück über die gelungene Transplantation dürfe man nicht vergessen, dass man mit Einschränkungen leben muss, erklärt Monika Franke. Ein Beispiel ist die drohende Osteoporose. Deren Entstehung wird durch die lebenslang notwendige Einnahme von Immunsuppressiva begünstigt. Um dem durch Cortison verursachten Knochen- und Muskelschwund entgegen zu wirken, ist moderate sportliche Betätigung für Transplantierte sehr wichtig. Ebenfalls wichtig ist es, auch nach der rettenden OP Infektionen zu vermeiden, wo es geht. »Daher tragen wir in für uns kritischen Situationen einen Mundschutz«, erklärt die Pohlheimerin. Monika Franke litt an einer schweren Lungenfibrose und war einige Jahre auf ein Sauerstoffgerät angewiesen, bevor sie 2006 zwei neue Lungenflügel bekam. Für Ingrid Volke - sie litt an einer chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung und einem Lungenemphysem - hatten die Ärzte ohne Transplantation eine Lebenserwartung von einem Jahr prognostiziert.
Für beide Frauen war der Gedanke an ein Spenderorgan zunächst unvorstellbar. Heute, nach Jahren mit dem »geschenkten« Organ, stehen sie Patienten bei, für die die bange Zeit des Wartens noch andauert. Überhaupt der Zusammenhalt mit Leidensgefährten: Die Kontakte in der Gruppe stärken und stabilisieren die Erkrankten, die sich mit ihren körperlichen Beschwerden arrangieren müssen, die aber auch psychisch durch tiefe Täler gehen.
Für Ingrid Volke und Monika Franke ist das Geschenk ihres »zweiten Lebens« Anlass, für die Organspendebereitschaft zu werben. Nur zwölf Prozent der Bundesbürger besitzen einen Organspenderausweis, obwohl weit mehr eine Transplantation befürworten. Eine wichtige Verbesserung wäre laut der Regionalgruppe und ihrem Dachverband, dem Bundesverband der Organtransplantierten und der Deutschen Stiftung Organspende, eine Gesetzesänderung. Deutschland hält bisher an der Zustimmungsregelung fest, während in vielen anderen Ländern die Widerspruchsregelung gilt. Das bedeutet: Wer in Spanien oder Österreich einer Transplantation nach dem Tod zuvor nicht ausdrücklich widersprochen hat, dem können Organe entnommen werden. Doch werden in diesen Ländern selbstverständlich auch die Angehörigen gefragt. Hier gehört die Zustimmung zu einem Akt der Nächstenliebe. In Deutschland muss man dagegen zu Lebzeiten einer Entnahme zustimmen. Rund 1000 Patienten sterben hier pro Jahr, weil sie kein rettendes Organ erhalten, 12 000 Menschen stehen auf der Warteliste, durchschnittlich sieben Jahre beträgt die Wartezeit, während es im europäischen Ausland zwei Jahre sind.
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