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Gießenerin trainiert Mädchenmannschaft in indonesischer Krisenregion

Artikel vom 20.06.2012 - 16.30 Uhr

Gießenerin trainiert Mädchenmannschaft in indonesischer Krisenregion

Gießen (fd). In einem unzugänglichen Hochtal, rund 120 Kilometer von der Küste entfernt, liegt die Schatzkiste Indonesiens. Hier lebt Heidi Scheunemann aus Gießen.

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In der Region Papua arbeitet Heidi Scheunemann (vorn, r.) mit Mädchen aus verschiedenen Stämmen zusammen. (Foto: pv)
Seit drei Jahren baut sie eine Fußballmannschaft für Mädchen auf. Neben dem Sport steht der Kampf gegen die Feindschaft im Fokus.

Es sind 35 Grad im Schatten. Auf den Fußballplatz knallt die Sonne. Seit zweieinhalb Stunden wird trainiert, keines der Mädchen murrt. Schließlich spielen sie Fußball und sind verrückt danach. »Die Mädchen stehen nachts um vier Uhr auf, um die Champions League zu schauen. Wenn Manchester United spielt, dann bleibt kein Auge trocken«, sagt Scheunemann. Gerade ist sie zu Gast bei ihren Eltern in Wieseck, um in Deutschland einen Trainerschein zu machen.

In der Region Papua – eine Fläche so groß wie Deutschland und so viele Einwohner wie Berlin – ist das Projekt der Gießenerin einzigartig: »Die Mädchen kommen aus unterschiedlichen Stämmen. Das gab es vorher noch nie«, sagt Scheunemann. Vorher sah Fußball in Papua eher so aus: Mannschaften aus verschiedenen Stämmen spielten gegeneinander. Irgendwann prügelten sich die Spieler, dann folgten Randale auf den Tribünen, später gab es abseits des Platzes Ärger zwischen den Stämmen. Die Bevölkerung ist untereinander so zerstritten, dass sich in der Region rund 250 Sprachen entwickelten, weil kein Austausch stattfand. »Dialekte gibt es noch viel mehr«, erklärt die Gießenerin. Seit 1996 lebt sie in der Region, in der ihr Ehemann, der in Indonesien aufgewachsen ist, als Pfarrer arbeitet.

Zum Ärger zwischen den Stämmen kommen Vorbehalte großer Teile der indonesischen Bevölkerung gegenüber den Menschen in der Region Papua. Die nämlich haben meist dunklere Haut als ihre Landsleute in anderen Teilen Indonesiens. Für die Chancen der Mädchen auf eine gute Zukunft könnte das Auswirkungen haben. »Die indonesische Bevölkerung ist sehr rassistisch mit ihrem eigenen Volk«, formuliert Heidi Scheunemann. Da klingt es fast wie ein Märchen, dass die Spielerinnen aus Papua derzeit alle anderen Teams aus dem ganzen Land vom Platz fegen. »Es geht momentan nur noch darum: Ganz Indonesien gegen uns«, sagt die Gießenerin. Vor einigen Jahren versuchte Heidi Scheunemann erstmals, den regelmäßigen Prügeleien auf den Fußballplätzen in Papua mit einem Trick entgegenzuwirken: Sie organisierte einen gigantischen Pokal, rund 2,40 Meter hoch, und veranstaltete ein Turnier. »Die Spieler haben sich zusammengerissen, weil sie wussten, dass sie sich nicht prügeln dürfen, wenn sie den Pokal gewinnen wollen«, erinnert sich die Gießenerin. Über Umwege kam Scheunemann letztlich dazu, eine eigene Mädchenmannschaft aufzubauen. Damals waren die Spielerinnen zwischen 13 und 17 Jahre alt. Seit drei Jahren arbeitet sie nun mit ihnen zusammen. Unterstützt wird sie dabei auch von der Gießener Johannesgemeinde. Nicht immer ist die Arbeit auf dem Platz ganz einfach: »Viele Mädchen haben auch zu Hause viel Gewalt erlebt«, sagt Scheunemann. Neben dem Training gibt die Gießenerin Nachhilfe in Mathematik, versucht kleine Projekte wie den Verkauf von Speiseeis mit den Spielerinnen zu initiieren. Bei Bedarf gibt sie auch Englischunterricht. »Schließlich sollen die Mädchen irgendwann Nationalspielerinnen werden. Da müssen sie die Sprache beherrschen.«

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Artikel vom 20.06.2012 - 16.30 Uhr
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