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Gießener Vortrag zu Rektorenporträts der Universität Jena

Artikel vom 27.01.2010 - 20.00 Uhr

Gießener Vortrag zu Rektorenporträts der Universität Jena

Ein Vortrag von Mischa Steidl zu Rektorenporträts der Universität Jena in der Gießener Ausstellung von Anke Doberauer beschäftigte sich mit ungeliebten Teilen der deutschen Geschichte.
Mischa Steidl (links hinten) hält seinen informativen Vortrag vor der Professorengalerie, die sein Thema war.	(Foto: dkl)
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Mischa Steidl (links hinten) hält seinen informativen Vortrag vor der Professorengalerie, die sein Thema war. (Foto: dkl)
Wie geht man mit ungeliebten Teilen der deutschen Geschichte, mit dem Nationalsozialismus und seinen Vertretern, in der Kunst um? Dieser Frage ging der Gießener Kunsthistoriker Dr. des. Mischa Steidl nach, der Mitarbeiter bei der Vorbereitung der Ausstellung »Anke Doberauer. Malerei« war, deren Werke noch bis Sonntag in der neuen Kunsthalle zu sehen sind. Neben der Serie von Studenten- und Wissenschaftler-Porträts wird auch eine achtteilige Reihe von Rektorenporträts der Universität Jena gezeigt, die 1997 dort heftige Kontroversen ausgelöst hat.

Steidl hatte sich der Mühe unterzogen, die zahlreichen Fakten zu erarbeiten, und versuchte zunächst die Hintergründe zu beleuchten, dann die Thematik von der verzwickten politischen auf die künstlerische Ebene zu holen. Der Verein der Freunde der Schiller-Universität Jena hatte sich zum Ziel gesetzt, Lücken in der Rektorengalerie aufzufüllen. Der Auftrag ging 1996 an Anke Doberauer, vermittelt durch den Kunsthistoriker Hans-Joachim Verspohl († 2002). Aufgabe waren Porträts von drei verstorbenen und vier noch lebenden Rektoren im Zeitraum 1945 bis 1996.

Die Künstlerin entschied sich dafür, die Lebenden im traditionellen Halbfigurenporträt en face zu malen: Zwei sind im Anzug dargestellt, die jüngsten beiden im vollen Talar, was allein schon verwundert. Amtskette und Attribute ihrer Lehrgebiete tragen alle. Für die Verstorbenen wählte sie eine andere Form: die Dreiviertel-Rückenansicht, für die sie Jugendliche in einen Talar hüllte, die auf ein aufgeschlagenes Buch in ihren Händen blicken.

Die aufgeschlagene Seite zeigt jeweils ein Foto des einstigen Rektors, eine Inschrift verweist in der Regel auf deren Lehrgebiet. Für den Betrachter sozusagen eine Verdoppelung der Distanz zum Dargestellten.

Der anfängliche Protest in Jena richtete sich generell gegen diese rückwärtsgewandte Form der Ehrung eines bloßen Amtsträgers, dann gegen die Aufnahme der Rektoren aus der DDR-Zeit. Vollends entzündete sich der Zorn jedoch, als es die Künstlerin wagte, von sich aus ein Bild des nationalsozialistischen Rektors an den Anfang der Reihe zu stellen, da es von diesem überhaupt keines gab.

Die stark farbigen Hintergründe schlagen den Bogen von Braun über Schwarz ins immer leuchtender werdende Rot, bis dieses sich im Ockergelb auflöst. Schwarz-Rot-Gold, die Farben Deutschlands oder die Wandlung von den Braunen über die Roten bis zum goldgelben Kapitalismus?



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Artikel vom 27.01.2010 - 20.00 Uhr
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