Gießener Kita-Betreuung vor gravierenden Veränderungen
Gießen (son). Die derzeit in den Gießener Kindertagesstätten angebotenen Betreuungszeiten und Platztypen entsprechen nicht mehr dem Bedarf berufstätiger Eltern. Dies berichtete Jugendhilfeplanerin Gabi Keiner bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Donnerstagabend. Daher soll nun in einer zweijährigen Erprobungsphase in sechs Gießener Kitas ein Betreuungszeitmodell mit flexiblen und erweiterten Öffnungszeiten und neu gestaffelten Platztypen eingeführt werden.
Diesem Antrag stimmte der Fachausschuss einstimmig zu. In ihrem Bericht stellte Keiner detailliert die Erhebungsgrundlagen und die auf diese Weise ermittelten Bedarfe der Gießener Eltern vor.
»Grundlage für das neue Zeitmodell sind die Ergebnisse aus Eltern- und Expertenbefragungen, dem Lokalen Bündnis für Familien, die beschlossenen Planungsempfehlungen des Entwicklungsplans Kinderbetreuung und die nötige Konzeptionierung des Planungsprozesses«, erklärte sie. Entscheidendes Ergebnis der Befragungen ist der tageweise differierende Betreuungsbedarf, den die Eltern an die Einrichtungen stellen, sagte Keiner. Unzufrieden waren viele Eltern auch mit der nicht geklärten Betreuung in den Ferien und an Schließtagen. Bei der quantitativen Befragung - die Rücklaufquote betrug 38 Prozent - gaben zudem rund 30 Prozent einen Bedarf an, der über die 45 Stunden der bisherigen Ganztagsplätze hinaus gehe. Davon benötige die Mehrheit einen Betreuungszeitrahmen von bis zu 50 Stunden in der Woche, der derzeit in Gießen noch nicht angeboten werde. »Der Bedarf kommt bei einem Ganztagsjob und den entsprechenden Anfahrtszeiten ganz leicht zustande«, sagte Keiner.
Nach dem neuen Modell sollen im Kindergartenbereich sechs Platztypen (25, 30, 35, 40, 45 und 50 Wochenstunden) angeboten werden. Die Gebührenstaffelung nach Einkommen der Eltern wird beibehalten. »Die Lage der Betreuungszeit kann nun tageweise variieren, muss jedoch festgelegt werden«, sagte Keiner. Im U3-Bereich sollen zwei Platztypen (45 und 50 Wochenstunden) angeboten werden. Bei den Modell-Kitas, die in verschiedenen Stadtteilen liegen, handelt es sich um St. Vinzenz, St. Elisabeth (angefragt), Kita ev. Luthergemeinde, Kita Anne-Frank-Straße, die Kita an der Gießener Straße in Wieseck sowie um die Kita Märchenland in Kleinlinden. Die Erprobungsphase soll bei den Kitas der freien Träger zu Beginn des neuen Kindergartenjahres beginnen.
Im weiteren Verlauf der Sitzung gab Birgit Schlathölter von der Jugendhilfeplanung einen Überblick über die seit 2003 geplanten und angestoßenen Projekte im Bereich Frühprävention. Genannt wurden das Qualifizierungsprojekt Kinderschutz und das Hallo-Welt-Projekt für junge Familien. In diesem Jahr soll das Präventionsangebot »Runde Sache« vorangetrieben werden. Die Federführung liegt beim Gesundheitsamt. Ziele sind ein gezieltes Hilfsangebot für Schwangere mit psychosozialen Belastungen und die Sicherstellung der Nachsorge durch eine Hebamme für jede junge Mutter.
Ralf Volgmann vom Fachausschuss Kinder- und Jugendförderung machte auf das Problem der unzureichenden Nachmittagsbetreuung von Schulkindern aufmerksam. Der Übergang Kindergarten - Schule stelle viele Eltern vor große Probleme, da es einfach zu wenig Betreuungsplätze gebe. »Die Kommune allein kann dieses Problem nicht lösen«, antwortete Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich. Dazu sei eine langfristige Konzeption wie der Ausbau der Ganztagsschulen nötig. Sie werde das Thema an den Schulausschuss weiterleiten.
Amtsleiter Andreas Prinz berichtete über den nun vorliegenden Schlussbericht der im Sommer vergangenen Jahres vom Landesrechnungshof in Auftrag gegebenen Prüfung des Jugendamtes. Prinz lobte das differenzierte und qualitativ hochwertige Verfahren. »Wir erhielten eine faire Kritik, aus der wir viele Anregungen für die Zukunft mitnehmen konnten«, sagte er.
Das BID Marktquartier will dauerhaft ein Kinderkarussell auf den
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